Anpfiff
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Vollmer trifft, Linx lacht - ein 1:0 mit Nerven, Holz und Herz

Ein lauer Januarabend in Linx, 4.767 Zuschauer, Flutlicht, Bratwurstduft und diese knisternde Regionalliga-Spannung, die man nicht kaufen kann. Am Ende jubelte der SV Linx über ein 1:0 gegen Viktoria Nidda - ein Ergebnis so knapp wie die Hose des Linienrichters nach 90 Minuten Dauerlauf.

Das Spiel begann mit Tempo, aber ohne Zielwasser. Schon in der 2. Minute zog Niddas Luka Fritzsche ab, als wolle er die Lampe über dem Tor treffen - was ihm fast gelang. "Ich hab’s einfach mal probiert", grinste er nach der Partie, "vielleicht war’s ja ein Weckruf." War es. Nur leider für Linx.

Denn ab Minute 5 griffen auch die Hausherren ins Geschehen ein. Johannes Urban prüfte den Gästekeeper Albers gleich zweimal (6. und 9. Minute), der sich mit Katzenreflexen und einem Gesichtsausdruck zwischen Panik und Stolz in die Schussbahn warf. "Ich wusste gar nicht, dass ich so beweglich bin", keuchte Albers später.

Nidda blieb optisch überlegen, hatte mit 54 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, aber Linx hatte den einen Moment, der alles entschied. In der 32. Minute spielte Jan Hermann einen dieser Traumpässe, die man sonst nur in Sonntagsreden über den Jugendfußball hört. Carsten Vollmer nahm die Kugel links an, ließ seinen Gegenspieler aussehen wie eine schlecht positionierte Eckfahne und schlenzte den Ball in den rechten Winkel - 1:0!

Das Stadion explodierte, Bierbecher flogen, Kinder schrien, ein älterer Herr verschluckte sich fast an seiner Stadionwurst. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Vollmer danach bescheiden. Trainer Michal Dickschat grinste daneben: "Carsten sagt das immer. Aber wenn der ’einfach draufhält’, dann zappelt’s halt im Netz."

Nidda reagierte mit Wut - und einer Salve von Torschüssen. Fritzsche, Mancini, Jones, Terme, Völker - sie alle feuerten, als gäbe es Punkte für Streuung. 14 Schüsse aufs Tor sammelten die Gäste insgesamt, aber Linx-Keeper Dietz hielt, was zu halten war. Der 17-Jährige ersetzte kurzfristig den Stammtorwart und stand nach der Partie da wie ein Held mit Milchbart. "Ich hab einfach gedacht, ich bin Manuel Neuer", lachte er. Und ehrlich gesagt: Für einen Abend war er das auch.

In der zweiten Halbzeit änderte sich wenig. Nidda drückte, Linx verteidigte - und zwar mit allem, was an Schuhwerk, Schienbeinschoner und Mut aufzutreiben war. In der 54. Minute hätte Vollmer fast nachgelegt, doch Albers kratzte den Ball aus dem Winkel. Auf der anderen Seite verzweifelte der junge Mancini (18) gleich dreimal an Dietz. "Er hatte heute Magnet-Handschuhe", murmelte Niddas Trainer Stefan Rau nach dem Spiel, halb bewundernd, halb verzweifelt.

Die Schlussphase war ein Lehrstück in Zitterfußball. Dickschat wechselte in der 74. Minute den jungen Detlev Miller ein, der prompt einen Sprint hinlegte, der ihn direkt in den Vereinskalender für 2027 bringen dürfte. "Ich wollte zeigen, dass ich laufen kann", meinte der 18-Jährige trocken.

Als der Schiedsrichter endlich abpfiff, fielen die Linxer Spieler sich in die Arme, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. Und irgendwie fühlte es sich auch so an. "Wir haben mit Herz verteidigt", so Dickschat, "und manchmal reicht ein Herzschlag Vorsprung."

Nidda hingegen muss sich fragen, wie man 14 Schüsse aufs Tor abgeben kann, ohne einen Treffer zu erzielen. "Das war heute Fußball zum Verzweifeln", sagte Rau. "Aber wenigstens wissen wir jetzt, dass unser Torwart auch als Zuschauer was davon hat."

Die Statistik schrieb nüchtern: 46 Prozent Ballbesitz für Linx, 54 für Nidda, 8:14 Torschüsse, aber 1:0 Tore. Der Rest war Leidenschaft, Zufall und ein Schuss Vollmer’scher Präzision.

Auf der Tribüne fasste es ein älterer Fan zusammen, während er sein Bier hob: "Die da drüben spielen schön, wir gewinnen. So soll’s sein." Und wer wollte ihm da widersprechen?

So blieb es beim 1:0 - ein dreckiger, erkämpfter Sieg, wie ihn Regionalligafußball-Fans lieben. Kein Glanz, kein Glamour, nur Gras, Schweiß und ein Tor, das den Abend vergoldete.

Am Ende lächelte Dickschat in die Kameras und sagte den Satz des Abends: "Wir wollten das Spiel kontrollieren - das hat Nidda gemacht. Aber das Ergebnis kontrollieren, das konnten nur wir."

Und während die Flutlichtmasten erloschen, blieb das Gefühl, dass dieser Sieg für Linx mehr war als drei Punkte. Es war ein Statement: Wer kämpft, darf träumen - auch in der Regionalliga A.

03.05.643987 05:35
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Wenn mein Vater da gewesen wäre, hätte sich mein Leben vollkommen anders entwickelt. Viel zielgerichteter. Dann wäre meine Mutter zu Hause gewesen. Ich hätte vernünftig für die Schule gearbeitet, einen normalen Beruf erlernt und wäre nicht in den Fußball abgedriftet.
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