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Rot-Weiß Halle gegen die SSVg Velbert, das klang am 7. Spieltag der Regionalliga B zunächst nach solider Hausmannskost. Was die 3635 Zuschauer am Freitagabend aber zu sehen bekamen, war ein wildes Drei-Gänge-Menü mit allem, was das Fußballherz begehrt: frühe Tore, doppelte Torschützen, eine Verletzung, Gelbe Karten und ein Ende, das für die Heimmannschaft nach kaltem Kaffee schmeckte. Kaum hatten die Fans ihren Glühwein umrühren können, zappelte der Ball schon im Netz. In der 3. Minute traf Velberts quirliger Rechtsaußen Harvey Kinmont nach feinem Zuspiel von Theo Fraser - und grinste danach in Richtung Heimkurve, als sei das eigentlich ein Trainingsspiel. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", schnaubte Halles Trainer Luis Muriel später, "aber Kinmont hat das Ding irgendwie noch reingedreht. So was siehst du sonst nur auf YouTube." Rot-Weiß war sichtlich konsterniert, fing sich aber nicht wirklich. Velbert, unter Trainer Klaus Bock mit einer klar offensiven Ausrichtung gestartet, roch Blut. In der 25. Minute erhöhte Laurent Delmas, Routinier mit grauen Schläfen und präzisem Schuss, nach Vorarbeit von Billy Yeates auf 0:2. Das sah nach einem gemütlichen Abend für die Gäste aus - doch Halle hatte etwas dagegen. Nur drei Minuten später schlug Xavier Alvaro zurück. Der flinke Rechtsaußen verwertete eine butterweiche Flanke von Eskil Ohlson zum Anschlusstreffer. Und plötzlich war das Stadion wieder ein Hexenkessel. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Alvaro nach Abpfiff, "und gehofft, dass keiner im Weg steht. Hat ja geklappt." In der 37. Minute folgte die Wiederholung des Kunststücks: Alvaro erneut, diesmal nach Vorlage von Diego Jordao, stellte auf 2:2. Da bebte der alte Beton der Kurt-Wabbel-Kampfbahn. Der Mann war kaum zu fassen, Velberts Abwehr sah in dieser Phase aus, als hätte sie kollektiv die GPS-Ortung verloren. Doch während Halle auf die Halbzeitführung drängte, kam es bitter: Verteidiger Jürgen Runge holte sich nach einem übermotivierten Einsteigen die Gelbe Karte ab (38.), und im selben Moment musste auf der Gegenseite Velberts Stürmer David Greenwald verletzt vom Platz. "Er hat einen Schlag aufs Sprunggelenk bekommen", erklärte Bock später. "Nichts Dramatisches, aber wir wollten kein Risiko." Sein Ersatz, Rene Bettencourt, sollte später noch für Unruhe sorgen. Nach der Pause schien Halle das Momentum mitnehmen zu wollen - mehr Ballbesitz, mehr Druck, 52 Prozent Spielanteile über die gesamte Partie. Aber was nützt der Ballbesitz, wenn der Gegner die Tore macht? In der 52. Minute schlug Velbert zurück: Andre Bender, der bullige Mittelstürmer, netzte nach Vorarbeit von Christo Boschinow trocken zum 2:3 ein. Es war ein Treffer aus dem Nichts, aber von der Sorte, die Spiele entscheidet. "Da haben wir einfach gepennt", knurrte Halles Keeper Nikanor Dawydow, der den Ball nur noch aus dem Netz fischen konnte. "Ich hab’ kurz überlegt, ob ich meine Abwehr anschreie oder mich selbst. Am Ende hab’ beides gemacht." Halle versuchte noch einmal alles - acht Torschüsse insgesamt, viele davon in der zweiten Halbzeit. Doch das Velberter Bollwerk hielt. Delmas sah in der 84. Minute noch Gelb, als er einen Konter mit einem rustikalen Griff in den Trikotärmel stoppte - "taktisches Foul deluxe", kommentierte ein Zuschauer süffisant. Trainer Muriel wechselte offensiv, brüllte, gestikulierte, aber der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Kurz vor Schluss jagte der eingewechselte Franck Lansbury das Leder aus 18 Metern knapp über die Latte - sinnbildlich für Halles Abend. Als Schiedsrichterin Lena Pohl nach 93 Minuten abpfiff, ballten die Velberter Spieler die Fäuste. "Das war Charakterfußball", lobte Trainer Bock. "Wir waren nicht die Schönsten, aber die Effektivsten." Luis Muriel hingegen stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte: "Wenn Schönspielen Punkte gäbe, wären wir Tabellenführer." Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 8 Torschüsse Halle, 9 Velbert, 52 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, leicht bessere Zweikampfquote für die Gäste. Auf dem Papier also fast ausgeglichen - auf der Anzeigetafel aber 2:3. Und so bleibt Rot-Weiß Halle nach sieben Spieltagen weiter auf der Suche nach der Balance zwischen Ästhetik und Effizienz. Velbert hingegen nimmt drei Punkte mit, eine Prellung weniger und jede Menge Selbstvertrauen. Vielleicht bringt’s Muriel am besten auf den Punkt: "Wir haben gut gespielt - leider nicht gut genug." Ein Satz, der so oder so ähnlich wohl schon oft in den Katakomben des Fußballs gefallen ist. Doch an diesem frostigen Januarabend klang er besonders ehrlich. 29.03.643987 13:35 |
Sprücheklopfer
Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft