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Weiler trotzt Beilngries - ein 2:2, das keiner so recht versteht

Es war einer dieser kühlen Märzabende im Allgäu, an denen der Atem in kleinen Wolken über den Rasen zieht und die Flutlichtmasten wie sture Wächter über das Geschehen wachen. 14.636 Zuschauer kamen nach Weiler, um zu sehen, ob ihr Team gegen den favorisierten FC Beilngries diesmal mehr als nur "tapfer dagegenhalten" würde. Und siehe da - sie bekamen 90 Minuten, die irgendwo zwischen Chaos, Leidenschaft und purem Unterhaltungswert pendelten.

Bereits nach fünf Minuten explodierte das kleine Stadion. Michael Siebert, der rechte Flügelblitz der Weileraner, jagte den Ball nach einer butterweichen Vorlage von Samuel Erskine mit der Präzision eines Chirurgen in den Winkel. 1:0 - und die Tribüne bebte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Siebert später, "eigentlich wollte ich flanken."

Doch wer dachte, Beilngries würde sich in Schockstarre ergeben, irrte. Keine fünf Minuten später zirkelte Nevio Beto einen Ball aus zentraler Position ins linke Eck - vorbereitet von Mihai Stancu, der zuvor den gesamten rechten Flügel Weilers wie ein Sonntagsausflügler an der Isar spazierend überlaufen hatte. 1:1, und Trainer Andreas Tiefenbach klatschte zufrieden in die kalten Hände. "Das war die Reaktion, die ich sehen wollte", knurrte er nach dem Spiel.

Danach übernahm Beilngries weitgehend das Kommando. 56 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse - die Statistik sprach eine klare Sprache. Andre Herzog prüfte Weilers Keeper Rotariu gleich mehrfach, Beto zog aus allen Lagen ab, und selbst Rechtsverteidiger Patrick Primes versuchte sich plötzlich als Freistoßkünstler. Doch das Tor wollte nicht fallen. Stattdessen sorgte Claudiu Ungureanu mit einer gelben Karte in der 7. Minute für etwas Dramatik - nach einem Tackling, das man im Allgäu wohl als "bissig" bezeichnet. "Er hat halt den Ball gesucht", meinte Trainer Mino Raiola später trocken, "er hat ihn nur leider nicht gefunden."

In der zweiten Halbzeit schien sich die Partie endgültig in Richtung Beilngries zu neigen. In der 60. Minute, die Hausherren gerade mit drei frischen Kräften auf dem Platz, schlug Herzog eiskalt zu. Nach einem blitzsauberen Pass von Primes versenkte er zum 2:1 für die Gäste - und streckte die Arme in den kalten Abendhimmel. Weiler taumelte, Beilngries kombinierte, Tiefenbach grinste.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht manchmal seine eigene Dramaturgie schreiben würde. Während die Gäste das Spiel kontrollierten, schickte sich der junge Nelio Meira an, Lokalheld zu werden. In der 81. Minute fasste er sich ein Herz, zog von rechts nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck - erneut hatte Erskine seine Füße im Spiel. 2:2! Das Stadion tobte, die Ersatzbank stand Kopf, und Raiola brüllte etwas Unverständliches in Richtung Himmel, das wohl "Endlich!" hieß.

Die Schlussphase war wild. Beilngries brachte Kay Blume für den erschöpften Doppeltorschützen Herzog, Weiler verteidigte mit allem, was Beine hatte. In Minute 90 noch einmal Herzklopfen: Blume tauchte frei vor Rotariu auf, doch der Keeper parierte mit einem Reflex, der ihn vermutlich noch heute in den Träumen der Fans auftauchen lässt.

Am Ende blieb es beim 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie zu wenig war. "Wir hatten Chancen für drei Spiele", haderte Beilngries-Trainer Tiefenbach, "aber wir haben’s verpasst, den Sack zuzumachen." Raiola dagegen zeigte sich halbwegs zufrieden: "Wenn du weniger Ballbesitz hast, weniger Torschüsse, aber trotzdem zweimal triffst, dann hast du irgendwas richtig gemacht - oder einfach Glück. Ich nehm beides."

Die Fans von Weiler sahen es ähnlich. Beim Hinausgehen hörte man einen älteren Herrn murmeln: "So spannend war’s hier seit dem Stromausfall 2019 nicht mehr." Und irgendwie hatte er recht.

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil es perfekt war, sondern weil es zeigte, dass Herz manchmal mehr zählt als Statistik. Und weil selbst ein Punkt gegen Beilngries im Allgäu gefeiert wird, als hätte man gerade den Aufstieg klargemacht.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer Weiler unterschätzt, hat den Fußball nie wirklich verstanden. Oder zumindest nie an einem kalten Montagabend im März in Weiler im Allgäu gestanden.

22.08.643993 12:52
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Rainer Calmund
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