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Wenn 46.612 Zuschauer im Dacia‑Stadion gleichzeitig stöhnen, dann ist entweder der Espresso ausgegangen oder Javier Vazques hat gerade wieder etwas Unerhörtes getan. Am 5. Spieltag der 1. Liga Italien war es Letzteres: Der flinke Linksaußen aus Gela erzielte in der 95. Minute den Siegtreffer zum 2:1 - und raubte Udinese damit den sicher geglaubten Punkt. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Schon nach 18 Minuten zappelte der Ball im Netz der Hausherren. Vazques, der an diesem Abend offenbar auf Dauerlauf eingestellt war, verwertete eine präzise Flanke von Filipe Meira, während Udineses Abwehr noch überlegte, ob sie lieber links oder rechts zustellen sollte. "Ich hab nur den Wind gespürt und gedacht: jetzt oder nie", grinste Vazques später, als hätte er gerade einen Fahrradausflug beschrieben. Udinese‑Coach Emiliano Dicetutto dagegen raufte sich an der Seitenlinie die Haare. Seine Mannschaft, taktisch erneut auf Konter eingestellt, wirkte bis zur Pause wie ein Diesel im Winter: bemüht, aber zäh. Gela dominierte mit 53 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüssen - doppelt so viele wie die Gastgeber. Besonders Vazques und sein Sturmpartner Lucas Cochran wirbelten über die Flügel, als wäre das Spielfeld ihr persönlicher Laufsteg. Nach dem Seitenwechsel kam Udinese endlich aus der Garage. In der 59. Minute fasste sich Andras Kohut, der alte Stratege im Mittelfeld, ein Herz. Nach Vorarbeit von Tord Paulsson drosch er den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck - ein Treffer, der das Stadion erwachen ließ. "Ich hab einfach gedacht: Wenn keiner will, mach ich’s halt selbst", sagte Kohut trocken. Dicetutto applaudierte so heftig, dass man ihm fast einen Freistoß zusprechen wollte. Gela wackelte kurz, doch fiel nicht. Trainer Michael Müller reagierte mit frischen Kräften: Perlman kam für den gelbverwarnten Veloso, später ersetzte Caliskan den abgekämpften Colombo. "Wir wollten das Spiel wieder nach vorne ziehen", erklärte Müller, der an der Seitenlinie so ruhig blieb, als würde er eine Tasse Tee halten statt einen Ein‑Tor‑Vorsprung verteidigen. Udinese drängte in der Schlussphase, aber die Präzision blieb auf der Strecke. Leonardo Iezzi scheiterte in der 83. Minute aus spitzem Winkel, und der eingewechselte Enrico Acri rutschte in der 87. Minute knapp an einer flachen Hereingabe vorbei. "Manchmal ist der Ball einfach rund, aber nicht für uns", murmelte Dicetutto nach Schlusspfiff, halb resigniert, halb philosophiert. Dann kam die Nachspielzeit, jene grausame Zone zwischen Hoffnung und Albtraum. Gela hatte längst aufs Pressing umgestellt, während Udinese auf den Lucky Punch hoffte. In Minute 95 schlug Semedo eine Flanke aus dem linken Halbfeld, Vazques stieg höher als alle anderen - und köpfte den Ball unhaltbar in die Maschen. Der Gästeblock explodierte, der Rest des Stadions verstummte. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass’s schon so spät war", sagte Vazques später mit einem Achselzucken. "Aber besser spät als nie, oder?" Statistisch war der Sieg verdient: 12 Torschüsse zu 6, leichtes Plus im Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe. Udinese kämpfte, doch Gelas offensive Ausrichtung - über die Flügel, mit sicherem Abschluss - setzte sich letztlich durch. Es war kein Spektakel, aber ein Lehrstück in Effizienz. Auf der Pressekonferenz versuchte Dicetutto, das Positive zu sehen: "Wir haben Herz gezeigt. Leider hat’s am Ende gereicht - für die anderen." Michael Müller dagegen grinste breit: "Wir haben bis zur letzten Sekunde an uns geglaubt. Und manchmal belohnt der Fußball eben die Hartnäckigen." Während die Spieler von Gela auf dem Rasen tanzten, trotteten die Udineser in die Kabine, begleitet vom zögerlichen Applaus der eigenen Fans. Einer rief aus der Kurve: "Beim nächsten Mal bitte früher aufwachen!" - und traf damit, wie so oft auf den Tribünen, den Nagel auf den Kopf. Ein sarkastisches Fazit drängt sich auf: Udinese wollte auf Konter lauern, aber am Ende wurde die Mannschaft selbst ausgekontert - von einem Javier Vazques, der offenbar beschlossen hatte, dass Nachspielzeit seine persönliche Bühne ist. Gela reist nun mit breiter Brust nach Hause, während Udinese an der eigenen Spät‑Schwäche knabbert. Für die Statistikfreunde bleibt: 1:2 (0:1), 46.612 Zuschauer, zwei Tore von Vazques, eins von Kohut - und ein Spiel, das wieder einmal bewiesen hat, dass Fußball manchmal nur aus fünf Minuten besteht. 15.07.643990 06:52 |
Sprücheklopfer
Ich werde mir eine Schaf-Farm in Neuseeland kaufen und Schafswurst herstellen, um sie nach Bayern zu exportieren. Nee, mal im Ernst, was für eine blöde Frage ist das? Wie denkt man sich solche Fragen aus? Gibt man sein Hirn schon vor oder erst nach dem Journalistikstudium ab?
Peter Neururer auf die Frage nach seinen Plänen nach dem geschafften Wiederaufstieg in die Bundesliga: