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Es war einer dieser Abende in der Regionalliga B, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott vielleicht im Stau steckt. 4510 Zuschauer im Stadion Sonnenblume sahen am Freitagabend eine SSVg Velbert, die von der ersten Minute an das Gaspedal fand - und eine Mannschaft aus Gera, die sich tapfer zwischen Ball und Tor warf, als hinge ihr Leben davon ab. Am Ende stand ein schmales, aber völlig verdientes 1:0 (1:0) für die Gastgeber - eine Zahl, die das Kräfteverhältnis dieses Spiels nur sehr unzureichend beschreibt. Velbert-Trainer Klaus Bock hatte sein Team klar offensiv eingestellt, und das merkte man. Schon in der ersten Minute prüfte Andre Bender den Gästekeeper Dani Pizanti, der sich an diesem Abend als Geraer Lebensversicherung entpuppte. In den ersten 15 Minuten zählte der Stadionsprecher mehr Velberter Torschüsse als Gera Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können", grinste Bock nach der Partie. "Nur das mit dem Toreschießen, das üben wir dann Montag nochmal." Die Gäste aus Thüringen? Bemüht, aber offensiv ungefährlich wie ein nasser Streichholz. Ein einziger Schuss auf das Tor - in der 83. Minute, abgegeben von Noah Hiliard - reichte immerhin, um den Namen des Velberter Keepers Dimas Bischoff ins Protokoll zu bringen. "Ich hatte mir fast schon einen Stuhl hingestellt", witzelte der Torhüter später. Doch zurück zur ersten Halbzeit, in der Velbert Chancen im Minutentakt produzierte. Rene Bettencourt versuchte es in der 7., 28. und 33. Minute - immer wieder scheiterte er an Pizanti oder am eigenen Zielwasser. Nach einem Foul von Billy Yeates in der vierten Minute sah Velbert früh Gelb, was den Außenverteidiger aber nicht davon abhielt, weiter fleißig nach vorne zu marschieren. Dann Minute 44: Christo Boschinow, der Veteran auf der linken Seite, fasst sich ein Herz, zieht in die Mitte und steckt den Ball traumhaft durch auf Bettencourt. Der 23-Jährige bleibt diesmal cool, schiebt überlegt ins rechte Eck - und das Stadion erbebt. 1:0, endlich! "Ich hab den Ball gar nicht richtig gesehen, nur gespürt", sagte Bettencourt lachend. "Und dann dachte ich, na gut, machste halt rein." Fast im selben Atemzug musste Gera den nächsten Rückschlag verkraften: Lucas Noack, bis dahin der einzige, der im Mittelfeld halbwegs Ordnung stiftete, verletzte sich kurz vor der Pause und musste durch Mateo Guillen ersetzt werden. "Das war der Knackpunkt", haderte Gästecoach Karsten Beckmann. "Ohne Lucas fehlte uns die Ruhe. Und ehrlich gesagt: Wir hatten auch gar keinen Ball, den wir hätten beruhigen können." Die zweite Hälfte verlief nach bekanntem Muster: Velbert drückte, Gera wehrte sich. Theo Fraser zog aus der Distanz ab (61.), Ivica Papa versuchte es über rechts (65., 89., 90.), selbst Innenverteidiger Brecht Dekerf wagte sich in der 67. Minute nach vorne. 17 Torschüsse verzeichneten die Statistiker am Ende für die Gastgeber - gegenüber einem einzigen der Gäste. Dazu 57,5 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die fast an Handball erinnerte: 59,7 Prozent. Trotz aller Überlegenheit blieb das Ergebnis knapp. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Velbert kollektiv auf. "Das hätte ruhig 3:0 oder 4:0 ausgehen dürfen", meinte Boschinow, und der Blick auf die Statistik gab ihm recht. Trainer Bock sah das ähnlich, aber mit einem Augenzwinkern: "Wir wollten die Spannung hochhalten, damit die Zuschauer auch was fürs Geld kriegen." Auf der anderen Seite stand Beckmann mit verschränkten Armen und trockenem Humor: "Wir haben unser Ziel erreicht - kein Gegentor nach Standard. Dass wir sonst kaum über die Mittellinie kamen, war... sagen wir mal: Teil des Plans." Velbert klettert mit dem Dreier weiter in Richtung obere Tabellenhälfte, während Gera sich Gedanken machen muss, woher künftig die Torgefahr kommen soll. Ein Schuss aufs Tor in 90 Minuten ist nicht gerade der Stoff, aus dem Fußballträume sind. Und so blieb der Abend ein Lehrstück in Geduld und Chancenverwertung: Wer 17 Mal schießt, darf auch mal treffen. Wer einmal schießt, sollte sich wenigstens merken, wie’s ging. "Am Ende", resümierte Bock beim Abgang, "war’s ein Arbeitssieg mit Stilbruch - schön gespielt, aber nur einmal getroffen. Hauptsache drei Punkte." Und Bettencourt, der Held des Abends, ließ den Reporter mit einem Grinsen zurück: "Ich hab jetzt Hunger. Hoffentlich gibt’s in der Kabine wenigstens mehr Tore als Currywürste." Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - nicht, weil es spektakulär war, sondern weil es gezeigt hat, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt. 11.07.643987 17:43 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird