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Es gibt Spiele, da fragt man sich schon nach einer halben Stunde, ob der Gegner noch im Bus sitzt. SSVg Velbert gegen FC Homberg war so eines. Am 20. Spieltag der Regionalliga B verwandelte die Heimelf von Trainer Klaus Bock den heimischen Sportpark in ein Festzelt des Offensivfußballs - und die Gäste in bedauernswerte Statisten. 5:0 hieß es am Ende, 4:0 schon zur Pause. 4.278 Zuschauer konnten sich also entspannt zurücklehnen und überlegen, ob sie das Bier zur Halbzeit wirklich brauchen oder ob der Torregen auch so schon berauschend genug ist. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass das hier unser Platz ist", grinste Velberts Doppeltorschütze Ivica Papa nach dem Spiel und wischte sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn. "Nach dem zweiten Tor dachte ich, der Schiedsrichter pfeift gleich ab - aus Mitleid." An Mitleid war an diesem Abend allerdings nicht zu denken. Bereits in der 22. Minute eröffnete Logan Davonport den Torreigen nach feinem Zuspiel von Theo Fraser. Der Engländer im Velberter Sturmzentrum wirkte an diesem Abend wie ein Mann, der beschlossen hatte, sämtliche Zweifel an seiner Torquote eigenhändig zu beseitigen. Nur sieben Minuten später tanzte Ivica Papa rechts durch die Homberger Abwehr, als wären die Gegenspieler Verkehrshütchen, und versenkte zum 2:0. Keine 60 Sekunden später legte er nach - diesmal nach Vorlage von Rechtsverteidiger Kai Kennedy. "Da war kurz Funkstille in der Abwehr", murmelte Hombergs Trainer Fridolin von Zahn hinterher, als wolle er die Formulierung "totale Auflösung" vermeiden. "Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, kompakt zu stehen. Hat ja auch… naja, fünf Minuten lang funktioniert." Velbert hatte 62,7 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse und spielte, als sei das Torverhältnis plötzlich wieder entscheidend. Homberg dagegen brachte es auf einen einzigen Abschluss aufs Tor - von Johannes Herbst in der 53. Minute, der Ball aber flog so harmlos Richtung Keeper Dimas Bischoff, dass der sich nicht einmal schmutzig machte. Das 4:0 kurz vor der Pause war wieder Davonport vorbehalten, erneut auf Vorlage von Fraser. Der Mittelfeldmotor der Velberter hatte an diesem Abend mehr kreative Ideen als manche Mannschaft in einer ganzen Saison. "Theo könnte auch im Dunkeln passen", sagte Trainer Bock später mit einem Augenzwinkern. "Er hört, wo Logan steht." Nach der Pause wurde es etwas ruhiger. Velbert schaltete vom Dauerfeuer auf gepflegtes Ballhalten um, Homberg versuchte es mit Schadensbegrenzung. Das gelang leidlich, bis zur 76. Minute. Da durfte sich auch Felipe Puerta in die Torschützenliste eintragen - nach Vorarbeit des agilen David Greenwald. 5:0, und das Stadion vibrierte. Auf der Tribüne wurde gescherzt, man solle vielleicht nach dem fünften Tor Gnade walten lassen. "Wir haben ja schon Licht gespart", witzelte ein Fan, "Homberg hat das Flutlicht gar nicht gebraucht, die standen im eigenen Schatten." In der Schlussphase zeigten die Velberter noch ein paar sehenswerte Kombinationen, Papa prüfte den Gästekeeper Davonport (Namensvetter, keine Verwandtschaft) in der 91. Minute noch einmal mit einem satten Schuss. Der Homberger Schlussmann war dabei der einzige, der sich an diesem Abend nichts vorwerfen lassen musste - auch wenn fünf Gegentore auf der Anzeigetafel anderes suggerieren. Einziger Wermutstropfen aus Sicht der Gäste: Wilhelm Rudolph sah in der 73. Minute Gelb, und das war symbolisch - die Farbe passte perfekt zur Stimmungslage seines Teams: blass, vorsichtig, und irgendwie angekratzt. Nach dem Abpfiff zeigte sich Velberts Coach Bock zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben das umgesetzt, was wir trainieren - und vielleicht ein bisschen mehr. Aber wir bleiben auf dem Boden. Naja, so halb." Fridolin von Zahn hingegen wirkte eher wie ein Mann, der dringend einen starken Kaffee braucht. "Das war Lehrgeld", seufzte er. "Wenn du siehst, wie Velbert spielt - das ist schon fast unhöflich gut." So endete ein Abend, an dem Homberg kaum wusste, wie ihm geschah, und Velbert sich wie im Rausch spielte. 5:0, 62 Prozent Ballbesitz, 18:1 Torschüsse - Zahlen, die Bände sprechen. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das Regionalliga ist, möchte ich nicht wissen, wie’s aussieht, wenn die mal richtig ernst machen." Und ernst machen - das scheint genau das zu sein, was Velbert in dieser Saison noch vorhat. 07.09.643987 15:10 |
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Leichte Bälle zu halten ist einfach. Schwierige Bälle zu halten ist immer schwierig.
Otto Rehhagel