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5000 Zuschauer im Theleyer Stadion bekamen am Dienstagabend beste Fußballunterhaltung: ein kämpferisches Heimteam, ein eiskalter Gast und ein Schlussakt, der selbst hartgesottene Fans der 3. Liga Deutschland (2. Div) kurzzeitig an der Realität zweifeln ließ. Am Ende hieß es 1:2 (1:0) - Weiler im Allgäu nahm drei Punkte mit, die sich wie ein kleiner Raubzug anfühlten. Dabei hatte alles so gut begonnen für den VfB Theley. In der 29. Minute war es der Routinier Inigo Canalejas, der nach feinem Zuspiel des erst 18-jährigen David Endres die Kugel trocken ins rechte Eck hämmerte. "Ich hab gedacht, der Junge spielt den Ball zu weit - aber dann legt er ihn perfekt rein", grinste Canalejas später, während Endres schüchtern nickte und flüsterte: "Ich wollte eigentlich schießen." Humor hat der Nachwuchs. Theley dominierte die erste Hälfte mit 55 Prozent Ballbesitz und einer Passquote, die nach Lehrbuch aussah. Doch das Chancenplus (8 Torschüsse) blieb ungenutzt, und im Fußball gilt bekanntlich: Wer seine Dinger vorne nicht macht, bekommt hinten noch einen eingeschenkt. Nach dem Seitenwechsel kam Weiler im Allgäu wie ausgewechselt zurück. Trainer Mino Raiola - ja, der Mino Raiola - hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon so weit reist, dann wenigstens mit Punkten im Gepäck", lachte er nach dem Abpfiff. Seine Mannschaft verstand die Botschaft. In der 57. Minute stellte Jannick Fritsch seine Kaltschnäuzigkeit unter Beweis: Nach präzisem Pass von Robin Born blieb er cool und schob zum 1:1 ein. Von da an schien Theley den Faden zu verlieren. Gelb für Linksverteidiger Joel Schenk in der 61. Minute passte ins Bild: viel Einsatz, wenig Ertrag. Weiler drückte, kombinierte und feuerte aus allen Lagen - insgesamt 17 Abschlüsse verzeichneten die Gäste, fast doppelt so viele wie die Hausherren. Torwart Georgi Abadschiew hielt, was zu halten war, aber das Schicksal hatte noch eine Pointe parat. Als die Nachspielzeit bereits lief und Theley sich gedanklich wohl mit dem Unentschieden arrangiert hatte, schlug Jannick Fritsch erneut zu. In Minute 90 traf der 21-Jährige nach Vorarbeit von Nick Scherer - eiskalt, kompromisslos, typisch Stürmer. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Fritsch nach dem Spiel, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Tat er nicht - er landete im Netz, und Weiler im Allgäu jubelte über einen Last-Minute-Dreier. Theley-Trainer (dessen Name sich geheimnisvoll aus den Vereinsunterlagen tilgte - man munkelt, er wollte nach dem Spiel inkognito bleiben) wirkte nachdenklich: "Wir haben das Spiel über weite Strecken kontrolliert, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Heute war’s eher ein Schönheitsfehler." Dass sein Team trotz spielerischer Überlegenheit leer ausging, wurmte ihn sichtbar. "Manchmal ist das Runde einfach zu rund", seufzte er. In der Kabine von Weiler dagegen klang’s deutlich fröhlicher. Fritsch soll lautstark gesungen haben, während Raiola mit einem Espresso auf den Sieg anstieß. "Wir haben nicht den schönsten Fußball gespielt, aber den effektivsten", meinte er und zwinkerte. Sein Team war taktisch klug eingestellt - offensiv ausgerichtet, aber mit kontrollierter Aggressivität. Pressing? Nur, wenn’s nötig war. Dafür passte die Balance zwischen Geduld und Gier perfekt. Theley hingegen zahlte Lehrgeld. Der junge Endres zeigte Ansätze, Canalejas bewies, dass Erfahrung kein Ersatz für Spritzigkeit ist, und Gianluca Crati rackerte vergeblich gegen die stabile Innenverteidigung der Gäste. Der letzte Schussversuch kam in der 88. Minute von Linksverteidiger Joel Schenk - sinnbildlich für die verzweifelte Endphase. Unterm Strich war es ein Spiel, das einmal mehr bewies, dass Statistiken lügen können: 55 Prozent Ballbesitz, mehr Passsicherheit, und trotzdem null Punkte. Weiler im Allgäu grinste sich Richtung Bus, während die Theleyer Fans mit einem Schulterzucken nach Hause gingen. "Das war heute Fußball, wie ihn nur die 3. Liga kann", sagte ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions. "Schön chaotisch." Und wer weiß - vielleicht gibt’s beim nächsten Heimspiel wieder Grund zum Feiern. Bis dahin bleibt Theley auf der Suche nach dem Rezept, wie man ein gutes Spiel auch gewinnt. Weiler dagegen hat es offenbar gefunden: Man braucht nur einen Jannick Fritsch in Torlaune - und einen Trainer, der Espresso statt Wasser trinkt. 03.09.643993 02:40 |
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel