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Wenn auf den Westmännerinseln der Wind pfeift, dann pfeift er richtig. 18 907 Zuschauer trotzten am Dienstagabend dem nordatlantischen Sturm, um zu sehen, wie ihr IBV Vestmannaeyjar im Europaliga‑Qualifikationsspiel gegen die niederländischen Gäste von PVC Eindhoven einen Fußballabend aus dem Bilderbuch hinlegte - mit Verlängerung, Drama und einem 4:1‑Sieg, der so verdient war wie ein heißer Kakao nach 120 Minuten Kälte. Der isländische Fußball hat schon viele stürmische Geschichten geschrieben, aber diese begann besonders früh. In der vierten Minute rauschte Cesc Calderon, der flinke Rechtsaußen mit der Frisur eines Rockstars, in den Strafraum, bekam den Ball von Ivar Henriksson mustergültig serviert und schob ihn eiskalt ein. "Ich hab den Wind einfach als Mitspieler gesehen", grinste Calderon später. Und tatsächlich - der Ball flog, als hätte er Rückenwind aus der Hölle. Während Eindhoven noch den Sand aus den Haaren schüttelte, kam es für die Gäste noch dicker. In der 27. Minute zirkelte Dimas Chalana, der bullige Portugiese im Diensten der Isländer, den Ball nach feinem Zuspiel erneut von Henriksson ins rechte Eck - 2:0. Trainer Gunnlaugur Magnússon brüllte vor Freude in den Wind, seine Stimme ging dabei irgendwo zwischen Nordsee und Nebel verloren. PVC Eindhoven, das unter Markus Frey offensiv eingestellt war, suchte danach verzweifelt nach Halt. 52 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse, aber nur ein Treffer - das spricht Bände. Der kam immerhin direkt nach der Pause: Jelle Landseer nutzte in der 48. Minute die Unordnung in der IBV‑Abwehr und schob nach Vorarbeit von Nicolaas Vanderveer zum 2:1 ein. Plötzlich roch es nach Comeback, und Frey rief seinen Spielern zu: "Jetzt atmen wir mal isländische Luft - aber bitte ohne Erfrierungen!" Doch das Glück blieb den Niederländern nicht hold. Schon in der ersten Halbzeit hatte sich Teo Males verletzt, sein Ersatz Giuseppe Romagnoli humpelte kurz darauf ebenfalls vom Feld. "Das war wie ein Dominoeffekt in der Arktis", seufzte Frey später. Und als Kapitän Vidar Thomassen in der 120. Minute Gelb sah, war die Frustration komplett. IBV dagegen blieb ruhig - oder so ruhig man eben sein kann, wenn man kurz vor der Sensation steht. Torwart Vincent Edvaldsson parierte mehrfach stark gegen Sandoval und Males, während die Defensive um Krzysztof Fojut (später Gelb, aber mit Stolz) das eigene Tor wie eine Fischerhütte im Sturm verteidigte. Dann kam die Verlängerung, und mit ihr ein rot‑weißes Feuerwerk im Wind. In der 111. Minute flankte Arkadi Putin von links, Dimas Chalana rauschte heran und drückte den Ball zum 3:1 über die Linie. "Ich hab gar nichts gesehen, nur gespürt, dass er kommt", lachte Putin. Drei Minuten später revanchierte sich Chalana - diesmal als Vorbereiter - und Putin selbst traf nach Zuspiel des eingewechselten Cesar de Almeida zum 4:1. Das Stadion tobte, irgendwo flogen Mützen, und selbst der Wind schien kurz zu applaudieren. Eindhoven, das inzwischen völlig aufgerückt war, versuchte noch einmal alles, aber IBV spielte die letzten Minuten mit nordischer Gelassenheit herunter. Magnússon erklärte hinterher: "Wir haben gewusst, dass sie den Ball mehr wollen. Aber wir wollten die Tore mehr." Statistisch gesehen war das ein Abend für Taktikfreunde: Eindhoven mit mehr Ballbesitz (52,5 %), IBV mit 18 Torschüssen und einer Effizienz, die jeden Expected‑Goals‑Rechner explodieren lässt. Beide Teams kämpften fair - zwei Gelbe Karten in 120 Minuten sind fast schon romantisch in diesen Zeiten. Auf der Pressekonferenz blieb es fast komisch. Ein niederländischer Journalist fragte Frey, ob seine Mannschaft das Spiel vielleicht unterschätzt habe. "Nein", antwortete Frey trocken, "nur das Wetter und die Isländer." IBV Vestmannaeyjar hat mit diesem Sieg in der Gruppenrunde ein Ausrufezeichen gesetzt - und zwar eines, das man bis nach Rotterdam hören dürfte. Für Eindhoven bleibt der Trost, dass schöner Fußball allein keine Punkte bringt, schon gar nicht, wenn einem der Wind die Pässe wegbläst. Und so endete ein langer Abend auf dem Vulkan archaisch schön: mit jubelnden Isländern, einem Trainer, der im Regen tanzte, und einem Publikum, das sich den Sieg wahrscheinlich noch wärmer klatschte, als es die Temperaturen erlaubten. Vielleicht war es kein perfektes Spiel - aber es war eines, das man so schnell nicht vergisst. Oder, wie Dimas Chalana es beim Hinausgehen sagte: "In Eindhoven regnet’s auch - aber da riecht der Regen nicht nach Sieg." 22.11.643993 21:50 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts