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Es war ein kalter, klarer Februarabend, als 978 Zuschauer im Warburger Stadion Zeugen eines jener Spiele wurden, die man später mit einem Grinsen weitererzählt. Das Viertelfinale des Liga-Pokals (Landesliga 8) versprach Spannung - und bekam sie: SF Warburg drehte ein frühes 0:1 in ein spätes 2:1 und darf nun vom Halbfinale träumen. Dabei fing alles so gar nicht nach Traum an. Keine 60 Sekunden waren gespielt, da zeigte Eintracht Northeim, warum man sie trotz ihres jugendlichen Elans ernst nehmen muss. Ben Voigt, gerade mal 17 und offenbar mit der Präzision eines Uhrmachers gesegnet, flankte scharf von links, und Lionel Ronaldo - ja, der Name klingt nach Übertreibung, aber so steht’s im Spielbericht - drückte den Ball eiskalt über die Linie. 0:1 nach einer Minute, und die Warburger Fans rieben sich die Augen. "Ich dachte, der Anstoß war noch gar nicht vorbei", murmelte ein Zuschauer mit Bratwurst in der Hand. Die jungen Northeimer stürmten munter weiter, als hätten sie den Pokal schon im Bus. Elf Torschüsse insgesamt, ein Ballbesitzvorteil von hauchdünnen 50,4 Prozent - und doch schien ihnen das Glück in der zweiten Halbzeit auf die Ersatzbank zu verschwinden. "Wir haben uns nach dem 0:1 zu sicher gefühlt", gab Northeims Trainer Tim Picke später zu. "Fußball ist halt kein TikTok-Video - dauert länger als 30 Sekunden." Warburg hingegen brauchte eine Weile, um sich zu sortieren. Ihr Trainer, dessen Name in den offiziellen Unterlagen mysteriöserweise fehlt, schien in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben. "Ich hab den Jungs gesagt, dass man auch mit 49 Prozent Ballbesitz Tore schießen darf", grinste er nach Abpfiff. Nach 59 Minuten war es dann soweit. Tim Miller, der Routinier auf links, setzte sich mit einem energischen Dribbling durch und legte quer auf Walter Wilke. Der 24-Jährige blieb cool wie ein Eisblock, schob den Ball ins lange Eck - 1:1. "Ich hab’ einfach mal draufgehalten. Irgendwann muss ja mal einer rein", sagte Wilke danach, halb lachend, halb erleichtert. Northeim wankte, Warburg witterte Blut. Immer wieder versuchten Herbst und Brückner, über die Flügel Druck zu machen. Besonders Brückner, der rechte Mittelfeldroutinier, zeigte in der Schlussphase, dass Erfahrung manchmal die jugendliche Frische aussticht. In der 84. Minute kombinierte sich Warburg sehenswert durchs Mittelfeld, Yannick Schmidt legte quer, Brückner hämmerte den Ball aus zwölf Metern unter die Latte - 2:1! Das Stadion bebte, der Stadionsprecher überschlug sich, und selbst der Linienrichter klatschte unauffällig in die Handschuhe. "Das war so ein Moment, da riechst du einfach, dass der Ball rein muss", meinte Brückner später mit einem Augenzwinkern. Sein Tor entschied die Partie, sein Jubellauf endete fast im Fanblock. "Ich wollte eigentlich zur Eckfahne, aber da stand plötzlich meine Tante - die hat mich einfach umarmt." Northeim warf in den letzten Minuten alles nach vorne. Der 18-jährige Janis Hofmann prüfte Warburgs Torwart Liam Lauer kurz vor Schluss noch einmal mit einem satten Schuss aus 18 Metern, doch der alte Fuchs zwischen den Pfosten parierte mit den Fingerspitzen. Einmal mehr bewies er, dass Reflexe kein Verfallsdatum haben. Statistisch betrachtet war’s ein Duell auf Augenhöhe: 11:7 Torschüsse für Northeim, 51:49 Prozent Ballbesitz, aber die effektivere Mannschaft gewann. Vielleicht, weil Erfahrung manchmal klüger schießt als jugendlicher Übermut. Oder, wie ein Fan nach dem Spiel meinte: "Die Northeimer spielen schön, aber Warburg spielt clever. Und clever gewinnt Pokalspiele." So endet der Abend mit einem Lächeln auf Warburger Gesichtern und einem Stirnrunzeln auf der Northeimer Bank. Noch ist im Rückspiel alles offen - aber wer ein Spiel nach Rückstand dreht, der reist mit breiter Brust. "Wir wissen, dass es in Northeim schwer wird", sagte Kapitän Uwe Betz zum Abschied. "Aber wenn wir wieder so kämpfen, dann gibt’s vielleicht Bratwurst zum Halbfinale." Ein Satz, der den Ton des Abends perfekt trifft: Bodenständig, kämpferisch, leicht selbstironisch - eben typisch Warburg. Und wer weiß, vielleicht wird dieser Pokalabend irgendwann als Beginn einer kleinen Warburger Fußballmärchenstunde erzählt. 05.01.643991 01:54 |
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Geld schießt keine Tore.
Otto Rehhagel