Anpfiff
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Viktoria Thiede stolpert über Steinbacher Effizienz

Wenn Ballbesitz Spiele gewinnen würde, hätte Viktoria Thiede am Dienstagabend wohl dreifach gepunktet. Doch Fußball ist bekanntlich kein Schönheitswettbewerb - und so jubelte am Ende der SV Steinbach über ein 2:1-Auswärtssieg, der in seiner Schlichtheit fast schon poetisch war. 5000 Zuschauer sahen eine Partie, die alles hatte: Chancenwucher, taktische Sturheit und einen eiskalten Mittelstürmer namens Bogdan Raducanu.

Die Regionalliga-D-Begegnung begann mit viel Elan auf beiden Seiten. Trainer Paul Heuer hatte seine Thieder gewohnt ausgewogen eingestellt - "Wir wollten kontrollieren, nicht überdrehen", erklärte er später mit einem Gesichtsausdruck zwischen Zen-Mönch und Zahnarzt nach einem langen Tag. Steinbachs Coach Martin Schmittel dagegen ließ offensiv anlaufen, mit langen Bällen und viel Einsatz. "Wir wussten, dass Thiede gern den Ball streichelt. Also haben wir ihn ihnen einfach weggetreten, wann immer es ging", grinste Schmittel nach Abpfiff.

Tatsächlich gehörte die erste Halbzeit klar den Gastgebern: 60 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse insgesamt, und doch kein Treffer. Thomas Kroll, Thiedes Dauerbrenner im Sturm, hämmerte den Ball gleich viermal knapp daneben. "Ich dachte, irgendwann muss doch einer reinrutschen", murmelte er später, "aber anscheinend war das Tor heute kleiner als sonst." Steinbach kam dagegen auf gerade einmal acht Abschlüsse, aber sie waren zielstrebiger - und gefährlicher.

Nach einer torlosen ersten Hälfte, in der Alfred Gudjohnsen immerhin eine Gelbe Karte sammelte (wohl, um nicht ganz vergessen zu werden), explodierte die Partie kurz nach Wiederanpfiff. In der 47. Minute endlich das erlösende 1:0 für Thiede: Thomas Kroll, diesmal mit Gefühl statt Gewalt, traf nach Vorarbeit von Linksverteidiger Jose Suarez. Das Stadion tobte, Heuer ballte die Faust, und die Thieder Fans begannen schon, das Tabellenblatt im Kopf neu zu sortieren.

Doch die Freude hielt ganze 60 Sekunden. Im direkten Gegenzug stand Bogdan Raducanu plötzlich frei vor Keeper Björn Rauch - und machte das, was Mittelstürmer so machen: Er traf. Passgeber Cesar Juarez grinste später: "Ich hab nur gehofft, dass Bogdan diesmal nicht wieder ins Netz statt aufs Tor schießt." 1:1 - und das Spiel begann von vorn.

Thiede drückte, kombinierte, verzweifelte. Marcel Lucescu und Nicolae Ungureanu prüften Steinbachs Torhüter Fabian Schmitz mehrfach, der sich zu einem echten Spielverderber entwickelte. Dann, in der 68. Minute, der Schlag ins Herz: Wieder Raducanu, diesmal nach Vorlage von Swen Fuhrmann. 2:1 für Steinbach - und auf der Thieder Bank herrschte minutenlang betretenes Schweigen.

"Wir haben die Kontrolle nie verloren", sagte Heuer anschließend, "nur leider das Spiel." Eine Analyse, die man so wohl nur in Thiede hört. Denn während seine Mannschaft den Ball weiter liebevoll durch die eigenen Reihen streichelte, verteidigte Steinbach mit Disziplin, Glück und einer ordentlichen Portion Zynismus. Dazu kamen die obligatorischen Gelben Karten - Raducanu selbst sah eine in der 53. Minute, wohl um das Bild abzurunden.

In der Schlussphase kam Thiede noch einmal mit Macht. Alfred Gudjohnsen und der junge Luka Thiele prüften Ersatzkeeper Agemar da Costa, der nach der 72. Minute für den angeschlagenen Schmitz kam - und prompt die Null hielt. "Ich hatte nicht viel Zeit zum Nachdenken", lachte der 21-Jährige nach seinem Kurzdebüt. "Vielleicht war das gut so."

Als Schiedsrichterin Winkler nach 94 Minuten abpfiff, standen die Steinbacher Spieler Arm in Arm vor ihren 200 mitgereisten Fans. Raducanu hob die Faust, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Zwei Tore sind zwei Tore", kommentierte er schlicht - und zeigte damit, dass man auch ohne viele Worte Geschichte schreiben kann.

Für Viktoria Thiede bleibt die Erkenntnis: Wer Chancen nicht nutzt, bekommt irgendwann die Quittung. 18 Schüsse, 60 Prozent Ballbesitz, ein Tor - das ist Mathematik, die keinem Trainer gefällt. Doch Paul Heuer blieb gelassen: "Das war kein Rückschritt. Eher ein Umweg mit Aussicht."

Vielleicht hat er recht. Vielleicht aber auch nicht. Sicher ist nur: Steinbach nahm drei Punkte mit, Thiede den Ballbesitz - und beides fühlte sich am Ende irgendwie verdient an.

23.11.643993 05:00
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