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Es war ein kalter Samstagabend in der Landesliga 21, doch die 2181 Zuschauer in Watzenberg dürften sich schnell warmgejubelt haben. Ihr Team, angetrieben von einem spielfreudigen Otto Herbst, zerlegte den SV Berg-Gladbach mit 4:0 (1:0) - und das auf eine Weise, die an einen Trainingskick erinnerte, nur dass der Gegner eben nicht die eigene B-Jugend war. Schon in der 7. Minute fiel das 1:0, als Herbst nach einem präzisen Zuspiel von Yanik König den Ball trocken ins rechte Eck drosch. "Ich hab einfach mal draufgehalten, der Ball war ja da", grinste Herbst später, als hätte er gerade eine Einkaufsliste abgehakt. Trainer der Gäste, der sichtlich konsternierte Coach von Berg-Gladbach, murmelte dagegen in seinen Schal: "So früh wollte ich eigentlich nicht zurückliegen. Oder überhaupt." Danach begann der große Watzenberger Sturmlauf. 22 Torschüsse sollte die Statistik am Ende zählen, und mindestens genauso viele Seufzer kamen aus dem Gästeblock. Vor allem Herbst, Sorglos und König rotierten unermüdlich vorne herum, während Berg-Gladbachs Hintermannschaft kollektiv den Eindruck machte, als sei "Raumdeckung" ein neues Brettspiel, das sie noch nicht ganz verstanden hatten. Der einzige Torschuss der Gäste kam übrigens von Olaf May in der 46. Minute - ein halbhoher Versuch, den Watzenbergs Torwart Pierre Monroe mit einer Hand fing, als wolle er eine fliegende Zeitung abwehren. Nach der Pause ging’s weiter im Einbahnstraßenmodus. In der 64. Minute belohnte sich Fynn Rodriguez für seine unermüdlichen Läufe mit dem 2:0, vorbereitet - natürlich - von Otto Herbst. "Otto hat mir den Ball so perfekt hingelegt, da hätt’s meine Oma auch reingemacht", lachte Rodriguez. "Aber sie spielt halt nicht Landesliga." Berg-Gladbach versuchte es mit kosmetischen Korrekturen, brachte in der 83. Minute Patrick Fritz für den verletzten Hartmut Pfeifer. Doch selbst das änderte wenig - Watzenberg spielte, Berg-Gladbach lief hinterher. In der 74. Minute gab’s immerhin noch eine gelbe Karte für Watzenbergs Linksverteidiger Kurt Moritz, der sich offenbar dachte, ein bisschen Action könne nicht schaden. Dann kam die Schlussphase, die für die Gäste endgültig zur Demonstration wurde. Timm Kiefer, bis dahin unauffällig, traf in der 86. Minute zum 3:0, nach feiner Vorarbeit von Rodriguez. Und weil’s so schön war, legte das Duo in der Nachspielzeit noch einmal exakt dieselbe Szene nach - Rodriguez flankte, Kiefer köpfte, Tor. 4:0, fertig, Feierabend. Berg-Gladbachs Trainer, der seine Mannschaft ursprünglich offensiv ausgerichtet hatte ("Wir wollten mutig sein"), stand zu diesem Zeitpunkt ratlos am Spielfeldrand und beobachtete, wie seine Spieler den Ball nur noch aus dem Netz holten. "Mutig waren wir schon", gab er später lakonisch zu, "nur halt nicht besonders erfolgreich." Watzenbergs Coach zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainiert haben: Geduld, Passspiel, Disziplin. Und ein bisschen Spaß darf ja auch sein." Als Reporter fragte man sich bei dieser Ballbesitzquote von 61 Prozent und einer Tacklingquote von fast 59 Prozent, ob "Geduld" hier nicht eher "Dauerbesitz" hieß. Auf dem Platz feierten die Spieler noch ausgelassen. Kiefer wurde von seinen Mitspielern in die Luft geworfen, während Herbst mit einem Becher Tee in der Hand grinsend in Richtung Kabine trottete. "Vier Tore, vier verschiedene Vorlagen, kein Gegentor - das war heute schon ziemlich rund", meinte Torwart Monroe, der den Abend als vermutlich kältesten, aber zugleich entspanntesten seiner Saison bezeichnete. Und so blieb es bei einem klaren 4:0, das in Wahrheit sogar noch höher hätte ausfallen können. Watzenberg hat mit diesem Sieg nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Statement gesetzt: Wer hierherkommt, sollte besser warme Stutzen und dickes Selbstvertrauen mitbringen. Berg-Gladbach dagegen wird sich fragen müssen, ob "offensiv" wirklich das richtige Rezept war - oder einfach ein Tippfehler im Matchplan. Ein Zuschauer fasste es beim Hinausgehen trocken zusammen: "Das war kein Spiel, das war ein Spaziergang. Nur halt mit Ball." Und tatsächlich - selten war Dominanz so unterhaltsam. Watzenberg obenauf, Berg-Gladbach bedient. Die Landesliga hat schon spannendere Abende gesehen, aber selten so eindeutige. 03.05.643987 13:20 |
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Aus der Ferne betrachtet ist es alles nur eine Frage der Distanz.
Klaus Toppmöller