Anpfiff
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Weiler im Allgäu tanzt auf dem Kunstrasen - Lotte schaut zu

Es gibt Fußballspiele, die man lieber vergisst - und dann gibt es den Donnerstagabend in Lotte. 5000 Zuschauer kamen, hoffnungsvoll eingepackt in Blau-Weiß, um ihre Sportfreunde anzufeuern. Sie gingen mit hängenden Schultern und der Erkenntnis nach Hause: Das Runde wollte einfach nicht ins Eckige - jedenfalls nicht für Lotte. Weiler im Allgäu gewann hochverdient mit 2:0 und hätte, wenn man ehrlich ist, auch noch ein paar Treffer mehr erzielen können.

Von Beginn an übernahmen die Gäste die Kontrolle. Schon in der vierten Minute zwang Robin Born den Lotte-Keeper Eskil Johnsson zu einer ersten Flugparade. "Da dachte ich, das wird heute ein langer Abend", knurrte Johnsson später mit einem bitteren Lächeln. Und er sollte recht behalten: Weiler schoss im Laufe des Spiels ganze 18-mal aufs Tor, Lotte kein einziges Mal. Null. Nada. "Das ist schon eine Kunst für sich", murmelte ein Fan auf der Tribüne sarkastisch, während er sich ein weiteres Bier holte.

Die erste Halbzeit endete immerhin torlos, weil Weiler trotz aller Dominanz das Zielwasser vergessen hatte. Born drosch gleich zwei Mal knapp vorbei, und der junge Jannick Fritsch vergab alleinstehend vor dem Tor. Trainer Mino Raiola, bekannt für seine charmant-direkten Worte, rief seinem Stürmer zu: "Beim nächsten Mal schieß du nicht - du denkst einfach nicht nach!" Fritsch grinste nur.

Nach der Pause änderte sich wenig am Bild: Weiler drückte, Lotte verteidigte, und die Anzeigetafel blieb geduldig bei 0:0. Bis zur 64. Minute. Da war es endlich soweit. Michel Hierro, gerade erst eingewechselt, flankte punktgenau von rechts, und Jannick Fritsch verwandelte per Kopf. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - und so etwas hatte man an diesem Abend sonst vergeblich gesucht. "Der Ball war perfekt in der Luft, ich musste nur noch hoffen, dass ich ihn nicht versemmle", lachte Fritsch nach dem Spiel, als hätte er gerade ein Freundschaftsspiel gewonnen.

Lotte-Trainer - der sich nach dem Abpfiff demonstrativ hinter einer Kaffeetasse versteckte - schien innerlich schon ahnend zu resignieren. Seine Mannschaft blieb offensiv völlig harmlos, und selbst als Weiler kurzzeitig das Tempo drosselte, kam kein einziger Schuss gefährlich in die Nähe von Keeper Robert Schöne. Der hatte wohl den ruhigsten Abend seiner Karriere: "Ich hab mir in der zweiten Halbzeit überlegt, ob ich mir einen Stuhl hole. Aber ich wollte die Jungs vorne nicht ablenken", witzelte der 18-Jährige.

In der 78. Minute fiel dann die Entscheidung. Der flinke Linksfuß Samuel Erskine dribbelte sich elegant durch das Mittelfeld, legte quer auf Nick Scherer - und der vollendete eiskalt flach ins rechte Eck. 2:0, Applaus von der kleinen mitgereisten Fangruppe aus dem Allgäu, betretenes Schweigen im Rest des Stadions.

Danach spielte Weiler den Sieg souverän herunter, während Lotte immerhin noch zwei Gelbe Karten sammelte - offenbar, um wenigstens in der Statistik mitzuhalten. Detlev Schüler sah Gelb in der 91. Minute, Christer Berg legte in der Nachspielzeit nach. Das nannte man wohl "aggressives Ergebnismanagement".

Statistisch war das Ganze eine klare Sache: 51,6 Prozent Ballbesitz für Weiler, 18 Torschüsse zu null, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Das liest sich wie ein Handbuch für einseitige Fußballabende. Einzig die Laufbereitschaft der Lotte-Spieler konnte man nicht messen - vermutlich, weil sie zu selten in Ballnähe kamen.

Trotz allem nahm es Weiler-Trainer Mino Raiola gewohnt trocken: "Das war solide. Aber wenn wir so viele Chancen liegen lassen, krieg ich graue Haare - und das will keiner sehen." Seine Spieler lachten, sein Gegenüber eher weniger.

Die Zuschauer verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen. Ein älterer Herr fasste es auf dem Weg zum Parkplatz treffend zusammen: "Früher haben wir wenigstens mal aufs Tor geschossen. Heute schauen wir zu, wie’s die anderen machen."

Ein bisschen schwarzer Humor hilft eben nach so einem Abend. Weiler im Allgäu darf sich über drei verdiente Punkte freuen, Lotte über die Erkenntnis, dass man ohne Schüsse keine Tore erzielt - eine alte Fußballweisheit, die an diesem 33. Spieltag eindrucksvoll bestätigt wurde.

Vielleicht klappt’s ja nächste Woche. Oder übernächste. Oder irgendwann, wenn der Ball wieder Lust hat, ins Tor zu gehen.

26.09.643993 09:06
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