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Weimar gewinnt wildes 3:2 - fünf Tore, ein Platzverweis und viel Gesprächsstoff

Ein Freitagabendspiel im Februar, Flutlicht über der "Goethe-Arena" und 11.612 frierende, aber bestens gelaunte Zuschauer: SC Weimar gegen TuS Hordel, Gruppenrunde des Liga-Pokals. Was nach einem soliden Zweitliga-Abend klang, wurde binnen einer halben Stunde zu einer kleinen Fußballoper - mit Arien, Fehltritten und einem Finale, das noch lange für Gesprächsstoff sorgen dürfte.

Kaum hatte Schiedsrichter Dittmann angepfiffen, da vibrierte die Tribüne schon. In der 3. Minute setzte sich der 20-jährige Marcus Brand über rechts durch, flankte scharf, bekam den Ball noch einmal zurück und drosch ihn sehenswert unter die Latte - 1:0! "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Brand später, "ich hab gar nicht gesehen, wohin der Ball flog - aber die Jungs haben so gejubelt, da wusste ich’s." Trainer Pino Zimmermann klatschte an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Pokal gewonnen.

Doch wer glaubte, Hordel würde sich überrumpeln lassen, irrte. Nur fünf Minuten später zirkelte Ernst Kunkel von links in den Strafraum, Mateja Anicic nahm die Kugel volley - Ausgleich. 1:1 nach acht Minuten. "Da haben wir kurz vergessen, dass das Spiel schon angefangen hatte", knurrte Weimars Keeper Daniel Mohr hinterher, halb im Scherz, halb im Ernst.

Und das war erst der Auftakt. In der 18. Minute drehte der 36-jährige Berndt Brand - offenbar kein Verwandter des Weimarer Torschützen, aber mindestens ebenso treffsicher - die Partie. Nach schöner Vorarbeit von Tim Pfeiffer schob er eiskalt zum 1:2 ein. Hordel jubelte, Trainerin Ute Finkeldy ballte die Faust und rief: "So will ich das sehen - mit Köpfchen, nicht mit Krach!"

Doch Weimar hatte andere Pläne. Der Rückstand weckte den Offensivgeist, und binnen einer Minute stand das Stadion Kopf. Erst setzte Johannes Schneider, nominell linker Verteidiger, in der 26. Minute zu einem beherzten Lauf an, zog aus 25 Metern ab - 2:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später lachend zu. Kaum war der Ball wieder im Spiel, kombinierte sich Weimar durchs Zentrum, Joschua Döring spielte einen Zuckerpass auf Balazs Hamsik - 3:2 in der 27. Minute. Drei Tore in zwei Minuten, und die Fans sangen, als wäre Sommer.

Danach beruhigte sich das Geschehen ein wenig - zumindest relativ. Weimar blieb offensiv (18 Torschüsse insgesamt), Hordel lauerte auf Konter (9 Abschlüsse). Der Ballbesitz war nahezu ausgeglichen, 50 zu 50 Prozent, aber die Zweikampfquote sprach mit 53 Prozent knapp für die Hausherren. Das Spiel wogte hin und her, manchmal elegant, manchmal wild, manchmal beides zugleich.

Die zweite Halbzeit brachte weniger Tore, dafür mehr Dramatik. Erst Wechsel: Zimmermann brachte in der 57. Minute Björn Schöne für den müden Jannik Hansen, dann kam der 19-jährige Tomasz Dumont - ein Debütant, der gleich zweimal gefährlich abschloss. "Ich glaub, der Junge weiß gar nicht, dass er Angst haben könnte", sagte Trainer Zimmermann schmunzelnd. TuS Hordel versuchte es mit Aggressivität: drei Gelbe Karten (Albinana, Schöne, Herbst) und schließlich, in der 90. Minute, der unrühmliche Höhepunkt - Vincent Albinana sah Gelb-Rot. "Ich hab nur Hallo gesagt", meinte er später augenzwinkernd, während Finkeldy daneben die Lippen zusammenpresste.

Trotz Unterzahl warf Hordel in den Schlussminuten noch einmal alles nach vorn, aber Weimars Defensive hielt stand. Ein letzter Versuch von Berndt Brand in der 83. Minute - Mohr parierte spektakulär. Kurz darauf pfiff der Schiedsrichter ab. 3:2, Endstand, Weimar jubelt, Hordel hadert.

"Wir haben das Herz auf dem Platz gelassen, und das ist manchmal mehr wert als ein sauberes 4:0", fasste Torschütze Hamsik zusammen. Trainer Zimmermann nickte: "Wenn wir so weitermachen, muss ich bald nicht mehr meckern - und das wäre ja schade." Auf der anderen Seite reagierte Finkeldy gewohnt trocken: "Wir haben fünf Minuten lang vergessen, dass Verteidigen zum Fußball gehört. Danach war’s schwer."

So endete ein Spiel, das alles bot - Tempo, Tore, Karten, Emotionen. Selbst Goethe hätte vermutlich den Federkiel gezückt. Und während die Fans nach Hause stapften, summte einer: "Weimar kann doch noch siegen." Ein Satz, der an diesem Abend tatsächlich mal nicht ironisch gemeint war.

05.11.643990 18:58
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Marcio Amoroso ist der Prototyp des Spielers, der nach einem 1:10 höchst zufrieden nach Hause geht, weil er das einzige Tor geschossen hat.
Paul Breitner
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