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Ein kalter Freitagabend in der 3. Liga Italien (1. Div), 20. Spieltag, Flutlicht in Rodengo Saiano, 6.689 Zuschauer, und ein junger Mann, der beschloss, dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken: Gaetano Uffugo, 19 Jahre jung, Rechtsaußen mit jugendlichem Übermut und einem Schuss Selbstbewusstsein, das man sonst nur in Espressoform serviert bekommt. Am Ende hieß es 2:0 für Rodengo Saiano gegen AS Trieste - und das war sogar noch schmeichelhaft für die Gäste. Die Hausherren von Trainer Jan Beyer zeigten von Beginn an, dass sie mehr vorhatten als bloß den Ball zu halten: 18 Torschüsse, 54,6 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die so robust war, dass selbst der Platzwart danach erst einmal durchatmen musste. Trieste kam auf ganze zwei Abschlüsse aufs Tor - und einer davon war so harmlos, dass der Heimtorwart Igor Zunino kurz überlegte, ob er die Hände überhaupt benutzen darf. Schon nach zehn Minuten rollte Angriff auf Angriff auf das Tor der Gäste, die sich mehr und mehr in eine defensive Existenzkrise schossen. Uffugo prüfte Torwart Petrona in Minute 18, um ihn zwei Minuten später ernsthaft zu ärgern: Nach Pass von Emanuele Soverato drosch der 19-Jährige den Ball kompromisslos ins lange Eck. 1:0, verdient, logisch, unvermeidlich. Trieste, vom frühen Rückstand sichtlich irritiert, reagierte - allerdings nicht mit Offensivgeist, sondern mit Gelben Karten. Erst Marcello Cerva nach zwei Minuten (ein Statement-Tackling der rustikalen Sorte), dann Fabrizio Scigliano in der 32. Minute. "Wir wollten eigentlich ruhig bleiben", seufzte Gästetrainer (dessen Name sich die Redaktion trotz Nachfragen nicht notieren konnte) später, "aber Rodengo hat uns einfach keine Luft gelassen. Wir waren immer einen Schritt zu spät - oder zu früh." Kurz nach der Pause dann der endgültige Nackenschlag: Wieder Uffugo, diesmal in der 52. Minute. Keine Vorlage, kein Firlefanz - einfach ein Stürmer, der weiß, wo das Tor steht. 2:0, und das Stadion vibrierte. Trainer Beyer grinste breit: "Ich sag ja immer, wer jung ist und schießt, hat keine Angst. Gaetano hat das heute gezeigt." In der 60. Minute durfte der Doppeltorschütze dann unter tosendem Applaus runter, Antonio Cocco - stolze 33 Jahre alt - übernahm. Eine symbolische Staffelübergabe der Generationen, wie sie der Fußball liebt. Cocco selbst hatte später noch zwei gute Szenen, verpasste aber das dritte Tor knapp. "Ich wollte den Jungs zeigen, dass der Alte es noch kann", grinste er nach dem Spiel, "aber der Ball hatte seine eigene Meinung." Trieste versuchte es nochmal - ein Schuss von Igor Beltrame in Minute 57, mehr war nicht drin. Stattdessen: Verletzungspech. Christian Marzi, der einzige Mittelfeldspieler, der noch halbwegs Ordnung hielt, musste in der 86. Minute verletzt raus. Und weil es nicht reicht, wenn’s einfach schlecht läuft, flog Lewis Beaupre in der 95. Minute mit Rot vom Platz - ein Frustfoul, das man nur als "emotionalen Kurzschluss mit Anlauf" bezeichnen kann. Rodengo Saiano dagegen nahm nach dem 2:0 Tempo raus, spielte die Partie routiniert zu Ende. Die letzten zehn Minuten glichen einem Trainingsspiel, bei dem nur noch die Sonne fehlte. Selbst die Gelbe Karte für Innenverteidiger Federico Di Paolo in der 90. Minute konnte die Stimmung nicht trüben. "Wir haben das Spiel kontrolliert, ohne überheblich zu werden", sagte Trainer Beyer nach Abpfiff, "und das ist für uns fast wichtiger als das Ergebnis." Sein junger Matchwinner Uffugo ergänzte nur breit grinsend: "Ich hab einfach gemacht, was der Coach gesagt hat - draufhalten." Statistisch war das Ganze eine klare Angelegenheit: 18:2 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, deutliche Zweikampfführung. Trieste wirkte überfordert, ideenlos und am Ende auch frustriert. Die Rote Karte war sinnbildlich für eine Mannschaft, die heute keine Mittel fand - weder sportlich noch emotional. Vielleicht lag es auch daran, dass Triestes Taktik über 90 Minuten unverändert "balanciert" blieb - während Rodengo Saiano angriffslustig begann und erst gegen Ende auf "Sicher" schaltete. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne mit verschränkten Armen brummte: "Wenn du 19 bist und zwei Tore machst, darfst du auch mal früh Feierabend machen." Fazit: Rodengo Saiano spielt reif, jung, zielstrebig - AS Trieste dagegen schwimmt irgendwo zwischen Verunsicherung und Verzweiflung. Die 3. Liga hat schon viele Spiele gesehen, aber selten ein so klares ohne Spektakel. Und doch war es genau das: ein Statement, ein Doppelschlag, ein Abend für den Namen Gaetano Uffugo. Oder, um es mit Trainer Beyer zu sagen: "Manchmal braucht’s keinen Zauber - nur einen Jungen, der an sich glaubt." 16.01.643991 10:17 |
Sprücheklopfer
Die italienischen Vereine sagen mir: Von der Ablösesumme für Emerson könnt ihr euch doch zwei Spieler kaufen. Ich antworte denen dann immer: Dann kauft euch die doch selbst.
Rainer Calmund