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Weiler dreht das Halbfinale: Teenie-Trio schießt TSV Rain aus dem Pokal

Es war einer dieser Abende, an denen man die Luft im Stadion fast knistern hörte - 12.500 Zuschauer in Weiler im Allgäu, Flutlicht, Halbfinale im Liga-Pokal der 3. Liga/2. Division. Und am Ende jubelte die Jugend: Drei Treffer, alle aus den Füßen von Spielern, die kaum alt genug sind, um ihr eigenes Auto zu fahren. Weiler im Allgäu gewinnt 3:2 gegen den TSV Rain - und zieht ins Finale ein.

Dabei begann alles so gar nicht nach Drehbuch der Gastgeber. Schon in der 12. Minute schockte Mariusz Buncol die Allgäuer. Nach feiner Vorarbeit von Mateusz Jop schlug er den Ball aus 18 Metern flach ins rechte Eck - unhaltbar für Torwart Costica Rotariu, der sich danach kopfschüttelnd die Handschuhe ansah, als wollten sie schuld sein. "Ich hab ihn kommen sehen - aber irgendwie war er schon drin, bevor ich blinzeln konnte", sagte Rotariu später halb lachend.

Weiler brauchte etwas, um sich zu schütteln. Doch Trainer Mino Raiola, in elegantem Mantel und mit der Körpersprache eines Mannes, der seinen Espresso lieber doppelt nimmt, blieb ruhig. Er rief seinem Team zu: "Spielt euer Spiel, Jungs - das ist kein Bewerbungsgespräch!" Und siehe da, plötzlich rollte Angriff um Angriff in Richtung Rainer Strafraum. Felipe Gama, der 19-jährige Wirbelwind auf links, prüfte Keeper Miguel Coluna mehrfach, ehe in der 40. Minute der Ausgleich fiel.

Michael Siebert flankte von rechts, Ruben Guillen - gerade mal 18 - stieg hoch und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 1:1, das Stadion explodierte. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass ich ihn treffe", grinste Guillen nach dem Spiel.

Nach der Pause drehte Rain zunächst wieder auf. Connor Irwin, der flinke Ire auf dem linken Flügel, brachte die Gäste in der 55. Minute erneut in Führung - nach Vorarbeit von Luís Diez, der zuvor schon zwei Mal knapp gescheitert war. "Da dachten wir kurz: Das war’s", gab Weilers Verteidiger Bernd Jahn zu. Aber dann kam die vielleicht bemerkenswerteste Viertelstunde der Saison.

In der 64. Minute fasste sich David Cabrera ein Herz. Nach einem Doppelpass mit Jahn zog der 20-Jährige aus spitzem Winkel ab - und der Ball schlug unter der Latte ein. 2:2! Raiola riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Lottojackpot geknackt. "Das war pure Leidenschaft", schwärmte er später.

Nur eine Minute danach folgte der Moment, über den in Weiler noch lange gesprochen werden dürfte: Friedrich Jacobs, 17, seines Zeichens rechter Verteidiger, stolperte fast über den Ball, setzte dann aber zum Schuss an - und traf. 3:2! Die Fans schrien sich die Seele aus dem Leib. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Jacobs hinterher mit rotem Kopf.

TSV Rain warf in der Schlussphase alles nach vorn, hatte mit 58 Prozent Ballbesitz und neun Abschlüssen auch die Initiative, doch Weiler hielt mit jugendlicher Unbekümmertheit dagegen. In der 85. Minute zwang Andre Osterhoudt den Allgäuer Keeper noch einmal zu einer Glanzparade. "Wenn der reingeht, reden wir heute anders", knurrte TSV-Trainer Patrick Müller nach Abpfiff.

Weiler hatte am Ende zwar weniger Ballbesitz (42 Prozent), aber die klareren Chancen - 14 Torschüsse, drei Tore, jede Menge Mut. "Ich bin stolz auf die Jungs. Manche dürfen noch gar kein Bier trinken, aber sie spielen, als hätten sie 100 Länderspiele", lachte Raiola.

Auf der Tribüne sangen die Fans schon vom Finale, während die Spieler ausgelassen auf dem Rasen tanzten. Ruben Guillen schnappte sich das Mikrofon des Stadionsprechers und rief: "Wir fahren nach… ja wohin eigentlich?" - und das Publikum antwortete mit einem kollektiven "Egal, Hauptsache Finale!"

Ein Abend, wie ihn der Pokal liebt: jung, wild, unberechenbar. Und während die Flutlichter langsam erloschen, sagte Raiola noch einen Satz, der hängen bleibt: "Manchmal ist Fußball eben ganz einfach - du brauchst nur Mut, ein bisschen Glück und einen 17-Jährigen mit Schusspech, das plötzlich Glück wird."

So zieht Weiler im Allgäu mit einem 3:2 ins Pokalfinale ein - und der TSV Rain? Der tröstet sich mit der Erkenntnis, dass man auch beim Verlieren gut aussehen kann, wenn man so spielt. Doch an diesem Abend gehörte das Rampenlicht den jungen Wilden aus dem Allgäu.

21.03.643990 07:18
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Man soll auch die anderen Mannschaften nicht unter dem Teppich kehren lassen.
Olaf Thon
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