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Weiler im Allgäu zerlegt Lotte: Ein 6:0, das noch lange nachhallt

An manchen Abenden fragt man sich, ob man wirklich in der 3. Liga gelandet ist oder versehentlich eine Mischung aus Champions-League-Gala und sonntäglichem Hobbykick beobachtet. Der Freitagabend in Weiler im Allgäu war so einer - 11.712 Zuschauer sahen ein 6:0, das selbst den heimischen Stadionsprecher zwischendurch ungläubig kichern ließ.

Weiler im Allgäu, trainiert vom stets charmant eigensinnigen Mino Raiola, schoss die Sportfreunde Lotte mit einer derart brutalen Konsequenz aus dem Stadion, dass man sich um die psychische Gesundheit des Gästekeepers Sorgen machen musste. Und das war schon nach 20 Minuten der zweite Torwart, denn der 43-jährige Vitor Viana humpelte nach einem Zusammenprall vom Feld. Ersatzmann Eskil Johnsson durfte anschließend beim Stand von 4:0 gleich mal Lehrgeld zahlen. "Ich wollte eigentlich nur warm werden", murmelte der Schwede nach dem Spiel, "aber dann wurde ich es - im Gesicht."

Die Chronologie dieses Fußball-Lehrstücks liest sich wie ein Horrorroman für jeden Defensivtrainer. Schon nach sieben Minuten traf Jannick Fritsch zum 1:0, nach glänzender Vorarbeit von Samuel Erskine. Nur drei Minuten später bedankte sich Erskine persönlich, indem er selbst zum 2:0 traf - diesmal auf Vorlage von Michel Hierro. Es war, als hätte Weiler beschlossen, das Spiel in der ersten Viertelstunde zu entscheiden. Linus Berger erhöhte in der 15. Minute auf 3:0, Nick Scherer legte in der 24. das vierte nach und packte in der 34. sogar das 5:0 obendrauf.

Zur Pause hatte Lotte also schon den Ballbesitz leicht auf seiner Seite (50,2 Prozent), aber das half so viel wie ein Regenschirm in einem Hagelsturm: Weiler schoss 22-mal aufs Tor, Lotte einmal - ein Versuch von Taylor Leech in der 26. Minute, den Costica Rotariu im Weiler-Tor vermutlich mit geschlossenen Augen parierte.

"Wir wollten mutig auftreten", erklärte Gästecoach Michael Klippel nach dem Spiel, "leider hat das unsere Abwehr wörtlich genommen und sich in alle Richtungen verteilt." Seine Mannschaft wirkte tatsächlich wie ein Haufen Individualtouristen, die sich am Treffpunkt verpasst hatten. Nur Harry Couture sorgte kurz für etwas Farbe im Spiel, als er in der 77. Minute Gelb sah - eine der wenigen Aktionen, bei denen ein Lotte-Spieler überhaupt in der Nähe des Balles war.

Weiler hingegen spielte wie aus einem Guss. Die Offensive um Fritsch, Berger und Erskine kombinierte mit einer Leichtigkeit, die man in der 3. Liga sonst nur in YouTube-Zusammenstellungen vermutet. Besonders auffällig: der 24-jährige Nick Scherer, der mit zwei Treffern und einem Assist das Herzstück des Weiler-Spiels bildete. "Ich hatte heute das Gefühl, dass jeder Schuss reingeht", grinste Scherer später in der Mixed Zone. "Mino hat uns gesagt: ’Wenn ihr Spaß habt, hat der Gegner Angst.’ Und offenbar hatten wir sehr viel Spaß."

Nach dem Seitenwechsel schaltete Weiler einen Gang zurück - oder vielleicht auch nur den Autopiloten ein. Die jungen Wilden um den eingewechselten Heinrich Foerster und den 20-jährigen Felipe Gama bekamen ihre Einsatzminuten. Gama prüfte den Lotter Ersatzkeeper gleich mehrfach, Heinrich Foerster zog aus der Distanz ab, als wolle er das Tornetz austauschen. Das Publikum quittierte jede Aktion mit Beifall; man hatte sich längst in einen kollektiven Fußballrausch getrunken - metaphorisch und, bei einigen Fans, vermutlich auch wortwörtlich.

In der Nachspielzeit setzte Robin Born den Schlusspunkt. In der 94. Minute verwertete er eine Kopfballablage des 19-jährigen Innenverteidigers Claudiu Ungureanu zum 6:0-Endstand. Der Jubel war ausgelassen, aber auch ein bisschen ungläubig. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass’s schon so spät ist", lachte Born. "Normalerweise bin ich daheim schon beim Abendessen."

Mino Raiola, der nach dem Spiel auffällig gelassen wirkte, brachte es auf den Punkt: "Wir spielen Fußball, um Geschichten zu schreiben. Heute war’s wohl ein Märchen - aber eins mit Fortsetzung."

Die Sportfreunde Lotte hingegen werden noch ein paar Kapitel brauchen, um dieses Trauma zu verdauen. Ein Torwart verletzt, ein Dutzend Gegentore fast kassiert, aber immerhin: Der Bus kam pünktlich. Und das ist an so einem Abend ja auch schon ein kleiner Sieg.

Fazit: Weiler im Allgäu zeigte, dass Leidenschaft, Spielfreude und ein Schuss jugendlicher Übermut selbst in der dritthöchsten Liga zu einem Fest führen können. Und wer dabei war, wird wohl noch lange erzählen, wie ein kleines Allgäuer Team an einem kalten Februarabend ganz groß aufspielte.

19.11.643990 13:42
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Es gibt jetzt gerade überall auf anderen Pressekonferenzen Trainer, die denselben Käse erzählen wie ich.
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