Anpfiff
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Velbert tanzt den Bochum-Blues - 4:0 nach furioser zweiter Halbzeit

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, warum der Fußball eigentlich zwei Halbzeiten braucht. 4094 Zuschauer im kleinen Stadion an der Metallstraße sahen am Freitagabend eine SSVg Velbert, die nach einer verschlafenen ersten Hälfte plötzlich explodierte - und Blau Weiß Bochum mit 4:0 (0:0) vom Platz fegte.

In den ersten 45 Minuten war das Spiel eine zähe Angelegenheit. Die Gastgeber hatten zwar mehr Ballbesitz (56 Prozent) und feuerten aus allen Lagen (25 Torschüsse insgesamt), aber das Zielwasser schien irgendwo zwischen Umkleide und Rasen verloren gegangen zu sein. Bendt Sondergaard prüfte schon nach zwei Minuten den Bochumer Keeper Christopher Lutz, René Bettencourt verzog mehrfach knapp - und Trainer Klaus Bock stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er den Ball per Gedankenlenkung ins Tor zwingen. "Ich hab in der Pause nur gesagt: Jungs, Tore schießen ist kein Verbrechen", grinste Bock später.

Was auch immer er noch gesagt hat - es wirkte. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff brach der Bann. Linksverteidiger Tikhon Stalenkow (!) rauschte nach vorne, bekam von Bettencourt den Ball in den Lauf und drosch ihn mit der linken Klebe ins lange Eck. Das Stadion jubelte, als hätte Velbert gerade die Champions League gewonnen. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Stalenkow lachend, "aber der Ball hat wohl eigene Pläne gehabt."

Und dann kam die Velberter Viertelstunde - eine Lawine in Blau-Weiß. In der 60. Minute zirkelte der 33-jährige Spielgestalter Laurent Delmas nach Vorarbeit von Gianluigi Perrone den Ball überlegt ins rechte Eck - 2:0. Nur drei Minuten später revanchierte sich Delmas als Vorlagengeber: Christoph Maurer traf aus der Distanz und drehte jubelnd ab, während die Bochumer Abwehr kollektiv nach einem Loch im Rasen suchte. "Ich hab nur gesehen, dass keiner rausrückt", erklärte Maurer trocken. "Da hab ich’s halt probiert - und zack, war er drin."

Doch Velbert hatte noch nicht genug. In der 67. Minute war es erneut Delmas, der nach einer fast identischen Kombination mit Perrone das 4:0-Endergebnis (Pardon: das vierte Tor, das 4:0 stand ja bereits) klar machte. Bochum wirkte inzwischen so ratlos, dass man den Eindruck bekam, selbst der Linienrichter hätte ihnen Mitleid entgegengebracht.

Blau Weiß Bochum? Nun ja, sie waren da. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Trainer der Gäste - dessen Name sich in den offiziellen Unterlagen hartnäckig versteckt hielt - stand stoisch an der Seitenlinie und murmelte in Richtung seiner Bank: "Wir wollten kompakt stehen - jetzt stehen wir halt komplett." Sein Torwart Lutz verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres, sonst wäre das Ergebnis zweistellig geworden.

Velbert spielte sich dagegen in einen Rausch. Delmas, der alte Stratege im Mittelfeld, führte Regie wie ein Dirigent, Perrone rannte unermüdlich die rechte Seite hoch und runter, und vorne hätten Bender oder Sondergaard beinahe noch nachgelegt. In der 90. Minute prüfte Bender den Keeper ein letztes Mal - als wollte er sagen: "Nicht, dass du einschläfst da hinten."

Einziger Wermutstropfen: Zwei gelbe Karten für die Gastgeber - O’Brien in der 73. und Delmas in der 89. Minute. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch defensiv kann", flachste Delmas später mit einem Augenzwinkern.

Nach Schlusspfiff klatschten die Velberter Spieler mit den Fans ab, während auf der Gegenseite die Köpfe hingen. "Das war heute Fußball, wie ich ihn sehen will", sagte Trainer Klaus Bock in der Pressekonferenz. "Mutig, kreativ - und endlich mal mit Toren."

Laurent Delmas fasste es poetischer: "Manchmal läuft’s einfach. Heute war so ein Abend, da hätte ich vermutlich auch mit der Schuhsohle getroffen."

Bochum hingegen verlässt Velbert mit gesenktem Blick und vermutlich einer gehörigen Portion Nachdenklichkeit. Drei Torschüsse, kein Treffer, kaum Entlastung - viel mehr muss man über diesen Abend nicht sagen.

Und die Moral von der Geschichte? Wenn du 25 Mal aufs Tor schießt, triffst du irgendwann auch. Oder, wie es Coach Bock formulierte: "Statistik ist schön. Aber vier Tore sind schöner."

Velbert tanzt also weiter, Bochum sucht nach dem Rhythmus - und die Regionalliga B hat einen neuen Beweis dafür, dass Fußball manchmal einfach eine Frage des richtigen Moments ist.

25.04.643990 04:47
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Jens Jeremies
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