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Ein lauer Abend in Udine, 40.112 Zuschauer, Flutlicht, Pasta-Geruch in der Luft - und ein FC Udinese, der zeigte, dass Offensivfußball in Italien nicht ausgestorben ist. Mit einem souveränen 3:1-Erfolg über den AS Foggia sicherte sich das Team von Emiliano Dicetutto am 19. Spieltag der Serie A einen verdienten Heimsieg - und das trotz kleiner Dramen zwischen gelben Karten, Verletzungen und jugendlicher Unbekümmertheit. Udinese startete druckvoll, fast übermotiviert. Bereits in der ersten Minute prüfte Nicolae Buzanszky den Foggia-Keeper Lukas Fort mit einem satten Schuss - und der musste gleich zeigen, warum er Torwart und nicht Tourist ist. Die Statistik sprach früh Bände: 16 Abschlüsse Udinese, nur 8 von Foggia. Doch trotz Überlegenheit dauerte es bis zur 45. Minute, ehe endlich Zählbares heraussprang. Enrico Acri, 23 Jahre jung, flink wie ein Espresso doppio, verwertete eine butterweiche Flanke von Rene Poulin zum 1:0. "Ich dachte erst, ich sei im Abseits", lachte Acri nach der Partie. "Aber dann hab ich gesehen, dass der Verteidiger noch an der Bar stand." Trainer Dicetutto kommentierte trocken: "Enrico hat endlich verstanden, dass man Tore nicht nur auf Instagram schießen kann." Kurz vor der Pause wurde es hektisch: Innenverteidiger Bailey Munro verletzte sich nach einem Zweikampf unglücklich am Knöchel. Der Schotte humpelte vom Feld, fluchend in einer Mischung aus Englisch und Italienisch, die selbst Dante nicht verstanden hätte. Für ihn kam Lionel Couto - und der machte seine Sache solide, wenn auch ohne Glanz. Nach der Pause kam Foggia besser ins Spiel. Giovanni Mirabella hatte offenbar in der Kabine ein Donnerwetter losgelassen, das bis in die Alpen hallte. Und tatsächlich: In der 62. Minute belohnten sich die Gäste. Tommaso Sartori, quirliger Linksaußen, brachte Foggia nach feinem Zuspiel von Gojko Stepanov wieder ins Spiel - 1:1, und plötzlich roch es kurz nach Sensation. "Wir wollten Udinese zeigen, dass wir auch Fußball spielen können", sagte Sartori später, "leider nur für etwa zehn Minuten." Denn Udinese antwortete prompt und beinahe beleidigt. In der 72. Minute zirkelte Samuele Grassi eine Flanke in den Strafraum, wo Buzanszky per Kopf zum 2:1 einnickte. Fort streckte sich vergeblich, der Ball küsste die Latte und landete im Netz - ein Tor, das die Tribünen zum Kochen brachte. "Buzanszky ist wie ein alter Diesel - am Anfang braucht er, aber wenn er läuft, dann läuft er", grinste Dicetutto nach dem Spiel. Foggia suchte danach verzweifelt den Ausgleich, blieb aber zahnlos. Die langen Bälle verpufften, die Konter versandeten, und die Defensive wackelte plötzlich wie ein italienischer Gelato bei 30 Grad. In der 87. Minute machte Udinese endgültig den Deckel drauf: Der eingewechselte Filipe Makukula traf nach Vorlage von Acri zum 3:1. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und für Makukula, der erst in der 78. Minute eingewechselt wurde, die perfekte Gelegenheit, sich beim Trainer zu empfehlen. "Ich hatte noch Sonnencreme auf der Bank drauf, da musste ich schon jubeln", witzelte der 33-Jährige nach Spielende. Foggia, das mit einer eher defensiven Ausrichtung und Konterspiel angetreten war, konnte die Balance nie richtig finden. 49 Prozent Ballbesitz klangen ordentlich, fühlten sich aber wie 30 an. "Wir haben lange Bälle gespielt, aber leider keine langen Gesichter bei Udinese gesehen", bemühte sich Mirabella um Galgenhumor. Einziger kleiner Wermutstropfen für Udinese: Leonardo Iezzi sah in der 36. Minute Gelb, nachdem er den gegnerischen Rechtsverteidiger so rustikal stoppte, dass man kurz dachte, er wolle ihn umarmen. "Alles fair", meinte Iezzi später. "Ich habe nur seine Trikotgröße wissen wollen." Am Ende jubelte Udine verdient: 3:1, 16:8 Torschüsse, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die den Spielverlauf treffend spiegeln. Und während die Fans noch sangen und winkten, zog Trainer Dicetutto sein Fazit: "Ich bin zufrieden. Wir haben gespielt, gelitten, gelacht - und gewonnen. Mehr Italien geht nicht." Und so verließ Foggia das Stadio Friuli mit hängenden Köpfen, Udinese mit breiten Schultern - und der Rest der Liga weiß nun: Wer in Udine Punkte holen will, braucht mehr als Espresso und gute Absichten. Oder, wie es der Stadionsprecher beim Abpfiff formulierte: "Udinese - offensiv, effektiv, einfach espresso-stark." 04.01.643991 20:24 |
Sprücheklopfer
Ottmar Hitzfeld ist noch nie auf die Tribüne verbannt worden, ich auch nicht. Aber bei mir wird es sicher nicht mehr lange dauern.
Matthias Sammer