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Wer um 20.30 Uhr pünktlich einschaltete, musste zweimal hinschauen: Noch ehe Sevilla richtig den Rasen begrüßt hatte, zappelte der Ball schon im Netz - 1:0 für Valencia nach gerade einmal vier Minuten. Martin Dobias, der Linksaußen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, traf nach Vorarbeit von Albert Ferron. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Ferron hinterher, "aber Martin meinte, er habe gerochen, dass der Ball zu ihm kommt." Der SC Sevilla roch in diesem Moment nur verbrannten Gummi - so schnell war Valencia unterwegs. Trainer Hugo "Der Geist" wirkte an der Seitenlinie schon früh so blass wie sein Name. Nach 26 Minuten wurde es noch düsterer: Christiano Pinto, Valencias quirliger Rechtsaußen, setzte nach Pass von Rutger Haswell zum Tänzchen an, ließ Sevillas Abwehrreihe wie auf einer Eisbahn ausrutschen und schob zum 2:0 ein. "Wenn meine Verteidiger noch weiter zurückweichen, müssen sie bald Eintritt zahlen", brummte Hugo später mit bitterem Sarkasmus. Dabei war Sevilla gar nicht so schlecht in den Statistiken: Mehr Ballbesitz (53 Prozent), mehr Pässe im Mittelfeld, ja sogar ein Hauch von Kontrolle. Nur - was nützt Kontrolle, wenn vorne keiner trifft? Vier Torschüsse standen 17 von Valencia gegenüber, und das erzählt eigentlich schon die ganze Geschichte des Abends. Im zweiten Durchgang schien Sevilla kurzzeitig aufzuwachen. Zwischen der 55. und 65. Minute wagte man sich tatsächlich über die Mittellinie, was die 24.691 Zuschauer mit fast euphorischem Applaus quittierten - man nimmt, was man kriegt. Doch dann kam wieder Dobias. In der 65. Minute schnappte er sich den Ball, tanzte durch die Abwehr und nagelte das Leder zum 3:0 in die Maschen. Das Stadion seufzte kollektiv, als hätte jemand die Luft rausgelassen. "Das war ein Moment, in dem du einfach weißt: Heute läuft’s", sagte Dobias nach dem Spiel, während er seinen zweiten Spielball des Abends signierte. "Ich mag es, früh zu treffen - dann kann man später entspannter spielen." Und Valencia spielte entspannt, beinahe überheblich, ließ den Ball laufen, als wären sie auf einem Trainingsplatz. Immerhin, eine kleine Geschichte gönnte der Fußballgott den Andalusiern noch: In der 68. Minute kombinierte sich Xabier Rodriguez durchs Mittelfeld, steckte perfekt durch auf Ivan Almeida - und der junge Stürmer traf zum 1:3. Jubel, Erleichterung, und für einen Moment glaubte man an ein kleines Wunder. Almeida riss die Arme hoch, drehte sich zur Bank, und selbst Hugo Der Geist lächelte - kurz. "Xabier hatte vorher schon Gelb, aber den Pass hat er mit Engelsfüßen gespielt", lobte er später, "vielleicht sollte er öfter zaubern, statt grätschen." Kurz danach musste Sevilla allerdings wechseln: Oscar Goncalves verletzte sich in der 76. Minute, humpelte vom Platz, während der junge Petr Penicka, eigentlich Innenverteidiger, als Notstürmer einsprang. "Ich wusste gar nicht, wohin ich laufen soll", gestand Penicka lachend, "also bin ich einfach dahin, wo der Ball nie war." Valencia-Coach Sascha Schmidt sah das Ganze mit trockenem Humor: "Wir wollten offensiv spielen - und das haben die Jungs wörtlich genommen. Ich musste sie eher bremsen." Seine Mannschaft blieb bis zum Schluss gefährlich, selbst in der Nachspielzeit prüfte Innenverteidiger Vitor Manu den Sevillaner Keeper Marcus Baer mit einem wuchtigen Kopfball. Die Gelben Karten passten ins Bild: zwei für Sevilla (Rodriguez, Prieto), eine für Valencia (Wolff). Aggressiv war’s nicht, eher einseitig. Valencia spielte wie eine Maschine, Sevilla wie jemand, der den Bedienungsanweisungen noch hinterherrennt. Nach Abpfiff verließen die Fans den Ramon-Sanchez-Pizjuan mit gemischten Gefühlen. Manche pfiffen, andere klatschten, einige murmelten, "wenigstens kein 0:5". Auf der Pressekonferenz fasste Hugo Der Geist das Elend mit einem Seufzer zusammen: "Manchmal ist Fußball wie ein Geisterhaus - du gehst rein, und alles, was du siehst, sind Schatten." Ob er damit das Spiel meinte oder seine Mannschaft, blieb offen. Valencia dagegen lachte sich in die Nacht hinein, drei Punkte im Gepäck, Platz fünf im Visier. "Das war kein Hexenwerk", meinte doppelte Torschütze Dobias augenzwinkernd, "nur ehrliche Arbeit - und ein bisschen spanischer Sonnenuntergang im Blut." Ein Abend, an dem Sevilla zu spät kam und Valencia früh fertig war. Und irgendwo im Tunnel flüsterte jemand: "Vielleicht hilft beim nächsten Mal Weihwasser." 26.05.643987 10:45 |
Sprücheklopfer
Ich freue mich, meine ehemaligen Spieler später irgendwo auf der Welt wiederzutreffen. Oder in der Schweiz.
Köbi Kuhn, Nationaltrainer Schweiz