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Ein lauer Winterabend, 28. Januar 2026, 20:30 Uhr. 28.965 Zuschauer im Mestalla-Stadion wissen noch nicht, dass sie Zeugen eines Spiels werden, das irgendwo zwischen taktischer Feinkost, Slapstick und purem Willen schwanken wird. Valencia CF besiegt den SC Barcelona mit 2:1 - und das mit einer Mischung aus Leidenschaft und leichtem Wahnsinn. Schon die erste Hälfte war ein Geduldsspiel. Valencia, von Trainer Sascha Schmidt offensiv eingestellt, suchte den Weg über die Flügel, doch immer wieder landete der Ball dort, wo er nicht hin sollte: im Fangnetz, bei einem Ordner oder beim Maskottchen. "Ich dachte, wir hätten heute ein Rugby-Spiel", grinste Schmidt später, "so oft, wie wir den Ball hoch reingeschlagen haben." Barcelona-Coach Thomas Göstl, die Hände tief in der Manteltasche, sah seine Mannschaft zwar engagiert, aber nicht zwingend. 49,7 Prozent Ballbesitz, 9 Torschüsse, aber kaum Gefahr. "Wir haben uns den Ball schön angeschaut", seufzte er trocken. "Vielleicht sollten wir Eintritt zahlen." Dann kam die Pause - und offenbar auch der Espresso. 46. Minute: Esteban Ibano mit einem Traumpass in die Tiefe, Rutger Haswell startet, bleibt cool und schiebt am verdutzten Vicente Rielo vorbei - 1:0 für Valencia. Der Jubel? Eine Mischung aus Explosion und Erleichterung. Haswell brüllte seine Freude in die Nacht, während Schmidt an der Seitenlinie so tat, als hätte er das alles geplant. "Ich hatte das Gefühl, heute ist was drin", sagte Haswell später. "Vor allem, nachdem ich endlich mal den Ball getroffen habe." Doch kaum hatte das Stadion wieder Luft geholt, schlug Barcelona zurück. 54. Minute: Daniel Vogel legt quer, Pau Butragueno zieht trocken ab - Tor. 1:1. Die Gäste jubeln, Valencia schaut sich ungläubig an. Und irgendwo auf der Trainerbank fliegt eine Wasserflasche. "Da haben wir kurz wie Touristen verteidigt", knurrte Schmidt. Die Partie wurde ruppiger, Francisco Rodrigo kassierte Gelb - und hätte sich nicht beschweren dürfen, wenn’s dunkler geworden wäre. Aber das Spiel lebte nun von seinem Chaos. Dann kam George Leech, Valencias 31-jähriger Dauerläufer mit dem Charme eines englischen Pub-Haudegens. 63. Minute: Bojan Denic tankt sich über links durch, flankt halbhoch, halb Zufall - Leech hält den Schlappen hin. Drin! 2:1. Mestalla tobt. Nach dem Treffer wurde es ein Kampf. Valencia verteidigte mit allem, was zwei Beine hat - manchmal auch mit dreien, wenn man die Einwürfe mitzählt. Barcelona drückte, versuchte es aus allen Lagen, aber Valencias Keeper Francisco Pelegrin hatte einen Abend, an dem er alles fing, was nicht niet- und nagelfest war. "In der 70. dachte ich, mein Herz springt aus dem Trikot", erzählte Leech hinterher lachend. "Aber dann sah ich den Blick von Schmidt, und ich wusste: Wenn wir das verlieren, laufen wir morgen." Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: Valencia 14 Torschüsse, Barcelona 9. Ballbesitz? Praktisch ausgeglichen. Nur eines war klar: Die Hausherren hatten mehr Biss. Der letzte Wechsel - Arno Baus raus, François Wolff rein (45.) - war zwar keine Schlagzeile wert, brachte aber Stabilität auf der linken Seite. "François hat hinten zugemacht wie ein Schlosser", lobte Schmidt. In den Schlussminuten drängte Barcelona. Marc Etxeita scheiterte in der 94. Minute mit einem Schuss aus der Drehung - und Göstl schlug die Hände vors Gesicht. "Wir haben es versucht, aber Valencia war heute einfach ein bisschen verrückter", sagte er. "Und manchmal gewinnt eben der, der mehr Koffein im Blut hat." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Schmidt seinem Co-Trainer um den Hals, während Haswell und Leech sich umarmten wie zwei Veteranen, die gerade den letzten Kampf gewonnen hatten. Das Mestalla bebte, und irgendwo auf der Tribüne summte ein Fan eine Melodie, die man nur in Valencia versteht. Ein verdienter Sieg also, wenn auch kein makelloser. Valencia zeigte Herz, Barcelona zeigte Technik - und am Ende gewann das Herz mit zwei Toren Vorsprung im Mut. Zum Abschied grinste Schmidt in die Kameras: "Taktik ist schön, aber manchmal reicht’s, wenn du einfach läufst, schreist und triffst." Und genau das tat Valencia an diesem Abend - mit Stil, Schweiß und einer Prise Wahnsinn. 27.11.643987 14:10 |
Sprücheklopfer
Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund