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West Hammers siegen knapp - Gayheart wird zum unwahrscheinlichen Helden

Es war einer dieser Abende, an denen das Flutlicht ein bisschen heller schien als sonst - vielleicht, weil 12.454 Zuschauer im alten Hammers-Stadion das Gefühl hatten, hier könnte etwas Besonderes passieren. Am Ende stand es 1:0 für die West Hammers gegen Hinckley United, ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet knapp, emotional aber fast heroisch war.

Der Held des Abends? Ausgerechnet Andrew Gayheart, 32 Jahre alt, Rechtsverteidiger mit Sinn für das Bodenständige. In der 63. Minute rauschte er nach vorne, als hätte ihn jemand vergessen, zurückzupfeifen - und drosch den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes, der sonst selten in der Nähe des gegnerischen Strafraums gesichtet wird, in die Maschen. Das Stadion bebte, und auch Trainer Toni Mückfeld hatte kurz Mühe, seine professionelle Fassade zu wahren: "Ich hab’ ihm eigentlich gesagt, er soll hinten bleiben. Aber gut, wenn er schon mal da ist - soll er’s halt richtig machen."

Das Spiel zuvor war ein klassisches Beispiel dafür, wie zwei Teams sich gegenseitig neutralisieren können, ohne dabei langweilig zu wirken. Hinckley kam mutig, hatte durch Connor Crichton bereits in der ersten Minute den ersten Abschluss. Doch Hammers-Keeper Henry Neil war hellwach und hielt, als ginge es um seine Wohnungskaution.

Die West Hammers brauchten ein paar Minuten, um ins Rollen zu kommen. Alfie Caroll prüfte Hinckleys Torwart Rhys Hayman früh, und William Hannigan versuchte es gleich zweimal zwischen der 22. und 27. Minute - beide Male knapp vorbei, aber immerhin mit Stil. "Wenn’s wenigstens Latte gewesen wäre", murmelte Hannigan beim Gang in die Kabine, "dann hätte es wenigstens gescheppert."

Zur Pause stand es 0:0, und die Statistik erzählte von einem leichten Übergewicht der Gastgeber: 53 Prozent Ballbesitz, 14:11 Torschüsse über das gesamte Spiel hinweg. Optisch war’s aber ein Gleichgewicht der Kräfte - bis Gayheart den Hammer auspackte.

Die Szene, die zum Tor führte, war typisch für dieses Spiel: eine halbhohe Flanke, zu lang und eigentlich schon verloren. Doch der Ball prallte von Hinckleys Verteidiger Karl Hennig zurück ins Feld, Gayheart rauschte heran - und traf. Sekunden später sah Hennig Rot, nachdem er bei einem Frust-Zweikampf zu heftig einstieg. Zwei Minuten, die das Spiel kippten. "Das war ein Moment, in dem die Nerven einfach durchgingen", gab Hinckleys Trainer später zu. "Aber ehrlich gesagt: Wir hatten eh keinen guten Tag mit der Farbe Rot."

Hinckley versuchte es danach noch, trotz Unterzahl. Der junge Vincent Van Tessel, gerade mal 20, zeigte in der 96. Minute noch einmal, warum er als großes Talent gilt - sein Schuss zwang Neil zu einer Glanzparade. Der Torwart grinste danach: "Ich hab nur gehofft, dass der Ball nicht flattert. Wenn er das getan hätte, stünde ich jetzt wahrscheinlich noch fluchend im Tornetz."

Die West Hammers spielten die letzten Minuten routiniert herunter, was in ihrem Fall bedeutete, dass sie sich gegenseitig anschrieen, wer denn nun den Ball klären sollte. Als der Schlusspfiff kam, war der Jubel fast erleichtert, nicht ekstatisch. Mückfeld umarmte jeden seiner Spieler, als hätten sie gerade die Liga gewonnen. "Ein dreckiger Sieg", gab er zu, "aber manchmal braucht man genau den. Und wenn’s dann noch der Rechtsverteidiger ist, der trifft - dann gönnt man sich abends auch mal ein zweites Bier."

Auf der anderen Seite herrschte Frust. Hinckleys Kapitän Peter Nemeth, der kurz vor Schluss noch Gelb sah, fasste es trocken zusammen: "Wir waren nicht schlechter, aber wir waren eben nicht schlauer."

Das Spiel hatte alles, was Fußball auf dieser Ligaebene so charmant macht: Einsatz, Chaos, ein bisschen Pech und einen Helden, den keiner auf dem Zettel hatte. Und vielleicht war es genau das, was die Fans so laut jubeln ließ, als Gayheart sich nach Abpfiff in Richtung Tribüne verneigte - halb verlegen, halb stolz.

Später, in der Mixed Zone, fragte ein Reporter den Torschützen, wann er zuletzt getroffen habe. Gayheart grinste schief: "In der Jugend. Und das war, glaube ich, ein Eigentor."

Ein Abend für die West Hammers also, ein Abend für die Geschichten, die man nicht planen kann. Und wer weiß - vielleicht erzählt man sich in ein paar Jahren noch, dass der rechte Verteidiger an jenem Winterabend plötzlich zum Stürmer wurde. Immerhin, ein bisschen Magie darf selbst in der 3. Liga England (2. Div) noch sein.

20.03.643990 08:38
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Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller
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