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Ein kühler Januarabend, Flutlicht, rund viertausendsiebenhundert frierende, aber treue Zuschauer im Stadion von Rodengo Saiano - und ein 18-jähriger, der sich mit einem beherzten Schuss in die Herzen der Heimfans ballert: Gaetano Uffugo heißt der junge Mann, der am 26. Spieltag der 3. Liga Italien (1. Div) den Unterschied machte. Sein Treffer in der 14. Minute bescherte Rodengo Saiano ein 1:0 gegen Cosenza, das knapper klingt, als es tatsächlich war. Trainer Jan Beyer, sonst eher der nüchterne Typ an der Seitenlinie, grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Lotto-Gewinner. "Die Jungs haben heute nicht nur Fußball gespielt, sie haben gearbeitet, gelitten und sich belohnt", sagte er und klopfte Uffugo auf die Schulter. Der Jungspund wiederum wirkte selbst noch etwas ungläubig: "Ich hab einfach draufgehalten. Domenico hat mir den Ball perfekt in den Lauf gespielt - ich dachte, warum nicht? Und dann war er drin." Tatsächlich war das frühe Tor das logische Ergebnis einer mutigen Anfangsphase der Hausherren. Schon in der sechsten Minute prüfte Domenico Roggiano den Cosenza-Keeper Ronald Henning mit einem satten Schuss, und kurz darauf schepperte es eben. Uffugo nahm die Vorlage Roggianos auf, zog von rechts in die Mitte und versenkte den Ball trocken ins lange Eck - ein Treffer, wie man ihn sonst eher in der Serie A sieht. Cosenza wirkte danach wie ein Boxer, der in der ersten Runde einen überraschenden Haken kassiert hat. Zwar versuchte Ari Pasanen mit einem frühen Distanzschuss (4.) und Henri Schreiber (9.) gegenzuhalten, doch die Gäste blieben insgesamt harmlos. Vier magere Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto - bei 19 Abschlüssen von Rodengo Saiano. Das Wort "Einbahnstraßenfußball" kam einem da durchaus in den Sinn. Im Mittelfeld zogen Lorenzo Cerva und der umtriebige Roggiano die Fäden, während Alessandro Vegliaturo über die linke Seite ständig Gefahr ausstrahlte. "Wir wollten offensiv bleiben, egal was kommt", erklärte Beyer nach dem Spiel. Das war nicht zu übersehen: Seine Mannschaft stand hoch, presste in der Schlussphase sogar noch aktiver, als die Beine eigentlich hätten müde sein müssen. Der Pressingwert "YES" in der 90. Minute ließ sich also auch auf dem Rasen ablesen - Cosenza bekam kaum noch Luft zum Atmen. Trainer Beyers Gegenüber schüttelte dagegen nur den Kopf. "Wir wollten eigentlich selbst offensiv spielen", sagte Cosenza-Coach - nennen wir ihn der Einfachheit halber Mister X, da sein Name in den Unterlagen fehlte - und fügte mit einem bitteren Lächeln hinzu: "Aber wenn du keinen Ball hast, ist das schwierig." Tatsächlich hatte Rodengo Saiano mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber die entscheidenden Zweikämpfe - ganze 55,8 Prozent gewonnen - und vor allem das deutlich gefährlichere Spiel nach vorn. Die zweite Halbzeit war dann ein Lehrstück in Chancenverwertung - oder besser gesagt: in ihrer Abwesenheit. Vegliaturo, Cerutti, Di Paolo - sie alle durften sich mehrmals versuchen, aber entweder stand Henning im Weg oder die Latte hatte etwas dagegen. In der 63. Minute prüfte sogar Linksverteidiger Montegiordano den Gästetorwart, der damit zum eigentlichen Helden des Abends avancierte - ohne ihn hätte das Ergebnis leicht nach Tennissatz ausgesehen. Cosenza versuchte es nach einer guten Stunde noch einmal, als Joseph Catrall (56.) aus spitzem Winkel schoss, doch Torhüter Luigi Nicola im Kasten Rodengos ließ den Ball sicher abtropfen. Danach fiel den Gästen nicht mehr viel ein. Spätestens nach der Verletzung von Stefano Mignogna (75.), der humpelnd vom Platz musste, war der Spielfluss dahin. "Wir mussten dann einen Innenverteidiger ins Mittelfeld stellen - das sagt alles", murmelte ein sichtlich genervter Cosenza-Spieler nach dem Abpfiff. Während die Gäste auf den Schlusspfiff warteten wie auf den Bus nach Hause, wechselte Beyer noch munter durch: Gasser, Botricello und kurz vor Schluss der blutjunge Fabio Esaro kamen rein - Letzterer durfte in der 89. Minute sogar noch kurz von einem Traumtor träumen, scheiterte aber am Torwart. Und so blieb es beim 1:0 - ein Ergebnis, das in den Statistiken fast deplatziert wirkt. 19:4 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz, mehr Ideen, mehr Mut - Rodengo Saiano war schlicht das bessere Team. "Wir haben gezeigt, dass wir nicht nur Nachwuchs, sondern Zukunft haben", sagte Beyer zum Schluss. Uffugo nickte daneben, leicht errötend. "Mein erstes Profitor - ich glaube, ich schlafe heute mit dem Ball." Einziger Kritikpunkt des Reporters: Es hätte ruhig ein zweites Tor sein dürfen. Aber vielleicht hebt sich Rodengo Saiano die Treffsicherheit ja fürs nächste Wochenende auf. Schließlich will man ja nicht gleich alle Gegner verschrecken. 16.11.643987 00:25 |
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