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Ein kalter Februarabend in Fjardabyggd, 11.000 Zuschauer, dichte Atemwolken über den Köpfen und ein Anpfiff, der kaum verklungen war, als das Drama schon seinen Lauf nahm. Kaum hatte der Stadionsprecher die Aufstellungen fertig verlesen, zappelte der Ball auch schon im Netz. Zoran Dragutinovic, 33 Jahre jung, bulliger Mittelstürmer mit dem Charme eines Kneipenwirts, brauchte ganze 60 Sekunden, um Valur Reykjavik mit 1:0 in Führung zu bringen. "Ich dachte, ich fang mal früh an, dann kann ich später eher duschen", grinste der Serbe nach dem Spiel - und man glaubte es ihm sofort. KF Fjardabyggd, an sich kein Team, das sich so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt, schien von diesem Blitzstart regelrecht eingefroren. Ehe man sich neu sortiert hatte, legte Valur nach: In der 11. Minute drückte Max MacKintosh, der schottische Mittelfeldmotor mit der Präzision eines Uhrwerks, den Ball nach Vorarbeit von Patrick Reich über die Linie - 0:2. Trainer Jozin Bazin, sonst eher wortkarg, klatschte zufrieden in seine Handschuhe. "Das war genau der Start, den wir wollten. Nur schade, dass danach noch 80 Minuten übrig waren", sagte er später mit einem Schmunzeln. Doch Fjardabyggd zeigte Leben. Mit knapp 55 Prozent Ballbesitz und dem Mut der Verzweiflung kamen sie langsam in die Partie. Besonders auffällig: der 19-jährige Gunnar Hanson, eigentlich rechter Verteidiger, aber offenbar mit einer Lizenz zum Stürmen ausgestattet. Kurz vor der Pause setzte er nach feinem Zuspiel von Holger Sverrisson zum Sprint an, überlief die halbe Abwehr Valurs und drosch den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins linke obere Eck. 1:2 - das Stadion bebte, und plötzlich roch es wieder nach Spannung, nach dieser kleinen Sensation, die man in Island so liebt. Die Pause kam für Valur zur rechten Zeit. Man sammelte sich, trank vermutlich heißen Tee - oder etwas Stärkeres - und kehrte mit frischem Elan zurück. Fjardabyggd drückte, hatte aber kaum Durchschlagskraft. Nur fünf Torschüsse standen am Ende 22 Abschlüssen der Gäste gegenüber. In der 60. Minute machte Dragutinovic dann kurzen Prozess: Nach einem eleganten Pass von Fabrizio Frascineto, der mit seinen 35 Jahren immer noch den Ball streichelt wie ein Kunstwerk, netzte der Stürmer zum 1:3 ein. "Ich hatte kurz überlegt, ob ich querlege", sagte Dragutinovic später. "Aber dann fiel mir ein: Ich bin Stürmer, kein Philosoph." Nur eine Minute später legte Leopold Moravcik nach, wieder auf Vorlage von Frascineto - 1:4. Fjardabyggds Torwart Ulf Bengtsson sah aus, als wolle er sich in seine Handschuhe verkriechen. Die letzten 30 Minuten wurden zur Kür für Valur - und zur Geduldsprobe für die Heimfans. Ein bisschen Dramatik gab es trotzdem: In der 75. Minute sah Fjardabyggds Innenverteidiger Jewgraf Schitnik Gelb, vermutlich aus Frust über die laufende Demontage. Wenig später wurde Max MacKintosh nach Gelb-Rot vom Platz gestellt. "Ich wollte nur freundlich fragen, ob der Schiedsrichter seine Brille vergessen hat", verteidigte er sich hinterher - mit einem Grinsen, das nicht ganz unschuldig wirkte. Selbst in Unterzahl blieb Valur tonangebend, was auch an der robusten Zweikampfführung lag: 56,5 Prozent gewonnene Duelle sprechen eine deutliche Sprache. Kurz vor Schluss gab’s noch eine Verwarnung für Lucas More, der offenbar fand, dass der Schiedsrichter zu wenig zu tun hatte. Trainer Bazin nahm’s gelassen: "Ein bisschen Chaos gehört zu einem guten Fußballabend. Sonst wäre es ja Schach." Als der Schlusspfiff ertönte, war der Jubel der 300 mitgereisten Fans aus Reykjavik lauter als das resignierte Pfeifen der Heimkurve. Valur gewinnt 4:1, effektiv, eiskalt, routiniert. Fjardabyggd mag mehr Ballbesitz gehabt haben, aber Fußball wird bekanntlich nicht in Prozent entschieden. Gunnar Hanson, der Torschütze der Ehre, stand nach dem Spiel mit roten Wangen vor den Kameras: "Ich hab einfach draufgehalten. Vielleicht mach ich das jetzt öfter." Sein Trainer nickte, halb stolz, halb resigniert. Und so ging ein frostiger Abend in Fjardabyggd zu Ende - mit warmen Herzen bei den Gästen und kalten Füßen bei den Hausherren. Man könnte sagen: Valur Reykjavik spielte Fußball, Fjardabyggd spielte mit - und am Ende gewann die bessere Idee. Oder, um es mit Dragutinovic zu sagen: "Manchmal ist Fußball einfach. Du triffst - oder du frierst." 13.04.643990 16:30 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund