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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob das Ergebnis eigentlich zum Spiel passt. 1:0 stand am Ende auf der Anzeigetafel im Weiler-Stadion - ein knappes Resultat für ein Spiel, das eher wie ein einseitiges Schützenfest wirkte. 12.500 Zuschauer trotzten der winterlichen Kälte und sahen, wie "Weiler im Allgäu" den VfL Frohnlach über 90 Minuten hinweg in die eigene Hälfte drückte. Von Beginn an war klar, wer hier die Hosen anhatte. Schon nach 60 Sekunden prüfte Linus Berger den Frohnlacher Keeper Roberto Cabrero, und das sollte nur der Auftakt zu einem Dauerbeschuss werden. 25 Torschüsse zählte die Statistik am Ende für die Gastgeber - ein Wert, der jeden Torwart-Albtraum beschreibt. Frohnlach kam auf zwei. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Cabrero nach dem Spiel. "Aber ich glaube, der Ball war öfter bei mir als bei unseren Stürmern." Das goldene Tor fiel in der 20. Minute, und es war ein Treffer, der die Handschrift von Mino Raiola trug - pardon, Trainer Raiola natürlich, nicht der Spielervermittler. Nach einem blitzsauberen Pass von Rechtsaußen Max Kelly zog Nick Scherer zentral ab und traf trocken ins linke Eck. Ein Musterbeispiel für den Plan der Allgäuer: schnörkellos, direkt, effektiv. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Scherer später mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen Understatement und Stolz pendelte. Danach schien das Spiel eine einzige Demonstration der Weiler’schen Angriffslust zu werden. Michael Siebert, Jannick Fritsch, Linus Berger - sie alle hatten Chancen, die man in jedem Torwart-Albtraum wiederfindet. Doch Cabrero im Frohnlacher Kasten wuchs über sich hinaus. "Wenn der noch zwei Zentimeter länger wäre, hätte er wahrscheinlich auch das Tor gehalten", meinte Raiola später trocken über den Siegtreffer. Frohnlach, das laut Trainerbank eigentlich "balanciert" auftreten wollte - der Taktikzettel sah wohl eher nach Yoga als nach Fußball aus - schaffte es selten über die Mittellinie. Einmal in der 52. Minute wagte sich Innenverteidiger Carlos Travassos nach vorne und prüfte Weilers Keeper Costica Rotariu. Der wehrte den Ball routiniert ab, gähnte fast dabei. Die Gäste blieben harmlos, wirkten ideenlos, fast höflich. "Wir wollten den Ball laufen lassen", sagte Frohnlachs Kapitän Luke Brady, "aber er lief meistens weg." Ein Satz, der das Spiel treffend zusammenfasst. Zwar hatte Frohnlach mit 54 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch die Zahlen täuschen: Das war mehr Sicherheitspasserei als Offensive. Weiler dagegen kombinierte mutig, spielte offensiv und zeigte, dass man in der 3. Liga auch mit jugendlicher Unbekümmertheit glänzen kann. In der zweiten Halbzeit wechselte Raiola gleich dreimal in der 60. Minute und brachte mit Jürgen Linke, Heinrich Foerster und David Cabrera frische Beine - und jugendlichen Elan. Der 18-jährige Linke, kaum auf dem Platz, feuerte gleich drei Mal aufs Tor. "Ich wollte mich zeigen", grinste er nach dem Schlusspfiff, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Seine Versuche rauschten knapp vorbei, über das Tor, oder landeten in Cabreros Händen, die an diesem Abend vermutlich heißer waren als der Glühwein auf der Tribüne. Frohnlach versuchte, wenigstens kämpferisch dagegenzuhalten, blieb aber brav. Kein Gelb, kein Rot, kein Aufbäumen. Als Eri Schmitt in der 86. Minute verletzt vom Platz musste, war das sinnbildlich: Das Team aus Oberfranken lag am Boden - im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. "Wir haben immerhin zu Ende gespielt", sagte Trainer Jürgen Maier (der Gastcoach, der sich den Fragen der Presse sichtlich widerstrebend stellte). "Das ist ja auch was." Weiler dagegen feierte den knappen Sieg wie einen Befreiungsschlag. Nach drei torlosen Spielen war das 1:0 Balsam für die Seele - und ein Fingerzeig, dass man im Allgäu mit kleinem Etat, aber großer Leidenschaft Fußball spielt. "Schön wär’s, wenn wir auch mal das zweite Tor machen", seufzte Raiola zum Schluss, "aber man muss ja auch was für die Spannung tun." Ein knapper Sieg also, der in Erinnerung bleibt, weil er alles war - nur kein knappes Spiel. Wer 25 Schüsse abfeuert, 55 Prozent der Zweikämpfe gewinnt und trotzdem nur 1:0 siegt, darf sich ein bisschen wundern. Aber im Allgäu, so sagt man, mag man’s eben bodenständig. Und so verließen 12.500 Zuschauer das Stadion mit kalten Füßen, aber warmem Herzen. Einer rief noch, halb lachend, halb frierend: "Hauptsache drei Punkte!" Und tatsächlich - schöner lässt sich Fußball manchmal nicht zusammenfassen. 09.12.643987 06:53 |
Sprücheklopfer
Wo isch mei Kanohn?
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