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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Estadio Municipal de El Plantío, 22.327 Zuschauer mit warmer Stimme und kalten Fingern - und am Ende ein Sieg, der so typisch für CF Burgos ist: dramatisch, etwas chaotisch und ein bisschen glücklich. Beim 3:2 (2:1) gegen UD Elche am 26. Spieltag der 2. Liga Spanien wurde alles geboten, was ein Freitagabend braucht - Tore früh, Zittern spät und ein Held, der sich Van Vranken nennt. Schon nach elf Minuten bebte die Tribüne. Markus Peltonen, der linke Mittelfeldmotor der Burgalesen, spielte einen Zuckerpass in die Tiefe, und Ton Van Vranken machte daraus ein Lehrbuchtor: ein Zug zum Ball wie ein Güterzug, ein Abschluss wie eine Punktlandung. 1:0. Vier Minuten später durfte das Stadion gleich noch einmal jubeln. Wieder Peltonen, diesmal mit einem schnellen Seitenwechsel, und Antip Semjonow vollendete mit einem satten Schuss ins lange Eck - 2:0 nach einer Viertelstunde, die so gar nicht nach Zweitliga-Fußball roch. "Da dachte ich, das wird heute ein ruhiger Abend", sagte Trainer Charly Huber nach dem Spiel mit einem Grinsen, das verriet, dass es natürlich keiner wurde. Denn Elche, jung, wild und mit einer Prise jugendlichem Trotz, gab sich nicht geschlagen. Nur sechs Minuten nach Semjonows Treffer kam das 2:1: Daniel Bernard hämmerte nach Vorarbeit von Verteidiger Julian Assis den Ball aus zwanzig Metern unter die Latte. Ein Tor, das man als "Antwort mit Ausrufezeichen" bezeichnen darf. Danach wurde es ruppiger. Peltonen sah Gelb für ein taktisches Foul - und man hatte das Gefühl, die Partie kippte leicht in Richtung der Gäste. Elche hatte mehr Ballbesitz (51,7 Prozent), aber Burgos blieb mit 13 Torschüssen gefährlicher. "Wir wollten nicht den Ball streicheln, wir wollten ihn ins Tor prügeln", fasste Huber die Spielidee zusammen. Elches Trainer Mike Johnson hingegen schüttelte nach dem Schlusspfiff den Kopf. "In der ersten Halbzeit waren wir zu brav. In der zweiten wollten wir sie fressen - und am Ende hat uns der Nachtisch gefehlt." Ein Satz, der so kryptisch war, dass man ihn fast rahmen möchte. Tatsächlich stellte Elche nach der Pause auf offensiver um, brachte den 19-jährigen Dalia Levinger zur Halbzeit und setzte auf Pressing. Das zeigte Wirkung: Burgos kam kaum noch hinten raus, während Elche Chance um Chance sammelte. Doch der Ausgleich ließ lange auf sich warten. Federico Castello, ebenfalls 19, zog in der 80. Minute aus dem Rückraum ab - ein Schuss, trocken wie die kastilische Winterluft. 2:2. Und plötzlich war Burgos am Wanken. "Ich hörte schon die Fans hinter mir fluchen", gab Torhüter Brandon MacGillivray später augenzwinkernd zu, "aber dann fiel mir ein: Wir sind Burgos. Wir gewinnen spät oder gar nicht." Und so kam es. In der 91. Minute, als die meisten schon mit dem 2:2 lebten, leitete Dorde Kacar über rechts den letzten Angriff ein. Eine Flanke, halb Schuss, halb Hoffnung - und Van Vranken stieg hoch wie ein Adler, köpfte den Ball an den Innenpfosten und ins Tor. 3:2. Jubel, Chaos, Herzrasen. Der Stürmer riss die Arme hoch, das Stadion tobte, und Huber sank theatralisch auf die Knie. "Ich weiß nicht, ob es schöner war als meine Hochzeit", witzelte er später, "aber es war kürzer." Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - 13:8 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Elche, vier Gelbe Karten, kein Platzverweis. Doch wer dabei war, weiß: Das war kein Statistikspiel. Das war Fußball mit Ecken, Kanten und kalten Füßen. Ein Moment gegen Ende fasste alles zusammen. Kurz nach dem Siegtor lief Elches Kapitän Bernard an der Seitenlinie vorbei und klopfte Van Vranken auf die Schulter. "Heute warst du der Unterschied", sagte er - und Van Vranken grinste nur: "Morgen bin ich Muskelkater." So endet ein Abend, der Burgos auf den Geschmack bringt und Elche mit leeren Händen, aber erhobenem Haupt zurücklässt. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, rief ein Fan aus der Kurve: "Charly, nie wieder Spannung, bitte!" - worauf Huber nur lachte. "Das wäre ja langweilig." Ein Spiel wie ein Drama in fünf Akten - mit einem Helden aus den Niederlanden, einem Trainer mit Humor und einem Gegner, der zeigte, dass 19 Jahre kein Alter, sondern ein Versprechen sind. 16.11.643987 00:40 |
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