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Wenn ein Spiel schon nach neun Minuten den ersten Treffer sieht, ahnt man meist: Das wird kein ruhiger Abend. Und tatsächlich - was die 4101 Zuschauer beim 5:0‑Feuerwerk der SSVg Velbert gegen den Haldensleber SC am 10. Spieltag der Regionalliga B erlebten, war Fußball in seiner unterhaltsamsten Form. Für die Gäste dagegen fühlte es sich wohl an wie ein unaufhaltsamer Zahnarzttermin: schmerzhaft, lang und ohne Aussicht auf Erlösung. Velbert-Coach Klaus Bock hatte sein Team offensiv eingestellt, und das merkte man von der ersten Sekunde an. Keine Spur von Abtasten - die Hausherren drückten, kombinierten, liefen an. Schon in der 9. Minute schlug René Bettencourt erstmals zu. Nach Vorarbeit von Gianluigi Perrone nahm der 23‑jährige Flügelstürmer Maß und traf trocken ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bettencourt später, "aber manchmal ist das Schicksal halt ein Mittelstürmer." Haldensleben wankte, fand aber keinen Halt. Zwölf Minuten später war es wieder Bettencourt, diesmal nach Pass von Laurent Delmas. Ein klassischer Doppelschlag - 2:0 nach 21 Minuten, und die Gäste schauten sich gegenseitig an, als wollten sie fragen: "Haben wir eigentlich schon den Ball gehabt?" Die Statistik sprach Bände: 60 Prozent Ballbesitz für Velbert, 16 Torschüsse - Haldensleben brachte es über 90 Minuten auf exakt null Schüsse aufs Tor. Null. Nada. "Das kommt nicht oft vor", murmelte Gästetrainer Marcel Mönner mit stoischer Ruhe. "Aber wenn’s passiert, dann eben in Velbert." Nach der Pause ging es weiter wie zuvor. Logan Davonport, der bullige Mittelstürmer, setzte in der 49. Minute nach einer flachen Hereingabe von Rechtsverteidiger Davib O’Brien das 3:0. Der Jubel war ausgelassen, die Fans sangen, Bock grinste zufrieden an der Seitenlinie. "Wir haben uns vorgenommen, diesmal nicht bei 2:0 das Spielen einzustellen", erklärte er später. "Die Jungs haben das wörtlich genommen." Die letzten zehn Minuten gerieten dann zur kleinen Gala. Erst traf Bendt Sondergaard in der 84. Minute nach Vorlage von Christoph Maurer zum 4:0 - ein Schlenzer, so elegant, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, die Fahne zu heben. Keine zwei Minuten später schrieb sich auch Innenverteidiger Brecht Dekerf in die Torschützenliste ein. Nach einer Ecke von Delmas rauschte der Belgier heran und köpfte den Ball wuchtig ins Netz. 5:0, und die Fans standen. "Das war heute ein Statement", sagte Kapitän Delmas in der Mixed Zone, während er noch mit Grasflecken übersät war. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön spielen, sondern auch Tore machen können." Neben ihm grinste Bettencourt, der Doppeltorschütze des Abends: "Ich hab ihm gesagt, ich mach zwei - er hat gelacht. Jetzt lacht keiner mehr." Für Haldensleben blieb am Ende nur die Erkenntnis, dass man gegen einen Gegner in dieser Form wenig ausrichten kann. Der einzige nennenswerte Moment auf Seiten der Gäste war leider keiner sportlicher Natur: In der 88. Minute verletzte sich Routinier Kai Haase und musste durch den jungen Niclas Gagnon ersetzt werden. "Typisch, wenn’s schon schlecht läuft", kommentierte Mönner trocken. "Aber immerhin haben wir keine Gegentore mehr kassiert danach." Während Velbert hinten sicher stand - Torhüter Albert Carvalho hätte sich theoretisch einen Klappstuhl mitbringen können - spielte sich das Geschehen fast ausschließlich in der Hälfte der Gäste ab. Das Pressing war zwar laut Taktikdaten "nicht aktiv", aber wer 16 Mal aufs Tor schießt, braucht auch kein Pressing, sondern nur Lust auf Fußball. Als Schiedsrichterin nach 93 Minuten abpfiff, blickte man in lauter zufriedene Gesichter. "So will man ins neue Jahr starten", meinte Bock lächelnd. "Wenn’s nach mir geht, behalten wir die Quote von fünf Toren pro Spiel." Ein Journalist fragte, ob das realistisch sei. Bock zuckte mit den Schultern: "Realistisch? Vielleicht nicht. Aber schön wär’s." Ein Abend, an dem bei der SSVg Velbert alles stimmte - vom ersten Pass bis zum letzten Bier im Vereinsheim. Und während sich die Fans noch überlegten, ob Bettencourt oder Davonport der Mann des Spiels war, stand eines fest: Haldensleben wird diesen Ausflug ins Bergische so schnell nicht vergessen - auch wenn sie es vermutlich gerne würden. 03.05.643987 07:15 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale