Tuttosport
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Udinese siegt clever - Como hadert mit der Chancenverwertung

Ein kühler Märzabend am Comer See, 24.918 Zuschauer, Flutlicht, Espresso-Duft - und ein Spiel, das zeigte, dass Fußball manchmal eben kein Ballbesitz-Wettbewerb ist. Der FC Udinese entführte beim 2:1 (1:1) gegen Como drei Punkte, obwohl er weniger vom Ball, aber mehr vom Ziel hatte. Trainer Emiliano Dicetutto grinste später: "Ich mag Statistiken, aber ich liebe Ergebnisse."

Dabei begann alles mit einem Paukenschlag: Bereits in der achten Minute zappelte der Ball hinter Como-Keeper Daniel Brady im Netz. Leonardo Iezzi, der rechte Flügelflitzer der Gäste, stocherte nach feiner Vorarbeit von Andras Kohut den Ball über die Linie. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Iezzi danach lachend, "aber wenn es schön aussieht, sag’ ich einfach: Absicht."

Como, angetrieben von Trainer Maak Delaware an der Seitenlinie ("Mehr Mut, Männer, wir sind nicht beim Schach!"), brauchte eine Weile, um den Rückstand zu verdauen. Doch dann kam der Moment des Yaman Öztürk. In der 33. Minute kombinierte sich Como über links durch, Franck Berthier legte quer - und Öztürk drosch das Leder aus 16 Metern humorlos ins rechte Eck. 1:1, das Stadion tobte, und Delaware riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Gewinn des Eurovision Song Contest verkündet.

Bis zur Pause blieb Como am Drücker, mit 54 Prozent Ballbesitz und acht Abschlüssen insgesamt. Udinese lauerte dagegen auf Konter - und bewies, dass weniger manchmal mehr ist. Zwölf Schüsse, zwei Tore, ein Plan. Nach dem Seitenwechsel kippte das Spiel, als Nicolae Buzanszky in der 61. Minute eiskalt blieb. Wieder war es Kohut, der die Lücke fand, und Buzanszky schob den Ball flach an Brady vorbei. 2:1, und plötzlich herrschte am Seeufer betretenes Schweigen.

"Wir haben’s hergeschenkt", knurrte Como-Verteidiger Agustin Ferreira später. "Zwei Chancen, zwei Tore - das ist nicht Glück, das ist italienische Effizienz." Trainer Delaware sah es ähnlich, aber mit einem Anflug von Ironie: "Vielleicht hätten wir weniger gepasst und öfter einfach draufgehalten. Aber wir sind halt Künstler, keine Maurer."

Udinese musste danach um den Sieg zittern. Nach einer Verletzung von Tord Paulsson (58.) kam Filipe Makukula ins Spiel, und in der Schlussphase verteidigten die Gäste mit allem, was sie hatten - inklusive der Trainerstimme. Dicetutto brüllte sich heiser, dirigierte sein Team wie ein Orchestermusiker mit Wadenkrampf. In der 84. Minute hätte Öztürk fast zum zweiten Mal getroffen, doch Keeper Luca Lange reagierte glänzend. "Ich hab den Ball gesehen und einfach gehofft, dass er mich trifft", gab Lange später zu. Er hatte Glück - und gute Reflexe.

Die Schlussviertelstunde glich einer Dauerbelagerung. Como warf alles nach vorne, selbst Innenverteidiger Mormanno tauchte im gegnerischen Strafraum auf. Ein Kopfball, ein Raunen, ein Abseitspfiff. Die Fans fluchten leidenschaftlich auf Italienisch, Französisch und wahrscheinlich auch Mandarin. Doch Udinese hielt stand - und feierte am Ende einen Sieg, der wohl eher aus Willen als aus Spielkunst geboren war.

Statistisch gesehen hätte Como mehr verdient gehabt: Mehr Ballbesitz, mehr Pässe, mehr Verzweiflung. Aber Fußball wird nun mal nicht nach dem Schönheitspreis entschieden. "Wir haben clever gespielt", meinte Doppeltor-Vorbereiter Kohut trocken. "Manchmal reicht ein gutes Auge - und ein schlechter Rasen."

Für Como bleibt das Gefühl, ein ordentliches Spiel verloren zu haben. Für Udinese dagegen die Bestätigung, dass Effizienz die neue Romantik ist. Und so stiegen die Gäste mit einem zufriedenen Lächeln in den Mannschaftsbus, während aus der Kabine von Como noch ein frustriertes "Das darf nicht wahr sein!" zu hören war.

Vielleicht war’s das perfekte Spiegelbild des italienischen Fußballs: taktisch diszipliniert, emotional chaotisch, und mit einem Ergebnis, das wieder einmal beweist - Schönheit schießt keine Tore, Leonardo Iezzi und Nicolae Buzanszky schon.

Oder, wie Trainer Delaware es beim Verlassen des Stadions formulierte, halb grinsend, halb genervt: "Nächstes Mal üben wir einfach das Toreschießen - oder das Beten."

Und irgendwo über dem See glitzerte das Flutlicht, als wollte es ihm zustimmen.

26.09.643993 06:23
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Ein Denkmal will ich nicht sein, darauf scheißen ja nur die Tauben.
Toni Polster auf die Frage, ob er in Köln schon ein Denkmal sei
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