Anpfiff
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Weiler beißt sich ins Remis: 1:1 gegen Mündersbach nach wilder Chancenflut

Ein nasskalter Januarabend im Allgäu, Flutlicht, 12.500 Zuschauer, die sich mit Bratwurst und Tee warmhalten - und ein Spiel, das alles hatte, was den neutralen Beobachter freut: Kampf, Pfostenpech und ein Robin, der zum Helden wurde. Am Ende trennte sich Weiler im Allgäu im 8. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) mit 1:1 von Mündersbach - ein Ergebnis, das beiden irgendwie nicht so richtig schmeckte.

Von Beginn an machten die Hausherren klar, dass sie heute nicht auf Sicherheit spielen wollten. Trainer Mino Raiola, sonst eher für spektakuläre Transfergeschichten bekannt, schickte sein Team in offensiver Ausrichtung aufs Feld. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon friert, dann wenigstens in der gegnerischen Hälfte", grinste Raiola später in der Mixed Zone.

Und tatsächlich: Weiler feuerte aus allen Rohren. Schon in der 9. Minute prüfte Linus Berger den Mündersbacher Keeper Piotr Jakuschew - der erste von insgesamt 18 Torschüssen der Gastgeber. Doch das Tor fiel auf der anderen Seite. In der 36. Minute kombinierte sich Mündersbach einmal schnörkellos durchs Mittelfeld: Kutlu Toraman flankte butterweich von rechts, Olaf Busch rauschte heran und wuchtete den Ball per Direktabnahme zum 0:1 ins Netz. Ein Treffer, wie man ihn sonst nur in Trainingsvideos sieht.

"Ich hab einfach draufgehalten, weil Kutlu so schön geguckt hat", sagte Busch mit einem Grinsen, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Weilers Torwart Costica Rotariu hingegen sah den Ball wohl erst, als er schon hinter ihm lag.

Weiler reagierte wütend, fast trotzig. Zwischen der 37. und der Halbzeitpause jagten sie Schüsse im Minutentakt aufs Tor - Berger, Siebert, Scherer - alle probierten’s, keiner traf. "Der Ball wollte einfach nicht rein", meinte Stürmer Michael Siebert später, "vielleicht war das Tor zu klein oder der Ball zu rund."

Nach dem Seitenwechsel dauerte es nur acht Minuten, bis der Bann fiel. In der 53. Minute spielte der zentrale Mittelfeldmann Robin Born einen messerscharfen Pass durch die Schnittstelle, und Robin Verellen - der Belgier mit dem feinen linken Fuß - blieb eiskalt. Flach ins rechte Eck, 1:1! Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, und Verellen rutschte jubelnd auf den Knien Richtung Eckfahne. "Ich wollte eigentlich gar nicht rutschen, aber der Rasen war so glitschig, da ging’s einfach von allein", lachte der 21-Jährige später.

Danach entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - nämlich das der Gäste. Weiler drängte, attackierte, kombinierte. Linus Berger schoss in der 62., 66., 72., 79., 81. Minute - und vermutlich auch noch im Traum in der 95. Minute, hätte der Schiedsrichter nicht abgepfiffen. Doch entweder Jakuschew stand im Weg oder das Aluminium hatte etwas gegen die Allgäuer.

Mündersbach verteidigte tapfer, manchmal auch ein bisschen rustikal. In der Nachspielzeit sah Linksverteidiger Max Neumann für ein taktisches Foul Gelb - sinnbildlich für das, was Trainer Ben Senst "organisierte Verzweiflung" nannte. "Wir haben zu viel zugelassen, aber wenigstens nichts mehr verloren", meinte Senst nach dem Spiel.

In der 67. Minute musste Weilers Assistgeber Born verletzt raus, offenbar eine Muskelgeschichte. Für ihn kam der 18-jährige Heinrich Foerster - und der Junge fügte sich mutig ein, forderte Bälle, verteilte sie. "Der hat keine Angst, nur zu viel Energie", kommentierte Raiola trocken.

Statistisch war Weiler klar überlegen: 18:4 Torschüsse, 45 Prozent Ballbesitz, aber 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Zahlen, die eigentlich nach einem Sieg riechen. Doch im Fußball zählen bekanntlich nur die Tore - und da stand eben dieses nüchterne 1:1.

Als die Spieler nach Abpfiff in die Kabinen trotteten, blieb der Applaus der Fans warm und ehrlich. "So ein Spiel kann man auch mal nicht gewinnen", sagte Verellen, "aber wenn wir so weitermachen, gewinnen wir bald wieder alles."

Fazit: Ein Punkt, der sich für Weiler eher nach zwei verlorenen anfühlt - und für Mündersbach nach einem gewonnenen. Oder, wie es ein Zuschauer beim Hinausgehen treffend murmelte: "Wenn die Chancenverwertung ein Schulfach wäre, hätte Weiler heute Nachhilfe gebraucht."

Und so ging ein kalter Abend im Allgäu mit einem heißen Spiel zu Ende. Beide Trainer schüttelten sich die Hände, beide Mannschaften schleppten sich in die Kabinen - und irgendwo in der Nähe der Eckfahne lag vermutlich immer noch Linus Berger, der sich fragte, wie viele Schüsse eigentlich nötig sind, um den Fußballgott gnädig zu stimmen.

10.04.643987 03:55
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Das ist eine Deprimierung.
Andreas Möller
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