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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 4707 Zuschauer - und ein SSVg Velbert, der zeigte, wie man in der 3. Liga ein Spiel kontrolliert. Mit einem verdienten 2:0 (2:0) gegen TSV Rothemann sicherte sich die Mannschaft von Trainer Klaus Bock drei Punkte, die fast so selbstverständlich wirkten wie der Regen in Velbert. Dabei begann Rothemann gar nicht so übel. Bereits in der ersten Minute prüfte Laurent Buffett Velberts Keeper Dimas Bischoff mit einem strammen Schuss aus halblinker Position. Der Torwart riss die Arme hoch, der Ball klatschte ab - und der Rest des Spiels gehörte dann doch den Hausherren. "Das war wohl mein Weckruf", grinste Bischoff später, "danach hatte ich kaum noch was zu tun." Velbert übernahm das Kommando und ließ den Ball laufen. 61,7 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache, ebenso wie 15:6 Torschüsse. Besonders die rechte Seite mit Harvey Kinmont und Batu Kazim bereitete den Gästen Kopfschmerzen. Immer wieder zog Kazim in die Mitte, während Kinmont die Linie rauf- und runterflitzte, als gäbe es Bonusmeilen. Rothemanns Trainer Saper Lot ahnte Böses: "Wir wollten über die Flügel kommen, aber Velbert hat uns die Flügel gestutzt." Seine Elf versuchte es mit Kampf - manchmal etwas zu viel davon. Linksverteidiger Noah Fuchs sah früh Gelb (9.) und flog in der 64. Minute nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Fuchs später, "aber der Ball war halt schneller." Velbert hatte da längst das Spiel im Griff. In der 40. Minute setzte Linksverteidiger Vitorino Barros ein Ausrufezeichen: Nach einer butterweichen Flanke von Kinmont rauschte Barros in den Strafraum, nahm den Ball volley - und traf ins lange Eck. Es war das klassische "Tor des Willens" eines Abwehrspielers, der einfach mal dachte: Warum nicht ich? Nur zwei Minuten später legte Batu Kazim nach. Nach einem Durcheinander im Rothemanner Strafraum reagierte der Routinier am schnellsten und schob flach zum 2:0 ein. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Kazim mit einem Schulterzucken. "Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht. So einfach ist Fußball manchmal." Mit dieser Doppelschlag-Moral ging es in die Pause, und Velbert hätte danach durchaus erhöhen können. Logan Davonport vergab in der 61. Minute freistehend, David Greenwald scheiterte in der 67. - und Laurent Delmas probierte es gleich dreimal aus der Distanz (73., 75., 79.). Rothemanns Torhüter Noe Carvalho verhinderte Schlimmeres und bekam dafür vom Publikum fairen Applaus. Der TSV Rothemann, in der zweiten Hälfte nach den Einwechslungen von Mike Turcotte und Jakob Lundqvist etwas frischer, kam zwar zu zwei Chancen durch Mariusz Mencel (54., 56.), aber Velberts Defensive um Niko Röder und Kai Kennedy ließ nichts anbrennen. "Das war heute eine Mannschaftsleistung", lobte Trainer Bock. "Barros trifft, Kazim trifft - aber wichtig ist, dass wir zu null spielen." In der Schlussphase wurde es noch einmal kurios: Bei einem Einwurf diskutierte Saper Lot wild gestikulierend mit dem vierten Offiziellen, während seine Spieler im Feld den Ball verloren. Klaus Bock grinste nur: "Das war die beste Pressing-Szene von uns." Am Ende blieb es beim 2:0 - ein Ergebnis, das den Spielverlauf perfekt widerspiegelt. Rothemann kämpfte, Velbert kombinierte. Und während die Gäste nach dem Platzverweis von Fuchs endgültig den Mut verloren, spielten die Hausherren ihren Stiefel souverän herunter. "Wir wollten offensiv bleiben, auch nach dem 2:0", erklärte Barros in der Mixed Zone, "aber ehrlich gesagt, nach 70 Minuten taten mir schon die Lungen weh." Sein Trainer konterte lachend: "Dann hat er wenigstens gearbeitet." Velbert steht damit im Mittelfeld der 3. Liga stabil, während Rothemann weiter im Tabellenkeller festsitzt - und wohl mehr Probleme mit Disziplin als mit Taktik hat. Zum Schluss noch ein kleiner Dialog auf dem Weg in die Kabine: Ein Rothemann-Fan ruft seinem Team zu: "Kopf hoch, Jungs!" - worauf Kapitän Taylor Williamson trocken antwortet: "Kopf hoch war heute unser größtes Problem, wir hätten öfter runtergucken sollen, da war der Ball." Fußball kann manchmal grausam ehrlich sein. Velbert war einfach besser - und Rothemann hatte einen Fuchs zu viel auf dem Platz. 30.08.643990 13:56 |
Sprücheklopfer
Diese Siegermentalität wollen wir auch mental rüberbringen.
Berti Vogts