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Ein lauer Märztag in Udine, Flutlicht, 38.640 Zuschauer, Pasta-Geruch und ein Fußballfest, das man in dieser Form eher auf der Spielkonsole erwartet hätte: Der FC Udinese besiegt den AS Mailand mit 4:3 (3:1) und lässt seine Fans zwischen Euphorie, Zittern und ungläubigem Staunen pendeln. Schon nach zwei Minuten schien sich die Geschichte in die falsche Richtung zu entwickeln. Mailands Routinier Nandor Bukovi - 34 Jahre, aber mit der Spritzigkeit eines Espresso doppio - traf eiskalt nach Vorarbeit von Innenverteidiger Leonardo Catalano. Udines Trainer Emiliano Dicetutto raufte sich die Haare: "Ich hatte gerade die Jacke ausgezogen, da lag der Ball schon bei uns drin." Doch was folgte, war ein Sturmlauf, der in Udine wohl noch lange Thema in den Cafés der Stadt sein wird. Nur sieben Minuten später glich Andras Kohut aus - ein wuchtiger Schuss aus 20 Metern, vorbereitet von Tord Paulsson. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Kohut später, "der Ball wollte halt rein." Zwei Minuten später machte Enrico Acri das 2:1 nach feinem Zuspiel von Rene Poulin, und als Paulsson in der 17. Minute selbst traf, stand es 3:1. Mailand wirkte in dieser Phase, als hätte jemand den Stecker gezogen. Trainer Onerom Jackson brüllte von der Seitenlinie "Pressing!", doch seine Mannschaft hörte wohl "Picknick" - Udinese hatte 55 Prozent Ballbesitz, spielte sich in einen Rausch und feuerte insgesamt 16 Torschüsse ab. Die zweite Halbzeit begann so, wie die erste aufgehört hatte - mit einem Tor. Nicolae Buzanszky erhöhte in der 47. Minute auf 4:1 nach einer butterweichen Flanke von Poulin. Die Mailänder Hintermannschaft sah dabei aus, als würde sie lieber den Sonnenuntergang bewundern. Doch wer dachte, das Spiel sei entschieden, hat wohl noch nie eine italienische Fußballmannschaft mit Stolz gesehen. Nur eine Minute später schlug erneut Bukovi zu. Der Altmeister beförderte den Ball nach Zuspiel von Gordej Polupanow ins Netz - 4:2, ein Lebenszeichen. Und als in der 73. Minute der eingewechselte Noach Dag nach Pass von Daniel Galan das 4:3 erzielte, zitterte das Stadio Friuli plötzlich. "Ich hab die letzten 15 Minuten nur noch gebetet", gab Udines Keeper Luca Lange zu. "Und ich bin nicht mal besonders religiös." Mailand warf alles nach vorne, erspielte sich noch einige Chancen - zehn Torschüsse insgesamt, aber am Ende fehlte die letzte Präzision. Udinese verteidigte mit Herz und Humor, wenn auch nicht immer mit System. "Wir wollten offensiv bleiben", erklärte Trainer Dicetutto, "aber am Ende war’s eher heroisch als taktisch." In der 80. Minute dann der Schock: Mailands Linksverteidiger Niccolo Lorenzo musste verletzt raus, nachdem er unglücklich umknickte. "Ich wollte nur den Ball treffen", murmelte er, während er vom Platz humpelte. Sein Trainer kommentierte trocken: "Immerhin hat er das Bein getroffen - leider das eigene." Auch sonst war Feuer drin: Zwei Gelbe Karten für Mailand (Lorenzo 20., Polupanow 82.) zeugten von wachsender Frustration, während Udinese in den letzten Minuten das Pressing anzog, als wäre es das Finale der Champions League. Der junge Luca Bianchi, gerade einmal 18 Jahre alt, kam in der 62. Minute und hätte beinahe das 5:3 nachgelegt. Sein Schuss in der 93. Minute strich jedoch knapp vorbei - der Teenager schlug die Hände über dem Kopf zusammen, während die Tribüne ihm frenetisch zujubelte. Statistisch gesehen ging der Sieg in Ordnung: 55 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe und die klar bessere Chancenverwertung sprechen für Udinese. Milan kämpfte, aber die Defensive blieb an diesem Abend so löchrig wie ein alter Parmesan. "Das war kein Spiel für schwache Nerven", resümierte Milan-Coach Jackson. "Wir haben das Toreschießen erfunden - leider auch das Gegentoreschießen." Udinese hingegen feierte ausgelassen. Paulsson wurde von Mitspielern in die Luft geworfen, und Buzanszky erklärte mit einem Augenzwinkern: "Ich hatte heute einfach Lust auf ein Tor. Manchmal hilft das." Ein Spiel, das alles bot: frühe Treffer, späte Spannung, Verletzungsdrama und eine Portion Ironie. Fußball, wie ihn die Tifosi lieben - laut, chaotisch, emotional. Und irgendwo in der Kabine von Udinese soll Trainer Dicetutto am Ende gesagt haben: "Wenn wir so weiterspielen, brauchen wir bald alle Herzmedikamente." Man glaubt ihm jedes Wort. 02.06.643993 12:33 |
Sprücheklopfer
Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
Felix Magath