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Es gibt Spiele, die schreien nach einem Sieger - und dann gibt es jene, in denen der Fußballgott einfach die Arme verschränkt und sagt: "Heute nicht." So geschehen am Freitagabend im Höchster Stadion, wo sich der FC Höchst und der FK Hainburg nach 90 intensiven Minuten mit einem 1:1 trennten. 26.111 Zuschauer sahen ein Duell, das mehr Torschüsse als Tore, mehr Einsatz als Eleganz und mehr Emotionen als Punkte bot. Der Abend begann unter Flutlicht und Nieselregen - jenem Wetter, das Verteidigern glänzende Stirnen und Trainern graue Haare beschert. Höchst-Coach Ronnie Ekström hatte sein Team gewohnt offensiv eingestellt, während Hainburgs Andreas Swoboida auf kontrolliertes Konterspiel setzte. Eine Taktik, die zunächst besser aufging. In der 25. Minute nutzte Benjamin Thuringer den ersten echten Vorstoß der Gäste eiskalt: Nach einem cleveren Zuspiel von Pau Antunes zog der Linksfuß trocken ab - flach, präzise, unhaltbar. 0:1. Der Jubel der mitgereisten Hainburger war so laut, dass sogar die Möwen über dem Stadion kurz die Richtung wechselten. "Wir wussten, dass Höchst Druck machen würde. Da musst du einfach deine Chance nehmen, wenn sie kommt", erklärte Thuringer später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. Doch Höchst schüttelte sich nur kurz. Der Ballbesitz sprach ohnehin Bände - 51 Prozent für die Hausherren, die das Spiel über weite Strecken kontrollierten und mit 17 Torschüssen fast dreimal so oft abschlossen wie die Gäste. Besonders auffällig: der erst 17-jährige Linksverteidiger Sergio Caneira, der mit jugendlichem Übermut gleich zweimal aus der Distanz abzog. "Der Bub hat einfach keine Angst", grinste Trainer Ekström. "Wenn er so weitermacht, schießt er irgendwann den Ball bis ins Rheintal." Das Ausgleichstor fiel kurz vor der Pause: In der 40. Minute kombinierte sich Höchst sehenswert durchs Mittelfeld. Timm Schreiner, der Routinier mit der Übersicht eines Schachgroßmeisters, legte quer auf Robert Bossong - und der 21-Jährige verwandelte eiskalt zum 1:1. Ein Tor, das in seiner Entstehung so flüssig war, dass selbst die Hainburger Ersatzspieler kurz klatschten. "Ich hab den Ball einfach perfekt auf dem linken Fuß gehabt", erzählte Bossong später. "Da wäre selbst meine Oma ins lange Eck gegangen." Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel hektischer. Höchst drängte auf den Sieg, Hainburg verteidigte mit allem, was Beine hat. Keeper Florian Kirchner wurde zum Mann des Abends für die Gäste, parierte mehrfach spektakulär - unter anderem gegen Jacques Edgecomb (48.) und Platania (57.). "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die aufs Tor geschossen haben", meinte der Torwart. "Aber Hauptsache, keiner war drin." In Minute 68 sah Höchsts Innenverteidiger Jürgen Held Gelb, nachdem er Hainburgs Gustav Peters resolut aus dem Spiel gebracht hatte - "den Ball hab ich ganz sicher getroffen", beteuerte er später mit einem Zwinkern. Kurz darauf folgten zwei weitere Verwarnungen für die Gäste (Keller 77., Grossmann 82.), die zeitweise mehr Gelbe Karten als Ballbesitz hatten. Die Schlussphase gehörte dann wieder den Hausherren. Bossong und der eingewechselte Hanns Schreiber sorgten über die Flügel für Druck, doch der Ball wollte nicht mehr hinein. In der 90. Minute hatte Hainburgs Eri Lohmann sogar noch die große Chance zum Lucky Punch, scheiterte aber an Höchst-Keeper Jörg Pan, der in bester Handball-Manier parierte. Als Schiedsrichter Strobl nach 93 Minuten abpfiff, sanken beide Teams erschöpft zu Boden - die einen, weil sie einen Punkt gerettet hatten, die anderen, weil sie zwei verloren hatten. "So ist Fußball", sagte Ekström später in der Mixed Zone und zuckte mit den Schultern. "Wir hatten 17 Schüsse, sie sechs - aber am Ende steht 1:1. Vielleicht sollte ich Lotto spielen." Sein Kollege Swoboida konterte trocken: "Wenn wir Lotto gespielt hätten, wäre das hier unser Sechser gewesen." Unterm Strich bleibt ein Remis, das Höchst nicht wirklich hilft, aber zeigt, dass die Mannschaft Moral hat. Und Hainburg? Die nehmen einen Punkt mit, der nach 90 Minuten Verteidigung wie ein Sieg schmeckt. Oder, wie ein Fan es beim Hinausgehen formulierte: "Wenn man so viel rennt wie die Hainburger heute, sollte man wenigstens die Kilometerprämie kriegen." Ein Spiel also, das keiner so schnell vergisst - auch wenn keiner gewonnen hat. 30.09.643987 18:25 |
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