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Ein lauer Frühlingsabend in Udine, 50.000 Zuschauer, und schon nach zehn Minuten war klar: An diesem 28. Spieltag der Serie A würde kein Freund des gepflegten Nervenkitzels enttäuscht nach Hause gehen. AS Catania begann frech, mutig, ja fast übermütig. Sergi Capucho, der flinke Rechtsaußen, stürmte in der 10. Minute nach einem feinen Pass des 19-jährigen Emiliano Pietrafitta in den Strafraum und schob den Ball kaltschnäuzig an Keeper Luca Lange vorbei. 0:1 - und Catania jubelte, als wäre der Klassenerhalt schon sicher. "Wir dachten, wir kontrollieren das Spiel", gestand Catania-Trainer Albern Albert später. "Aber dann kam dieser Paulsson, und alles war wieder anders." In der 22. Minute meldete sich nämlich der FC Udinese eindrucksvoll zurück. Tord Paulsson, mit seinen 33 Jahren eher der Typ "Weisheit statt Wucht", zirkelte den Ball nach Vorlage von Rechtsverteidiger Jeno Bene aus rund 18 Metern ins rechte Eck. Ein Tor, wie man es noch in Jahrzehnten in den Bars von Udine erzählen wird - zumindest bis der Espresso kalt ist. Von da an entwickelte sich ein Spiel, das weniger durch Taktik als durch Emotionen lebte. Beide Teams suchten den Weg nach vorn, beide hatten ihre Chancen - sieben Torschüsse pro Seite sprechen eine klare Sprache. Catania hatte etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent), Udinese dafür die besseren Nerven. In der 41. Minute folgte die Szene des Abends: Rene Poulin, der linke Mittelfeldmann der Hausherren, stieg nach einem Pass von Guillermo Gomes energisch durch die Mitte und vollendete mit einem satten Schuss ins lange Eck. 2:1 - das Stadion bebte, und Trainer Emiliano Dicetutto brüllte seine Freude so laut über den Platz, dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. "Ich hab’ Rene in der Woche gesagt, er soll endlich mal aufs Tor schießen, statt über Frisuren nachzudenken", grinste Dicetutto nach dem Spiel. "Heute hat’s geklappt - vielleicht sollte ich öfter über seine Haare reden." Die zweite Hälfte begann mit Catania-Druck. Alexander MacDuff prüfte Lange gleich zweimal (46. und 50. Minute), doch der Torwart blieb standhaft - und seine Abwehr, angeführt vom robusten Age Fjortoft, kämpfte mit skandinavischer Gelassenheit. Fjortoft selbst sah später Gelb (82.), vermutlich weil er dem Schiedsrichter zu freundlich erklärte, dass er "doch gar nichts gemacht" habe. Catania kämpfte, biss, und manchmal auch zu sehr: Janos Desire (73.) und Ranko Krstajic (79.) kassierten Gelb, beide nach rustikalen Zweikämpfen, die weniger an italienische Eleganz als an nordenglische Witterung erinnerten. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", meinte Desire und grinste dabei, als hätte er gerade ein Möbelstück zusammengetreten. Udinese wechselte clever: In der 63. Minute kam der 18-jährige Luca Bianchi für den müden Leonardo Iezzi - und brachte frischen Wind. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer mir gesagt hat: rennen, rennen, rennen", sagte Bianchi später. Und tatsächlich, in der 75. Minute zwang er Catania-Keeper Mazza zu einer Glanzparade. Das Publikum feierte jede Grätsche, jede gelungene Abwehraktion. Und als Dicetutto in der 81. Minute den jungen Giorgio Castello brachte, war klar: Der FC Udinese wollte die Zeit runterspielen - mit jugendlicher Energie und italienischer Routine. Catania versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Trainer Albert brachte in der 90. Minute gleich drei frische Offensivkräfte - Marittimo, Salvatore und Corigliano - doch der letzte Biss fehlte. Vielleicht auch, weil der Ball einfach nicht mehr gehorchte. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Dicetutto seinem Assistenten in die Arme. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", meinte er später. Und ehrlich war es wirklich: 7:7 Torschüsse, 2:1 Tore, 3 Gelbe Karten, 50.437 Prozent gewonnene Zweikämpfe - ein Abend der ausgewogenen Extreme. Für Udinese war es ein Sieg der Moral und der Erfahrung, für Catania eine bittere Erinnerung daran, dass Ballbesitz nicht alles ist. "Manchmal gewinnt der, der weniger läuft, aber klüger steht", kommentierte Paulsson mit einem Augenzwinkern. Am Ende blieb das Gefühl, einem klassischen italienischen Fußballabend beigewohnt zu haben: laut, leidenschaftlich, voller kleiner Dramen - und mit einem Ergebnis, das den Gastgeber glücklich schlafen ließ. Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn wir immer so spielen, sterb’ ich glücklich - aber früh." 30.07.643993 09:56 |
Sprücheklopfer
Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei