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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 5.142 Zuschauer und ein SSVg Velbert, der sich dachte: Heute zeigen wir mal, wie man Fußball spielt. Der FC Wusterwitz durfte dabei zusehen - und tat das über weite Strecken auch. 3:0 hieß es am Ende am 8. Spieltag der Regionalliga B, und das war noch schmeichelhaft für die Gäste. Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando übernahm. Velbert kombinierte, passte, lief - als hätten sie extra noch eine Trainingseinheit Ballbesitz eingelegt. 63 Prozent davon sprechen für sich. Wusterwitz dagegen versuchte es mit langen Bällen, die so selten ankamen, dass man fast Mitleid bekam. "Wir wollten über die Konter kommen", erklärte Trainer Tom Fritz später mit einem gequälten Lächeln. "Aber dafür muss man ja erstmal den Ball haben." Bereits nach zehn Minuten hatte Andre Bender zwei gute Chancen, scheiterte aber am jungen Keeper Phillip Zimmermann, der sich bei seinem Regionalliga-Debüt gleich mehrfach auszeichnen durfte. Nur retten konnte er den Abend nicht. In der 23. Minute schlug es erstmals ein: Rene Bettencourt, quirlig wie eine Wespe im Strafraum, verwertete einen flachen Pass von Theo Fraser eiskalt zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bettencourt hinterher. "Theo meinte noch: ’Mach ihn rein, sonst läufst du nächste Woche in der Zweiten auf!’" Offenbar eine motivierende Ansage. Velbert blieb dran, Wusterwitz blieb hinten. In der 36. Minute dann das 2:0: Ivica Papa, der rechte Flügelblitz, zog nach innen, bekam den Ball von Harvey Kinmont und setzte ihn mit links ins lange Eck. Torwart Zimmermann streckte sich vergeblich. Papa riss die Arme hoch, als würde er gerade den Aufstieg klarmachen. "Ich hab gesehen, dass der Keeper auf den kurzen Pfosten spekuliert", erklärte er später. "Also dachte ich mir: Dann schieß ich halt dahin, wo er nicht ist." Zur Pause war das Spiel im Grunde entschieden. Velbert spielte weiter, als stünde es 0:0, Wusterwitz kämpfte tapfer, aber hilflos. Die einzige gefährliche Szene der Gäste kam in Minute 55, als Finn Roth nach einem Konter tatsächlich einmal aufs Tor schoss - Velberts Keeper Dimas Bischoff musste sich lang machen, aber hielt souverän. Wusterwitz’ Trainer Fritz wechselte gleich dreimal, brachte frische Jugendspieler - Rafael Witte (17), Kurt Benz (18) und Walther Buchholz (18). "Erfahrung müssen sie irgendwann sammeln", meinte er, "auch wenn’s weh tut." Weh tat es dann in der 73. Minute endgültig. Wieder Bettencourt, diesmal nach einem Abpraller, den er humorlos in die Maschen drosch. 3:0. Die Zuschauer feierten, die Wusterwitzer schauten betreten zu Boden. "Da haben wir einfach aufgehört, an uns zu glauben", seufzte Kapitän Werner Runge. "Wenn du 21 Torschüsse gegen dich hast, weißt du irgendwann, dass das kein guter Tag ist." Velberts Trainer Klaus Bock war nach dem Spiel die Ruhe selbst. "Ich bin zufrieden, weil wir das umgesetzt haben, was wir trainiert haben. Kontrolle, Geduld, Zielstrebigkeit." Dann grinste er. "Und weil Rene endlich mal zwei Dinger macht, ohne vorher fünf zu verballern." Kurz vor Schluss gab es noch Gelb für Wusterwitz’ Ralf Meiser, der offenbar beschlossen hatte, wenigstens ein Zeichen zu setzen - allerdings eher in Richtung Schienbein seines Gegenspielers. "Ich war einen Schritt zu spät", sagte er hinterher und zuckte mit den Schultern. "Passiert." Das Publikum verabschiedete die Mannschaften mit Applaus - für Velbert laut, für Wusterwitz höflich. 3:0, 63 Prozent Ballbesitz, 21:1 Torschüsse - die Zahlen erzählen die Geschichte eines Abends, an dem die SSVg einfach alles im Griff hatte. "So kann’s weitergehen", meinte Bettencourt zum Schluss, bevor er lachend hinzufügte: "Aber bitte nicht wieder bei minus zwei Grad." Bleibt die Erkenntnis: Wenn Velbert so weitermacht, braucht Trainer Bock bald Sonnencreme für den Aufstiegsplatz. Und Wusterwitz? Vielleicht ein Navigationsgerät, um den Weg zum gegnerischen Strafraum wiederzufinden. 10.04.643987 03:45 |
Sprücheklopfer
Das Spielfeld war zu lang für Doppelpässe.
Berti Vogts