Jornal do Brasil
+++ Sportzeitung für Brasilien +++

Vasco da Gama rettet sich mit Wahnsinns-Comeback zu 4:4 gegen Santo André

Was für ein Fußballabend in Rio! 34.016 Zuschauer im Estádio São Januário bekamen am 19. Spieltag der brasilianischen Série A ein Spektakel serviert, das selbst hartgesottene Statistiker ratlos und Romantiker glückselig zurückließ. Vasco da Gama und AD Santo André trennten sich nach 90 turbulenten Minuten 4:4 - ein Ergebnis, das sich liest wie ein Tippfehler, aber jedes Tor war so echt wie der Schweiß auf der Stirn von Trainer Patrick Kunz Gouveia.

Dabei sah es zur Pause alles andere als nach einem Punkt für die Hausherren aus. Schon in der dritten Minute überrumpelte Caio Custodio die noch schlaftrunkene Abwehr von Vasco - ein satter Schuss, eiskalt vollstreckt nach Vorarbeit von Innenverteidiger Ethan Haddington. "Ich dachte kurz, der Pass war zu steil, aber dann war nur noch das Netz da", grinste Custodio nach dem Spiel, als wisse er selbst nicht recht, wie leicht ihm das fiel.

Und als Louis Lutz in der zwölften Minute auf 0:2 erhöhte - natürlich nach Vorlage von Custodio - rieben sich die Zuschauer die Augen. Vasco wirkte wie ein Boxer, der schon in der ersten Runde zwei Wirkungstreffer kassiert hat. "Wir haben uns gegenseitig angeschaut und gedacht: Das kann ja heiter werden", gestand Verteidiger Domingo Beto später mit einem bitteren Lächeln.

Santo André spielte in der ersten Hälfte fast schon unverschämt souverän. Coach Alexander Pachmann hatte seine Elf offensiv und kontrolliert eingestellt, das Passspiel lief rund, der Ballbesitz lag leicht zu ihren Gunsten (50,7 Prozent). Vasco dagegen wirkte ideenlos, ängstlich, ja fast höflich - als wollten sie den Gästen den Ball überlassen.

Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr eine Vasco-Mannschaft, die plötzlich Feuer fing. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff wuchtete Innenverteidiger Henri Bedard den Ball nach einer Ecke von Corey Crichton ins Netz. 1:2, Hoffnung keimte auf. Doch kaum hatte sich das Stadion wieder beruhigt, schlug Santo André zurück: Custodio netzte in der 52. Minute erneut ein, diesmal nach feinem Zuspiel von Frederic Greaves. 1:3.

"Da dachte ich ehrlich, jetzt ist es durch", gab Vasco-Kapitän Jacob Danielsen später zu. Aber aufgeben? Nicht in Rio. Acht Minuten später drosch eben jener Danielsen den Ball zum 2:3 ins Tor - wieder war Crichton der Vorlagengeber. Das Publikum stand Kopf. Und als der 22-jährige Robin Verellen nur drei Minuten später nach Vorarbeit von Slobodan Ergic zum 3:3 ausglich, bebte das Stadion.

Coach Kunz Gouveia schrie an der Seitenlinie, als hätte er selbst das Tor erzielt. "Ich hab ihm gesagt: Robin, jetzt spielst du endlich wie jemand, der nicht zum Frisörtermin muss!", lachte der Trainer nach der Partie.

Doch die Achterbahnfahrt war noch nicht vorbei. In der 80. Minute brachte Paulo Garcia die Gäste wieder in Front - erneut nach einem präzisen Pass von Greaves. 3:4, und dieses Mal schien Vasco endgültig besiegt. Dann die 85. Minute: Wieder Verellen, wieder Ergic, wieder Jubel. 4:4! Der belgische Jungstürmer rannte jubelnd in die Kurve, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen.

"Ich hab gar nicht gemerkt, dass meine Schuhe offen waren", lachte Verellen nach dem Spiel. "Aber das war mir egal - Hauptsache drin."

In den letzten Minuten drängte Vasco sogar noch auf den Sieg, das Stadion tobte, und Santo André wankte. Doch Keeper Caio Santos hielt, was zu halten war, und rettete seinem Team wenigstens einen Punkt.

Statistisch war das Spiel ein offener Schlagabtausch: 21 Torschüsse für Vasco, 16 für Santo André; Ballbesitz nahezu ausgeglichen. Gelbe Karten? Nur eine - Vasco-Linksverteidiger Beto sah sie in der 81. Minute, vermutlich aus purer Erschöpfung.

Am Ende stand ein 4:4, das keiner so schnell vergessen wird. "Ich bin zehn Jahre älter geworden", meinte Kunz Gouveia augenzwinkernd. Und sein Gegenüber Pachmann seufzte: "Wenn man viermal auswärts trifft und trotzdem nicht gewinnt, dann weiß man, dass der Fußball ein sadistisches Spiel ist."

Vielleicht war es kein taktisches Meisterwerk, aber ein Fest für alle, die Fußball lieben, weil er unberechenbar ist. Ein Spiel, das zeigte: selbst wenn es aussieht, als sei alles verloren, kann man in 90 Minuten alles neu schreiben - zumindest, wenn man Vasco da Gama heißt.

Und irgendwo in Rio wird noch jemand sagen: "Weißt du noch, damals, das 4:4 - das war kein Spiel, das war Kino."

04.01.643991 20:48
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Das Chancenplus war ausgeglichen.
Lothar Matthäus
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager