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Es war ein Dienstagabend, wie ihn die Oberliga G liebt: 2557 Zuschauer, Flutlicht, Bratwurstgeruch - und eine Heimmannschaft, die so viel Spielfreude zeigte, dass man fast Mitleid mit den Gästen aus Furpach haben musste. Der VfB Erkner gewann am 2. Spieltag verdient mit 2:0 (1:0) - und das Ergebnis schmeichelt den Gästen noch. Schon in den ersten Minuten war klar, dass die elf Furpacher sich auf eine lange Nacht einstellen mussten. Während die Gäste den Ball meist nur aus der Ferne bestaunen durften, feuerte Erkner aus allen Lagen. Ganze 21 Torschüsse verbuchten die Statistiker - gegen einen einzigen Versuch der Gäste. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste VfB-Trainer Arnold Müller nach Spielschluss. "Aber ich glaube, wir hätten auch mit verbundenen Augen noch eine Chance gehabt." Der erste Torjubel ließ dann auch nicht lange auf sich warten. In der 30. Minute legte der 19-jährige Domingo Makukula in zentraler Position auf den flinken Eri Böhme ab, der den Ball aus halblinker Position trocken ins lange Eck schlenzte - 1:0. Das Stadion tobte, und Böhme grinste später in die Mikrofone: "Ehrlich? Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal hat der Fußball einfach Humor." Furpach dagegen wirkte zu diesem Zeitpunkt schon konsterniert. Ihr einziger ernstzunehmender Abschluss kam von Adriano Rocha in der 26. Minute - ein Schüsschen, das VfB-Keeper Mason Prentiss eher als freundliche Begrüßung verstand. Danach? Defensive Schadensbegrenzung. Die Gäste spielten brav "balanced", wie es im Taktikzettel stand, aber balanciert war höchstens ihr Rückzug. Erkner kombinierte sich munter durch die Reihen. Der 17-jährige Sascha Schüler, ein Wirbelwind auf der rechten Seite, rannte, dribbelte, schoss - und traf schließlich in der 63. Minute. Nach einem feinen Pass von Oscar Linke stand er goldrichtig und schob cool ein zum 2:0. "Ich hab vorher gesagt, wenn ich heute treffe, spendier ich Pizza", lachte Schüler. "Jetzt muss ich wohl ran - die Jungs haben schon ihre Bestellungen aufgegeben." Danach war die Partie gelaufen. Furpach schaffte es kaum noch über die Mittellinie, während Erkner weiter anrannte, als ginge es um die Meisterschaft. Die Gelben Karten für Sascha Kraft (42.) und Mateo Estevez (88.) waren die einzigen kleinen Schönheitsfehler in einem ansonsten souveränen Auftritt. "Kraft hat einfach zu viel Energie", kommentierte Trainer Müller lachend. "Er kriegt eher Gelb für Übermotivation als für Fouls." Statistisch war das Spiel eine Demonstration: 59 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 21 Torschüsse - und das alles mit einer Mannschaft, deren Altersdurchschnitt kaum über 21 liegt. Furpach dagegen wirkte mit seinen Routiniers eher wie eine Oldie-Band, die gegen eine aufgedrehte Schülerband antreten musste. "Die haben uns einfach überrannt", seufzte Furpachs Routinier Adriano Rocha nach dem Abpfiff. "Ich hatte das Gefühl, die Jungs spielen mit drei Lungen." Auch die Zuschauer hatten ihren Spaß. Neben mir auf der Pressetribüne erklärte ein älterer Herr seinem Enkel: "Siehst du, so spielt man modernen Fußball. Kurzpass, Tempo, Abschluss. Nicht dieses Rumgeeier von früher!" Der Enkel antwortete trocken: "Opa, du hast damals mit Libero gespielt." - Gespräch beendet. Trainer Müller zeigte sich nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben viele Chancen liegen lassen. Aber die Jungs lernen schnell. Wenn sie so weitermachen, kann’s eine richtig schöne Saison werden." Und Furpach? Die reisten still ab, vermutlich mit der Hoffnung, dass die Rückrunde freundlicher verläuft. Immerhin: Ihr Keeper Luka Schmitt verhinderte mit mehreren Glanzparaden Schlimmeres. Ohne ihn wäre das Ergebnis wohl zweistellig ausgefallen. Ein Abend also, der den VfB Erkner-Fans noch lange in Erinnerung bleiben dürfte - nicht wegen eines dramatischen Spiels, sondern wegen der erfrischenden Leichtigkeit, mit der ihre jungen Wilden den Ball laufen ließen. Und wer weiß: Vielleicht erzählt man in Erkner eines Tages, dass hier, an einem kühlen Märzabend 2026, der Grundstein für etwas Größeres gelegt wurde. Oder, wie es ein Zuschauer beim Hinausgehen formulierte: "Wenn die so weitermachen, müssen wir bald Sitzplätze nachbestellen." 03.12.643993 12:46 |
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Als wir die Kampagne vor vier Jahren begonnen haben, standen wir bei Null Komma Null Point Null Prozent.
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