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Es gibt Abende, an denen ein Fußballspiel schon nach einer halben Stunde entschieden scheint - und dieser 22. Spieltag der Regionalliga B gehörte genau in diese Kategorie. Die SSVg Velbert besiegte den TSV Wolfratshausen mit einem souveränen 2:0 (1:0) und ließ dabei keinen Zweifel daran, wer an diesem kalten Januarabend Herr im eigenen Stadion war. 4.628 Zuschauer hatten sich an der Sonnenblume eingefunden, um ihre Blau-Weißen anzufeuern, und sie wurden reichlich für ihr Durchhaltevermögen belohnt. Velbert spielte, als hätten sie einen Pakt mit dem Ballbesitzgott geschlossen: 58 Prozent Ballkontrolle, 22 Schüsse aufs Tor - und das, obwohl Gäste-Trainer Ferdinand Meyer vor dem Spiel noch großspurig angekündigt hatte, "heute endlich mal die Räume zuzulaufen". Nach dem Spiel klang das etwas anders: "Wir haben versucht, die Räume zuzulaufen, aber Velbert hat einfach ständig neue gebaut", meinte Meyer trocken und sah dabei aus, als würde er lieber über Immobilienpreise sprechen. Das Spiel begann, wie es sich für ein Heimteam mit offensiver Ausrichtung gehört: mutig, zielstrebig, fast übermütig. Schon in der 12. Minute prüfte Theo Fraser erstmals den jungen Gästetorwart Serge Eder, der an diesem Abend sein Regionalliga-Debüt feierte - und wahrscheinlich noch lange davon träumen wird, wie Bälle in endlosen Schleifen auf ihn zuflogen. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen", gestand Eder mit einem schiefen Grinsen. "Aber ich glaube, es waren mehr als im Training der ganzen Woche." Der Druck der Velberter wurde schließlich in der 31. Minute belohnt. David Greenwald, ein Linksaußen mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, vollendete eine butterweiche Vorlage von Logan Davonport zum 1:0. Das Stadion tobte, Greenwald breitete die Arme aus, als wolle er das Flutlicht umarmen. "Ich hab einfach reingehalten", sagte er später bescheiden. Trainer Klaus Bock schmunzelte nach dem Spiel: "Wenn Greenwald so weitermacht, muss ich ihm bald verbieten, nach links zu ziehen. Sonst glaubt er noch, die Linie gehört ihm allein." Wolfratshausen, das in der 35. Minute durch Ovidiu Dembrovschi zu seiner einzigen nennenswerten Torchance kam, wirkte wie ein Boxer, der nach dem ersten Jab schon den Ringrichter sucht. Der Rest der ersten Halbzeit bestand aus einem munteren Schussfestival der Gastgeber - Greenwald, Papa, Davonport, Maurer - alle probierten sie es, als wäre das gegnerische Tor ein Preisausschreiben. Zur Pause stand es "nur" 1:0, doch das spiegelte den Spielverlauf kaum wider. Velbert hätte locker mit drei oder vier Treffern führen können, wenn nicht Eder im Gästetor seine Spiderman-Phase entdeckt hätte. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum. Velbert blieb offensiv, Wolfratshausen blieb defensiv überfordert. In der 58. Minute machte Ivica Papa dann den Deckel drauf: Nach klugem Zuspiel von Felipe Puerta schlenzte er den Ball überlegt ins rechte Eck - 2:0. Papa jubelte, als hätte er gerade den Lottojackpot gezogen, und Puerta grinste in die Kamera: "Endlich hat mal jemand meinen Pass gesehen!" Von hier an war es ein kontrolliertes Runterspielen, fast schon ein Trainingsspiel. Velbert kombinierte, Wolfratshausen kämpfte - meistens mit sich selbst. Vicente Aguas und Afanas Romischewski sahen Gelb, weil sie offenbar wenigstens in dieser Statistik mithalten wollten. Und als Kai Kennedy kurz vor Schluss ebenfalls verwarnt wurde, rief einer der Fans augenzwinkernd: "Na, jetzt ist’s wenigstens ausgeglichen!" Trainer Bock blieb trotz Dominanz bescheiden: "Wir haben viel richtig gemacht, aber das 2:0 ist kein Ruhekissen. Wir müssen lernen, unsere Chancen konsequenter zu nutzen." Sein Gegenüber Meyer hingegen fand klare Worte: "Wenn man nur einmal aufs Tor schießt, darf man sich über null Tore nicht wundern." Am Ende ging ein Spiel zu Ende, das eigentlich nie wirklich spannend war, aber trotzdem bestens unterhielt - zumindest für die, die es mit Velbert halten. Die Fans sangen noch minutenlang, während Greenwald und Papa ihre Schuhe in die Kamera hielten, als wollten sie beweisen, dass Magie manchmal doch aus Leder besteht. Und irgendwo auf der Tribüne, zwischen Bratwurstduft und kaltem Wind, hörte man einen alten Velbert-Fan murmeln: "So, und jetzt noch ein Spiel mit Toren für die Galerie - dann glaub ich wieder an den Aufstieg." Wenn die Mannschaft weiter so spielt, könnte dieser Glaube bald zur Gewissheit werden. 30.09.643987 18:08 |
Sprücheklopfer
Für mich gibt es nur 'entweder-oder'. Also entweder voll oder ganz!
Toni Polster