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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Gäste überhaupt wussten, dass das Spiel um 20.30 Uhr begann - oder ob sie sich erst zur zweiten Halbzeit dazugesellen wollten. Vanløse IF, angeführt von Trainerin Irene Mayer, feierte beim 4:0 (4:0) über ein überfordertes Amager BK ein echtes Offensiv-Feuerwerk - und das alles schon in den ersten 45 Minuten. Vor 15.332 Zuschauern, die das kleine Stadion in Vanløse zum Beben brachten, begann die Partie mit einem klaren Statement: Wir schießen, wann immer wir Lust haben. "ANYTIME" nennt das die Taktikstatistik, und selten war ein Attribut so passend. Schon nach fünf Minuten prüfte Ton van Buren den Amager-Keeper Rolf Jonsson, der da noch hellwach schien. Acht Minuten später zappelte der Ball dann aber tatsächlich im Netz: Van Buren setzte sich auf links durch, Lasse Döring flankte mustergültig, und der Niederländer nickte zum 1:0 ein. Von da an lief das Spiel nur noch in eine Richtung. Amager, mit 47 Prozent Ballbesitz zwar nicht völlig abgemeldet, brachte aber weder Struktur noch Mut auf den Platz. "Wir haben den Bus vor dem Tor geparkt - leider ohne Fahrer", knurrte Amagers Trainer nach dem Spiel, der am liebsten anonym bleiben wollte. In der 32. Minute folgte der zweite Streich: Ingo Mino traf aus halblinker Position nach schöner Vorarbeit von Ernesto Ramos. Drei Minuten später revanchierte sich Ramos persönlich und markierte das 3:0 - erneut nach Flanke von Döring, der an diesem Abend gleich zwei Vorlagen beisteuerte. "Ich hab einfach nur draufgehalten, ehrlich!", grinste Ramos später. "Wenn man 19 Schüsse hat, geht irgendwann einer rein." Das 4:0 in der 42. Minute war dann fast schon der humoristische Schlusspunkt dieser einseitigen ersten Halbzeit. Daniel Mihali, der rechte Flügelstürmer, traf nach Pass des agilen Halvor Damgaard - und ließ Jonsson im Amager-Tor aussehen, als hätte der gerade überlegt, ob er morgen lieber Golf spielen soll. "Ich hab nur den Kopf geschüttelt", gab Trainerin Irene Mayer später zu. "Vier Tore vor der Pause - das ist auch für uns nicht alltäglich. Ich hab den Jungs gesagt: Bitte keine Experimente mehr, das reicht." Die zweite Halbzeit verlief dann deutlich ruhiger - was bei einem 4:0 auch kein Wunder war. Mayer wechselte früh, brachte den jungen Bruno Esaro, der gleich mehrfach aufs Tor schoss (Minute 59, 60, 74), aber ebenso erfolglos blieb wie der eingewechselte Valentin Larsson. "Ich wollte unbedingt auch noch treffen", sagte Esaro nach Abpfiff, "aber der Ball hatte wohl keine Lust." Von Amager kam dagegen so gut wie nichts. Ganze zwei Torschüsse standen am Ende zu Buche - einer in der 39., einer in der 69. Minute. Mehr kam nicht. "Wir haben immerhin das Tornetz getroffen - von außen", witzelte Linksaußen Oscar Houghton später selbstironisch. Die Statistik sprach Bände: 19:2 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Vanløse dominierte in allen Belangen. Die einzige kleine Unschönheit: Zwei Gelbe Karten, eine für Stig Östergaard (83.) und eine für Amagers Mario Peyroteo (50.), sorgten kurz für etwas Farbe im ansonsten grün-weißen Einbahnstraßenfußball. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Partie längst entschieden - eigentlich schon seit der 35. Minute. Die Fans sangen, die Spieler grinsten, und Irene Mayer wurde auf den Schultern ihrer Spieler gefeiert. "Ich bin stolz, aber wir bleiben bescheiden", meinte sie, während sie versuchte, den Konfetti-Regen aus ihren Haaren zu schütteln. "Nächste Woche kommt bestimmt wieder ein Gegner, der sich nicht so nett verhält." Und Amager? Die verabschiedeten sich mit einem müden Händedruck, ein paar hängenden Köpfen - und der Erkenntnis, dass man ohne Pressing, ohne Plan und ohne Leidenschaft in dieser Liga keine Punkte holen wird. Zum Schluss noch ein Dialog, der sich auf der Tribüne abspielte, zwischen zwei älteren Vanløse-Fans: "Das war ja fast zu leicht heute, Poul." "Ja, aber beschwer dich nicht, Niels. Sonst hören die noch auf, Tore zu schießen." Ein rundum gelungener Abend also für Vanløse IF, das sich mit dieser Gala endgültig in die Herzen der Fans - und wohl auch in die Spitzengruppe der 3. Liga Dänemark - gespielt hat. Wenn sie diesen Rhythmus halten, könnte Trainerin Mayer bald neue Probleme bekommen: zu viele Torschützen und zu wenig Platz in der Startelf. Ein Luxus, den sie sich nach diesem 4:0 redlich verdient hat. 22.05.643993 02:15 |
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Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
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