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Weiler im Allgäu fegt den Hamburger ASV mit 4:2 vom Platz

Ein Freitagabend im Januar, 20:30 Uhr, Flutlicht, 12.500 Zuschauer - und ein Weiler im Allgäu, das Fußball zelebriert, als ginge es um den Aufstieg in die Champions League. Am 16. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) besiegte die Mannschaft von Trainer Mino Raiola den Hamburger ASV mit 4:2 - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als die letzten Minuten vermuten lassen.

Schon in der siebten Minute bebte das kleine Stadion: Jannick Fritsch, gerade einmal 20 Jahre jung, nutzte die erste echte Chance eiskalt. Die Vorarbeit kam von David Cabrera, der an diesem Abend mehr Kilometer machte als ein Mittelklassewagen auf der A7. "Ich hab’ den Ball einfach reingespitzelt, ohne groß zu überlegen", grinste Fritsch nach dem Spiel - eine Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und killerhaftem Instinkt.

Kaum hatten die Hamburger sich vom frühen Schock erholt, rappelte es erneut. In der 18. Minute war es Michael Siebert, der nach erneutem Zuspiel von Cabrera auf 2:0 stellte. "Zweimal derselbe Passweg, zweimal dieselbe Lücke - da muss man sich schon fragen, ob die Hamburger Abwehr kurz Kaffee holen war", spottete ein Fan auf der Tribüne, während Trainer Paul Brill am Spielfeldrand ungläubig den Kopf schüttelte.

Weiler dominierte die erste Hälfte nach Belieben. 22 Schüsse aufs Tor im ganzen Spiel, allein 15 davon vor der Pause - das war ein Feuerwerk. Der ASV schaffte in der gleichen Zeit gerade mal einen zarten Versuch Richtung Keeper Costica Rotariu, der mangels Beschäftigung wohl überlegte, ob er in der Halbzeit noch schnell Brezen holen könnte.

Kurz vor der Pause dann der erste Dämpfer: Siebert verletzte sich in einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam der 18-jährige Jürgen Linke - und der sollte später noch seine ganz eigene Geschichte schreiben.

Nach dem Seitenwechsel ging es zunächst so weiter wie gehabt. In der 53. Minute stieg Innenverteidiger Mark Herrmann bei einer Ecke am höchsten und köpfte zum 3:0 ein. "Ich bin halt mal vorne geblieben, weil’s Spaß macht, Tore zu schießen", lachte der 22-Jährige später. Der Assist kam von Max Kelly, der mit einer butterweichen Flanke glänzte.

Danach schaltete Weiler einen Gang zurück - vielleicht einen zu viel. Hamburg, bislang harmlos wie ein nasser Pudel, begann plötzlich, sich zu wehren. Lewis O’Dea, der beste Mann der Gäste, prüfte Rotariu in der 61. Minute und traf in der 86. schließlich doch: Nach feinem Zuspiel von Paolo Bortolotti zirkelte er den Ball ins lange Eck - 3:1.

Nur drei Minuten später das 3:2: Diesmal bediente O’Dea seinen Kollegen Josef Bruun, der mit 30 Jahren Routine in den Schuss legte und traf. "Da haben wir kurz gedacht: Oh nein, das drehen die jetzt noch", gab Weilers Trainer Raiola später zu.

Doch dann kam der Moment des Abends. In der 95. Minute, als der Schiedsrichter schon auf die Uhr sah, stürmte der eingewechselte Jürgen Linke nach Pass von Nick Scherer allein auf den Torwart zu - und schob lässig ein. 4:2. Die Tribüne tobte. "Ich dachte erst, pfeift der jetzt ab oder nicht? Also hab ich einfach geschossen", erzählte Linke mit einem Grinsen, das man nur mit 18 Jahren so tragen kann.

Hamburgs Trainer Paul Brill suchte nach dem Spiel nach Erklärungen: "Wir waren in der ersten Halbzeit geistig noch im Bus. Dann kämpfst du dich zurück - und kriegst in der Nachspielzeit so ein Ding. Das ist bitter." Drei Gelbe Karten (Bratu, Bortolotti, Bruun) sprachen für den Frust seiner Mannschaft, die sich mit zunehmender Dauer mehr auf Diskussionen mit dem Schiedsrichter als auf den Ball konzentrierte.

Statistisch gesehen war das Spiel sogar fast ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Hamburg, 49 für Weiler. Aber Zahlen lügen, wenn sie nicht erzählen, wer wirklich wollte. Weiler gewann 57 Prozent der Zweikämpfe, lief mehr, schoss öfter, grinste breiter.

"Wir sind jung, wild und manchmal ein bisschen verrückt", fasste Trainer Raiola das Ganze zusammen. "Aber lieber so, als wie eine Schrankwand zu stehen und zu warten, dass was passiert."

Am Ende blieb ein Abend, der in Weiler wohl noch lange Gesprächsthema sein wird. Ein 4:2 gegen den Hamburger ASV - das klingt nicht nur nach drei Punkten, das riecht nach Aufbruch.

Und irgendwo im Allgäu sitzt gerade ein 18-jähriger Jürgen Linke und denkt sich: So schlimm ist Schule am Montag vielleicht doch nicht - wenn man am Wochenende die Heldenrolle gespielt hat.

11.07.643987 18:12
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Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer
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