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Es gibt Abende, da läuft einfach alles. Und dann gibt es solche, an denen der Gegner Varde IF heißt. Der SC Fredericia durfte das am 26. Spieltag der 1. Liga Dänemark auf schmerzhafte Weise erfahren - 0:5 hieß es nach 90 Minuten in einem Spiel, das eher an ein Schaulaufen des Gastgebers erinnerte als an einen Wettkampf. 30.750 Zuschauer sahen ein Feuerwerk, das schon nach einer halben Stunde entschieden war. Die Hausherren begannen, als hätten sie die gesamte Woche auf Espresso getrunken. Schon in den ersten zehn Minuten hagelte es Torschüsse - Ellis Caviness, Vladan Dordevic, Lionel Gomes, Pekka Sauso - die Liste der Schützen las sich wie die Einladungsliste zu einer Gala. Fredericia dagegen wirkte, als sei das Flutlicht zu grell. Zwar hatten sie mit über 56 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, aber was bringt das, wenn der Ball nie dorthin kommt, wo’s weh tut? In der 20. Minute platzte der Knoten - oder besser: Gomes schoss ihn herbei. Nach feinem Zuspiel von Lionel Enriquez zimmerte der rechte Flügelstürmer das Leder in die Maschen. Vier Minuten später legte der Mann mit dem Vornamen des großen Argentiniers nach. Wieder Gomes, diesmal nach Vorarbeit von Carl Antunes. "Ich dachte mir: Wenn’s einmal läuft, dann doppelt so gut", grinste er später mit einem Augenzwinkern. Fredericias Trainer - der sich nach dem Spiel nur mit einem leisen "Kein Kommentar" verabschiedete - dürfte da schon geahnt haben, dass das kein schöner Abend wird. Spätestens in der 32. Minute war klar: Heute wird’s bitter. Pekka Sauso, der bullige Finne im Sturmzentrum, nickte nach einer butterweichen Flanke von Enriquez zum 3:0 ein. "Wir wollten eigentlich defensiv kompakt stehen", murmelte ein konsternierter Fredericia-Verteidiger nach dem Abpfiff. "Hat nicht so ganz geklappt." Das kann man wohl sagen. Nach der Pause verlegte sich Varde IF auf gepflegtes Zerstören von Fredericias Resthoffnung. Olaf Meyer, der Trainer der Gastgeber, stand an der Seitenlinie, als würde er einen gemütlichen Spaziergang begleiten. "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen das genießen. Und sie haben zugehört - ausnahmsweise", lachte Meyer später. In der 66. Minute durfte sich dann sogar Innenverteidiger Dieter Meiser in die Torschützenliste eintragen. Nach einem Eckball, den Pablo de Vivar mit chirurgischer Präzision auf den Elfmeterpunkt zirkelte, köpfte Meiser das 4:0. "Ich bin nicht oft da vorne. Wenn ich’s bin, dann lohnt’s sich", kommentierte der Abwehrmann trocken. Fredericia kam zwar zu insgesamt fünf Torschüssen - statistisch gesehen existierten sie also -, aber die Szene, die das Spiel am besten zusammenfasste, ereignete sich in der 72. Minute: Rhys Barrymore (ja, so heißt er wirklich) zog aus 25 Metern ab, traf den Ball aber derart unglücklich, dass dieser in hohem Bogen ins Seitenaus segelte. Die Fans von Varde quittierten es mit einem spöttischen Applaus, der fast schon Mitleid verriet. Das Schlusswort gehörte dann erneut der Defensive Vardes - oder besser gesagt, deren Offensivdrang. In der 90. Minute markierte der eingewechselte Stephane Satchmore nach Vorlage von Sauso den Endstand. 5:0. Ein Ergebnis, das man in Stein meißeln möchte, so überlegen war es. Interessant: Trotz der fünf Tore hatte Varde IF weniger Ballbesitz (nur 43,9 Prozent), dafür aber 27 Torschüsse - also mehr als fünfmal so viele wie der Gegner. Eine Demonstration von Effektivität und Zielstrebigkeit. Nach dem Spiel stand Meyer in der Mixed Zone, einen Pappbecher Kaffee in der Hand, und sagte mit einem Grinsen: "Manchmal ist Fußball einfach. Wir haben aufs Tor geschossen, die anderen nicht." Dann drehte er sich um, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Fredericias Spieler hingegen schlichen wortlos in die Kabine. Nur Keeper Lucas Morin blieb kurz stehen und meinte: "Ich hab fünfmal hinter mich gegriffen. Das war’s dann wohl." Fazit: Varde IF zeigte, dass man auch mit weniger Ballbesitz ein Spiel dominieren kann - wenn man weiß, was man mit dem Ball anfängt. Fredericia hingegen muss sich fragen, ob 56 Prozent Ballbesitz ohne Torgefahr wirklich eine Strategie oder eher ein ästhetischer Irrtum sind. Und irgendwo in Varde dürften die Fans noch immer lächeln - denn solche Abende sind selten, selbst im Fußballhimmel Dänemarks. 16.11.643987 06:53 |
Sprücheklopfer
Das Gegentor fiel zum psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt. Aber man muss an dieser Stelle auch einmal die Frage stellen, ob es Gegentore gibt, die zu einem psychologisch günstigen Zeitpunkt fallen.
Christoph Daum