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Ein kalter Dienstagabend in Burscough, Flutlicht, 5000 Zuschauer und der Geruch von nassem Rasen - die perfekte Kulisse für ein Spiel, das man freundlich als "bodenständig" bezeichnen könnte. Am Ende jubelten die Gäste aus dem Westen: Die West Hammers siegten beim Viertligisten mit 2:0 und hinterließen ein Burscough, das sich fragte, ob man eigentlich auch ohne Ballbesitz Punkte bekommt. Schon früh ließen die Hammers keinen Zweifel daran, wer den Hammer schwingt. In der achten Minute zündete der 35-jährige Toto Pines-Paz, der offenbar beschlossen hatte, dass Altersweisheit und Kaltschnäuzigkeit eine tödliche Kombination sind. Nach feinem Zuspiel von Alfie Caroll schob er den Ball lässig ins lange Eck - 0:1. Das Publikum murmelte, die Trainerbank von Burscough sah aus, als würde man dort über Steuererklärungen diskutieren. "Wir waren eigentlich gut drin", versuchte Burscough-Keeper Joshua Linney später zu erklären. "Nur der Ball wollte halt nicht in die richtige Richtung." Eine Aussage, die sinnbildlich stand für das gesamte Spiel der Hausherren. Zwar kamen sie auf sechs Torschüsse - immerhin ein Drittel der Versuche der Gäste - doch gefährlich wurde es selten. Die West Hammers dagegen spielten wie ein Uhrwerk aus der Discount-Filiale: nicht schön, aber zuverlässig. Trainer Toni Mückfeld hatte offenbar genau den richtigen Ton getroffen. "Ich hab’ den Jungs gesagt: Wenn wir schon vier Stunden im Bus sitzen müssen, dann will ich wenigstens drei Punkte im Kofferraum", grinste der Coach nach der Partie. Das zweite Tor fiel in der 63. Minute, als Vincent Morais nach einer butterweichen Vorlage von William Hannigan den Ball aus kurzer Distanz einschob. Morais riss die Arme hoch, Hannigan nickte zufrieden, und Burscoughs Verteidigung fragte sich kollektiv, ob man auch unsichtbar Gelb bekommen kann. Taktisch war das Ganze kein Feuerwerk - beide Teams spielten über weite Strecken ausgewogen, das Pressing blieb so zurückhaltend wie ein britischer Butler. Doch während die Hammers ihre Chancen "sicher" suchten (13 Schüsse aufs Tor), wirkten die Gastgeber, als hätten sie das Tor mit einem unsichtbaren Schutzschild versehen. In der 71. Minute versuchte John Callahan für Burscough noch einmal, das Spiel zu drehen, scheiterte aber an Henry Neil, dem Torwart der West Hammers, der an diesem Abend alles hielt, was nach Ball aussah. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen", lachte Neil. "Aber ich glaub’, die haben mir mehr Rückpässe zugespielt als Schüsse aufs Tor." Kurz darauf rauschte Lucas Hinz über den linken Flügel, flankte wuchtig - allerdings in Richtung Parkplatz. Ein Zuschauer kommentierte trocken: "Wenn das ein Rugby-Spiel wäre, hätte er Punkte gemacht." Am Ende blieb es beim 0:2, und das völlig verdient. Die West Hammers hatten 54 Prozent Ballbesitz, mehr Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen - und vor allem mehr Ideen. Burscough dagegen wirkte, als sei man noch in der Aufwärmphase, nur dass der Schlusspfiff bereits ertönte. "Wir müssen lernen, dass Fußball nicht nur aus guten Vorsätzen besteht", sagte ein sichtlich genervter Burscough-Spieler nach dem Abpfiff. Sein Trainer - der Name wurde von der Tafel schon gelöscht, bevor er etwas sagen konnte - sprach von "Lichtblicken in der zweiten Halbzeit". Welche das genau waren, blieb unklar. Vielleicht meinte er den Moment, als der Linienrichter das Netz überprüfte - das war tatsächlich ein Highlight. Die West Hammers hingegen fuhren zufrieden nach Hause. Zwei Tore, drei Punkte, keine Verletzten, nur eine Gelbe Karte für Alfie Caroll - eine Bilanz, mit der man leben kann. "Das war kein Fußballfest", gab Mückfeld zu, "aber manchmal reicht’s, wenn man einfach die besseren Schuhe anhat." So bleibt Burscough in der unteren Tabellenhälfte gestrandet, während die West Hammers mit einem selbstbewussten Grinsen in die nächste Woche gehen. Und wer weiß: Vielleicht wird Burscoughs Angreifer Ryan Gayheart beim nächsten Spiel ja wieder treffen - auf das Tor, nicht nur den Rasen. Bis dahin bleibt den Fans immerhin die Gewissheit, dass man auch in der Niederlage Humor zeigen kann. Schließlich heißt es in Burscough seit gestern: Verlieren ist auch eine Art von Ballbesitz. 14.07.643990 03:10 |
Sprücheklopfer
Muss ich das jetzt als Frage verstehen oder die Antwort so beantworten, wie Sie sie in Ihre Frage reingelegt haben? Sie haben Ihre Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem, was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen.
Erich Ribbeck