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Es war ein lauer brasilianischer Abend in Rio, aber was Vasco da Gama da im heimischen Stadion ablieferte, war alles andere als lauwarm. 38.888 Zuschauer erlebten am 29. Spieltag der 1. Liga Brasilien ein Fußballfest, das mit einem 5:2-Sieg über Campina Grande endete - und einem gewissen Koenraad Sleeper, der offenbar vergessen hatte, dass man in Brasilien eigentlich keinen belgischen Namen trägt, sondern Tore schießt. Drei an der Zahl. Schon nach einer guten Viertelstunde ging’s los: Ewan Hunt, flink wie ein Capoeira-Tänzer, legte nach außen, Sleeper zog nach innen und schob in der 13. Minute eiskalt ein. Der Belgier grinste danach in die Kameras: "Ich dachte, warum nicht gleich anfangen, Spaß zu haben?" Trainer Patrick Kunz Gouveia nickte an der Seitenlinie zufrieden - oder er suchte seine Wasserflasche, das war aus der Distanz schwer zu erkennen. Doch Campina Grande - anfangs offensiv ausgerichtet, wie es sich für mutige Gäste gehört - zeigte kurz darauf, dass sie keine Touristen sind. In der 26. Minute spielte Alberto Talao einen perfekten Pass auf Alexander Carsley, der den Ball wuchtig unter die Latte jagte. 1:1, und Vasco da Gama wirkte für einen Moment überrascht, als hätte jemand mitten im Samba plötzlich Polka eingeschoben. Dann kam die 40. Minute, und mit ihr Robin Verellen, 21 Jahre jung und offenbar ohne Nerven. Nach einem langen Ball von Yanik Hartmann nahm er das Leder direkt - 2:1! Und als die Zuschauer noch jubelten, schlug Sleeper in der Nachspielzeit der ersten Hälfte erneut zu. Wieder Hartmann mit dem Assist, wieder das Netz zitternd - 3:1 zur Pause. "Wenn Robin und Koenraad so weitermachen, muss ich mir bald neue Jubelposen ausdenken", lachte Gouveia beim Halbzeitinterview. Campina Grande hatte da schon Pech: Linksverteidiger Frederic Reacock musste früh verletzt raus (22.), Ersatzmann Fernando Vazquez mühte sich redlich, aber gegen Vascos Flügelangriffe war das wie ein Regenschirm im Monsun. In der zweiten Hälfte versuchte Tobias Wassermanns Team noch einmal, das Spiel zu drehen - und tatsächlich, in der 63. Minute brachte Liam Sterling die Gäste mit einem schönen Schuss ins lange Eck wieder auf 3:2 heran. Die Vorlage? Wieder Alberto Talao, der an diesem Abend als einziger Campina-Spieler nicht völlig unterging. "Wir wollten mutig bleiben", erklärte Wassermann später, "aber Vasco hat uns einfach auseinandergezogen. Und Sleeper… naja, der war heute hellwach." Doch anstatt nervös zu werden, wechselte Gouveia clever: Er brachte Ingo Da Cru für den jungen Verellen, der sich zuvor verausgabt hatte. Und siehe da - der Joker stach. In der 75. Minute bediente Da Cru den lauernden Samuel Henderson auf links, der aus 20 Metern trocken abzog. 4:2. Filipe Dominguez im Tor von Campina kam nicht einmal ansatzweise in die Nähe des Balls. Damit war der Widerstand der Gäste gebrochen. Vasco spielte nun wie im Training, Pass um Pass, 53,8 Prozent Ballbesitz und 24 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Campina kam auf ganze sechs Abschlüsse - und zwei Tore, immerhin. In der Nachspielzeit krönte Sleeper seinen Gala-Abend: In der 92. Minute tanzte er nach Pass von Dries Houziaux durch die müde Hintermannschaft und vollendete zum 5:2. Der Ball zappelte, die Fans tobten, und Sleeper nahm’s mit Humor: "Ich wollte eigentlich in der 90. aufhören, aber Dries hat so nett gebeten." Nach dem Abpfiff standen die Spieler von Campina Grande etwas ratlos in der Mitte. Alexander Carsley, der Torschütze des ersten Gästetores, fasste es trocken zusammen: "Wir haben versucht, mitzuhalten. Aber gegen eine Mannschaft, die Flügel hat, fliegt man schnell davon." Statistisch war das Ganze eindeutig: Vasco mit 56 Prozent gewonnenen Zweikämpfen, mehr Tempo, mehr Ideen, und vor allem mehr Tore. Campina Grande blieb zwar offensiv eingestellt, aber ohne Pressing und mit schwindender Kraft - eine Einladung für Vascos Flügelduo Hunt und Sleeper, die das gnadenlos nutzten. Trainer Kunz Gouveia grinste nach dem Spiel: "Ich sag’s immer wieder - wir spielen nicht nur Fußball, wir tanzen ihn." Dass er dabei leicht an der Seitenlinie wippte, war wohl kein Zufall. Wassermann dagegen zog sein Sakko gerade und meinte nur: "Wir haben Lehrgeld bezahlt. In bar und mit Zinsen." So endete ein Abend, an dem Vasco da Gama ganz Brasilien erinnerte, warum man Fußball manchmal lieber "Jogo Bonito" nennt - und warum man bei 5:2 besser noch ein zweites Stadionmikro bereithält, um den Samba-Beat zu übertönen. 20.12.643987 15:48 |
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