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Wenn ein Spiel schon nach einer halben Stunde entschieden ist, weiß man: Entweder war der Gegner brillant - oder der andere hat einfach den Bus stehen lassen. Beim 4:0 von Udinese über Como am 16. Spieltag der 1. Liga Italien war es wohl eine Mischung aus beidem. 37.257 Zuschauer im Stadio Friuli sahen ein Heimteam, das wie entfesselt auftrat, und Gäste, die zwar 58 Prozent Ballbesitz hatten, aber so gefährlich wirkten wie ein Regenschirm in der Sahara. Udineses Trainer Emiliano Dicetutto hatte vor der Partie noch gewarnt: "Como spielt gepflegt, aber wir spielen entschlossen." Recht hatte er. Schon in der 19. Minute eröffnete Enrico Acri den Torreigen - nach einer mustergültigen Flanke des Rechtsverteidigers Samuele Grassi. Der 23-jährige Flügelflitzer nahm den Ball volley, und während Como-Keeper Diego Couto noch nach der Sonne suchte, lag das Leder schon im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Acri nach dem Spiel. "Wenn du so triffst, denkst du kurz, du bist in einem Werbespot." Zwei Minuten später hätte er gleich nachlegen können, doch diesmal war Coutos Reflex da. Doch Como wankte, und Udinese roch Blut. In der 36. Minute folgte das 2:0: Rene Poulin setzte sich auf links durch, passte scharf in die Mitte, wo Nicolae Buzanszky mit der Präzision eines Chirurgen einschob. Kaum hatten die Gäste den Schock verdaut, klingelte es wieder. Acri, erneut überragend, tanzte zwei Verteidiger aus, bekam den Ball von Tord Paulsson und zimmerte ihn in die lange Ecke - 38. Minute, 3:0. Man konnte fast Mitleid mit Como haben. "Ich dachte, wir hätten die Kontrolle", murmelte Comos Mittelfeldmann Goran Rakic später in der Mixed Zone. "Aber Kontrolle ohne Torgefahr ist halt nur Statistik." Tatsächlich hatte Como zur Pause mehr Ballbesitz, brachte aber kaum etwas auf den Kasten - sechs Torschüsse insgesamt, die meisten harmlos. Udinese dagegen feuerte 20 Mal auf das Tor, jeder Versuch ein kleines Abenteuer. Nach der Pause verwaltete Udinese das Spiel mit der Lässigkeit eines Teams, das wusste, dass der Abend längst gelaufen war. In der 59. Minute legte Buzanszky noch einen drauf - wieder nach Vorlage von Poulin. 4:0, und der Rest war Schaulaufen. Trainer Dicetutto nahm sich Zeit für die Jugend: In der 63. Minute durfte der 18-jährige Luca Bianchi für Leonardo Iezzi ran - und prompt prüfte der Youngster zweimal den gegnerischen Keeper (70. und 72.). Nach dem Spiel sagte er mit leuchtenden Augen: "Ich hab die Latte getroffen, aber beim nächsten Mal mach ich ihn rein - versprochen!" In der 71. Minute bekam auch Cristian Berlusconi (nein, keine Verwandtschaft, wie er lachend betonte) noch Spielzeit für den ausgepowerten Andras Kohut. Kurz vor Schluss verletzte sich Linksverteidiger Guillermo Gomes leicht, was die Stimmung aber kaum trübte. Während Udinese das Spiel gemächlich austrudeln ließ, versuchte Como wenigstens, den Ehrentreffer zu erzwingen. Rakic (64.), Becker (77. und 80.) und der junge Fuscaldo (92.) probierten es - allesamt vergeblich. Torhüter Luca Lange im Kasten der Gastgeber verlebte einen ruhigen Abend, der ihn wohl kaum den Schweiß kosten wird, den er im Training verliert. "Wir haben heute gezeigt, dass Effektivität wichtiger ist als Ballbesitz", bilanzierte Dicetutto zufrieden. "Wenn du vier Tore aus klaren Chancen machst, ist das kein Zufall." Comos Trainer - der nach Abpfiff gar nicht erst zur Pressekonferenz kam - dürfte dagegen viel zu grübeln haben. Seine Mannschaft spielte zwar engagiert, doch vorne fehlte jede Idee. Selbst die mitgereisten Fans reagierten irgendwann nur noch mit Galgenhumor: "Wir haben wenigstens den Ball gehabt!" Udinese dagegen darf träumen. Mit Acri in Galaform, Buzanszky als eiskaltem Vollstrecker und Poulin als Motor im Mittelfeld scheint das Team gefestigt wie lange nicht. Dicetutto lächelte, als er gefragt wurde, ob das nun der Beginn einer Serie sei: "Serien fangen mit einem Sieg an. Und dieser war ziemlich schön." Am Ende blieb das Gefühl, dass Udinese an diesem Abend alles richtig machte - und Como einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort war. Oder, wie ein Zuschauer schmunzelnd sagte, als die Teams vom Platz gingen: "Wenn Como heute Ballbesitzkönig war, dann war Udinese Torkönig. Und wer am Ende die Krone trägt, sieht man ja auf der Anzeigetafel." 19.11.643990 13:23 |
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer