// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Ein kühler Märabend in Varde, 31.240 Zuschauer, Flutlicht, 30. Spieltag der 1. Liga Dänemark. Und ein Spiel, das erst spät Feuer fing - aber dann umso heller brannte. Varde IF besiegte den SC Hjörring mit 2:0, dank zweier Treffer, die so unterschiedlich wie verdient waren. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel nordischer Geduld. Hjörring hatte zwar mehr Ballbesitz (53,8 Prozent), aber Varde hatte die klareren Chancen. Schon in der 5. Minute prüfte Rechtsverteidiger Carlos Cabrero den gegnerischen Keeper Bertil Olsen mit einem satten Distanzschuss - "Ich wollte nur sehen, ob er wach ist", grinste Cabrero später. Der war es, parierte mit den Fingerspitzen. Ansonsten: viel Mittelfeldgeplänkel, ein paar ambitionierte Flanken, und ein Trainer Olaf Meyer, der an der Seitenlinie so ruhig wirkte, als würde er gerade ein Sudoku lösen. Sein Gegenüber Luka Luk hingegen sprang nach jedem Fehlpass auf, als wolle er den Ball selbst abholen. "Wir wollten kontrollieren, aber Kontrolle ist langweilig, wenn man keine Tore schießt", seufzte er nach dem Spiel halb ironisch. Es dauerte bis zur 66. Minute, bis sich das Blatt wendete - und ausgerechnet Lionel Enriquez, der quirligste Linksmittelfeldspieler nördlich des Äquators, brach den Bann. Nach einem flinken Doppelpass mit Namensvetter Lionel Gomes zog Enriquez von links in die Mitte und schlenzte den Ball mit rechts ins lange Eck. 1:0 für Varde, der Jubel so laut, dass man ihn vermutlich bis Hjörring hörte. "Zwei Lionels, ein Gedanke", witzelte Enriquez später. Kaum hatten die Gäste sich vom Schock erholt, kam der nächste Schlag. Sechs Minuten später (72.) war es Pablo de Vivar, der nach Vorlage - wieder von Lionel Gomes - trocken vollstreckte. De Vivar, 33 Jahre jung und mit der Abgeklärtheit eines Mannes, der schon alles gesehen hat, stapfte nach seinem Tor direkt zu Trainer Meyer und rief: "Jetzt darfst du wieder Sudoku machen!" Meyer lachte nur: "Ich hatte eh gerade die Lösung gefunden." Hjörring mühte sich, kam durch Ezequiel Ruy (69.) und Ralf Bendtsen (79.) noch zu ein paar ordentlichen Abschlüssen, aber Vardes Torwart Massimiliano Talarico war an diesem Abend unbezwingbar. "Ich hatte das Gefühl, das Tor wäre heute kleiner als sonst", sagte Ruy mit einem bitteren Lächeln. Die Schlussphase bot dann noch ein paar "Highlights" anderer Art: eine Gelbe für Bendtsen (83.), eine weitere für Roberto Gomes (86.), und auf Varder Seite hatte Linksverteidiger Karel Wyman bereits in der 53. Minute gelb gesehen - für ein Foul, das mehr nach "Ich wollte nur den Ball kitzeln" aussah. Dazu eine Verletzung von Innenverteidiger Vladan Dordevic, der in der 75. Minute humpelnd vom Platz musste. "Ein Schlag aufs Schienbein, nichts Dramatisches", gab er nachher Entwarnung, während Ersatzmann Dieter Meiser sich prompt in die Abwehrmauer einfügte, als wäre er schon seit Geburt dort gestanden. Taktisch blieb Varde über 90 Minuten offensiv eingestellt, während Hjörring nie so recht den Schalter fand. 16:6 Torschüsse sprechen eine klare Sprache, auch wenn der Ballbesitz anderes vermuten ließe. Die Gastgeber spielten schnörkellos, mutig und - das sei erlaubt zu sagen - erfrischend unberechenbar. Nach dem Abpfiff war die Stimmung in der Kabine von Varde ausgelassen. Trainer Meyer lobte sein Team: "Wir haben heute gezeigt, dass Einsatz und Spaß kein Widerspruch sind." Lionel Gomes, der zweimal als Vorlagengeber glänzte, ergänzte: "Ich wollte eigentlich selbst treffen, aber Enriquez war einfach zu charmant, um ihm den Ball nicht zu geben." Bei Hjörring dagegen wirkte man ratlos. Kapitän Ruy schüttelte den Kopf: "Wir hatten viel Ball, aber wenig Idee. Vielleicht hätten wir Sudoku spielen sollen." Und so blieb am Ende ein verdienter Sieg für Varde IF, das sich mit dieser Leistung endgültig im oberen Tabellenviertel festbeißt. Zwei Lionels, ein De Vivar, ein Trainer mit Humor - und ein Publikum, das noch lange nach Abpfiff sang und jubelte. Oder, wie es ein Fan mit Schal und heiserer Stimme am Ausgang formulierte: "Manchmal reicht’s, wenn man einfach Lust auf Fußball hat." Ein Satz, den selbst Olaf Meyer wohl nicht besser hätte auf das Sudoku-Blatt schreiben können. 01.09.643993 12:23 |
Sprücheklopfer
Wenn meine Oma ein Bus wäre, dann könnte sie hupen!
Dieter Eilts auf eine Hätte-wenn-und-aber-Frage eines Journalisten