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Die Sonne über Miami brannte noch, als am Mittwochabend im Strikers Stadium das Flutlicht anging. 40.000 Zuschauer, Palmen im Wind, und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten: Die Miami Strikers empfingen die Los Angeles Goats zum 20. Spieltag der 1. Liga USA. Am Ende stand ein 1:1 - ein Ergebnis, das so sehr nach "gerecht, aber unbefriedigend" schmeckte, wie lauwarmer Stadionkaffee. Die Strikers begannen, wie man es von einer Mannschaft erwartet, deren Trainer Patrick Kontsch vor dem Spiel angekündigt hatte, "heute lieber zu früh als zu spät zu treffen". Und tatsächlich: Schon in der 16. Minute zappelte der Ball im Netz der Gäste. David Mitzna, der rechte Flügelstürmer mit dem Antritt eines Geparden, vollendete nach feiner Vorarbeit von Mateo Xavier zum 1:0. Das Stadion tobte, und Mitzna riss die Arme hoch, als wolle er die gesamte Skyline von Miami umarmen. Doch wer dachte, die Goats würden sich einschüchtern lassen, irrte. Nur eine Minute später - kaum war der Stadionsprecher mit der Tordurchsage fertig - glich Jacob Lockhart für die Kalifornier aus. Frederik Holst hatte mit einem butterweichen Pass von der rechten Seite vorbereitet, Lockhart zog trocken ab. "Da hat unsere Abwehr kurz Siesta gemacht", knurrte Strikers-Coach Kontsch später. Danach entwickelte sich ein Spiel, das man wohlwollend als "intensiv" beschreiben konnte. Zehn Torschüsse für Miami, sieben für L.A. - und jede Menge Emotionen. Schon in der siebten Minute hatte Adam Edwards von den Strikers Gelb gesehen, weil er etwas zu leidenschaftlich in einen Zweikampf rauschte. "Ich hab den Ball gespielt", verteidigte er sich hinterher mit einem Grinsen, "der Ball war halt am Fuß des Gegners." Die Goats gingen robust zu Werke, manchmal ein bisschen zu sehr. In der 48. Minute sah Linksverteidiger Kai Nilsen Gelb, und weil er offenbar vergessen hatte, dass man nach einer Verwarnung vorsichtiger auftreten sollte, folgte in der 61. Minute die Gelb-Rote Karte. "Ich wollte nur den Ball klären", sagte Nilsen. Trainer Liam Capo hob daneben die Augenbraue und murmelte: "Vielleicht meinte er den Ballon über dem Stadion." Mit einem Mann mehr hätten die Strikers eigentlich das Spiel an sich reißen müssen. Ihr Ballbesitz lag mit 47 Prozent zwar leicht unter dem der Gäste, aber sie hatten mehr Zug zum Tor - Mitzna schoss allein viermal gefährlich. Doch dann kam die 81. Minute, und das Drehbuch schrieb eine bittere Pointe: Mateo Xavier, eben noch als Vorlagengeber gefeiert, sah glatt Rot nach einem rustikalen Einsteigen im Mittelfeld. "Ich wollte das Spiel beleben", erklärte er später zerknirscht. "Das ist mir wohl gelungen." Von da an war’s ein wildes Hin und Her. Beide Teams mit offenem Visier, Miami trotz Unterzahl mutig. In der Nachspielzeit hatte Christo Stoitschkow noch die große Chance zum Sieg, aber Goats-Keeper Charles Willoughby fischte den Ball aus dem Winkel wie ein erfahrener Delfin. "Das war Werbung für den Fußball - na ja, zumindest für den, der Gelb und Rot mag", witzelte ein Zuschauer auf der Tribüne. Tatsächlich war es ein Spiel voller kleiner Dramen: zwei Tore binnen 60 Sekunden, zwei Platzverweise, 17 Torschüsse und jede Menge Adrenalin. Nach dem Schlusspfiff umarmten sich Mitzna und Lockhart kurz - die beiden Torschützen des Abends. "So ist Fußball", sagte Lockhart, "mal trifft man, mal fliegt man fast vom Platz." Trainer Capo sprach von einem "hart erkämpften Punkt in der Hitze Miamis", während sein Kollege Kontsch trocken bilanzierte: "Wenn wir unsere Chancen besser nutzen, reden wir heute über drei Punkte statt über Fairplay." Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Resultat, das keiner Mannschaft wirklich half, aber beiden das Gefühl gab, alles gegeben zu haben. Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions auf den Punkt brachte: "Schönes Spiel! Und ich hab immerhin keinen Sonnenbrand bekommen." Vielleicht ist das ja das wahre Zeichen eines gelungenen Fußballabends in Miami. 17.09.643987 13:21 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon