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Ein kalter Januarabend, 20. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div), Flutlicht über Theley - und 20.000 Zuschauer, die sich die Hände warm klatschten. Nach 90 intensiven Minuten trennten sich der VfB Theley und Weiler im Allgäu 1:1. Es war ein Spiel mit zwei Gesichtern: frühe Kälte im Theleyer Strafraum, später heißer Kampf in der gegnerischen Hälfte. Bereits nach sieben Minuten rieben sich die Heimfans die Augen - allerdings nicht vor Freude. Der 18-jährige Ruben Guillen, ein Stürmer mit der Unschuld eines Schulbuben und der Kaltschnäuzigkeit eines alten Hasen, vollendete eiskalt zum 0:1. "Ich wollte eigentlich querlegen, aber der Ball hat mich überzeugt, es selbst zu machen", grinste Guillen nach dem Spiel. Theleys Torwart Roberto Antonio sah’s pragmatisch: "Wenn du gegen so einen Teenager einen Schritt zu spät bist, siehst du eben alt aus." Von da an entwickelte sich ein Spiel, das in der Kategorie "kontrolliertes Chaos" verbucht werden könnte. Theley übernahm das Kommando, 53,9 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - und doch blieb zunächst das Netz leer. Isaac Cochran feuerte gleich dreimal in Folge aufs Tor (8., 10., 17.), aber der Ball wollte einfach nicht hören. Trainer Andi Ba brüllte von der Seitenlinie: "Isaac! Kein Golf, Fußball!" - worauf Cochran nur lachend zurückwinkte. Weiler im Allgäu, gecoacht vom exzentrischen Mino Raiola, spielte derweil mit erstaunlicher Reife. "Wir haben gesagt, wir bleiben offensiv, egal was passiert", erklärte Raiola nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, als hätte er gerade ein U17-Testspiel gewonnen. Seine Jungs hielten sich daran: 11 Torschüsse, viele über die schnellen Flügel, und immer wieder Gefahr durch den pfeilschnellen Michael Siebert. Doch kurz vor der Pause kam der Moment, in dem die Theleyer endlich ihre Geduld belohnt sahen. In der 43. Minute kombinierte sich der VfB sehenswert durchs Zentrum. Michel Osterhoudt steckte durch, Inigo Canalejas zog ab - und diesmal passte alles. 1:1! Ein Schuss, so präzise wie ein Uhrwerk aus Genf, und das Stadion bebte. "Ich hab gesehen, wie Michel mich ansah - und da wusste ich, jetzt darf ich nicht danebenhauen", sagte Canalejas später und grinste breit. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. In der 53. Minute musste Theleys Greger Kolvidsson verletzt raus, ersetzt von Shefki Sauso, der prompt für Aufsehen sorgte - allerdings mit einer artistischen Einlage über die Seitenlinie. "Ich bin ausgerutscht, aber elegant!", sagte er danach lachend. Die Gäste wechselten dreifach in der 60. Minute und brachten frischen Wind: Cabrera, Scherer und Fritsch kamen, Guillen durfte nach seinem Tor durchatmen. Auch Theley tauschte: Lewis Buchan ersetzte Antico, später kam Michael Calcagno. Das Spiel blieb offen, aber aus den Chancen wurde zunehmend Frust. Die Gelben Karten häuften sich wie Knöllchen nach einem Stadtfest: Philipp (63.) für Weiler, Buchan (64.) und Koschewnikow (67.) für Theley. Kurz vor Schluss holte sich auch noch Nick Scherer (79.) Gelb ab - offenbar, um sich im Sammelalbum seiner Mutter verewigen zu lassen. Die Schlussphase? Eine Mischung aus Nervenspiel und Slapstick. Theleys Gudmund Bjorklund prüfte den Gästekeeper in der 70. Minute mit einem Schuss, der jedem Physiklehrer Tränen in die Augen getrieben hätte. Auf der Gegenseite scheiterte Linus Berger gleich dreimal (82., 91.) - spätestens da wusste man, dass der Fußballgott heute unentschieden wollte. Trainer Andi Ba resümierte: "Wir haben Moral gezeigt. Und manchmal ist ein Punkt mehr wert als drei, wenn man sieht, was hier los war." Raiola konterte trocken: "Ich wollte gewinnen. Aber meine Jungs sind jung, sie lernen noch, wann man den Bus parkt." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Teams ein Lächeln und zugleich ein paar graue Haare bescherte. Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaften mit Applaus und einem Gefühl zwischen Zufriedenheit und leichtem Kopfschütteln. Vielleicht war es kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber eines für den Alltag des Fußballs: viel Wille, ein bisschen Chaos, und zwei Tore, die genau das Gegenteil von Zufall waren. Und irgendwo in der Kabine summte Inigo Canalejas, während er sich die Schuhe auszog: "Ein Punkt ist besser als keiner." Sein Trainer nickte - und seufzte. 07.09.643987 15:37 |
Sprücheklopfer
Herzlichen Glückwunsch an Marco Kurz. Seine Frau ist zum zweiten Mal Vater geworden.
Thomas Häßler