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Ein lauer Frühlingsabend in Udine, 42.144 Zuschauer im Stadio Friuli - und ein Spiel, das zunächst nach süditalienischem Triumph roch, am Ende aber zum norditalienischen Fest wurde. Der FC Udinese besiegte den AC Neapel mit 4:2 (1:2) und drehte eine Partie, die zur Halbzeit schon verloren schien. Es war ein Spiel, das die Dramaturgie eines Italo-Westerns hatte: Zwei Teams, beide offensiv, beide mit blank gezogenen Revolvern - und einer, der am Ende einfach die ruhigere Hand behielt. Neapel begann stark, fast unverschämt selbstbewusst. Schon nach sieben Minuten prüfte James Carnegie den Udinese-Keeper Luca Lange, der sich mit einer artistischen Parade auszeichnete. In der 10. Minute gab’s die erste Verwarnung: Cesar Alves sah Gelb, nachdem er Andras Kohut gefühlt bis in die Getränkeschlange der Gegengerade verfolgt hatte. In der 31. Minute platzte der Knoten: Berndt Marx, eigentlich Linksverteidiger und sonst eher fürs Grätschen zuständig, tauchte plötzlich im Strafraum auf und drückte eine Vorlage von Carnegie über die Linie - 0:1. Drei Minuten später antwortete Udinese: Mattia Tomasi verwandelte nach klugem Pass von Kohut zum 1:1. Das Stadion vibrierte, aber die Freude hielt nicht lange. Nur fünf Minuten später traf Isaac More, nach feiner Vorarbeit von Hamza Avci, für Neapel zum 1:2. Ein Treffer, bei dem Lange noch die Hand dran hatte, aber der Ball dennoch über die Linie trudelte. "Da war ich wohl im falschen Film", grinste der Keeper später selbstironisch. Die Pause kam rechtzeitig für Udinese, das sich in der Kabine offenbar an die eigene DNA erinnerte. Trainer Emiliano Dicetutto, später mit heiserer Stimme auf der Pressekonferenz: "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens schön. Und dann wollten sie plötzlich gar nicht mehr verlieren." Die Wende begann in der 54. Minute, allerdings auf der anderen Seite. Joao Varela, Neapels rechter Mittelfeldspieler, holte sich erst Gelb in der 17., dann Gelb-Rot in der 54. - und damit begann der Untergang der Gäste. Trainer Header Maxov schüttelte wütend den Kopf: "Er hat wohl gedacht, wir führen 5:0 und er dürfe sich schonen." Mit einem Mann mehr drehte Udinese auf. In der 62. Minute kam der 19-jährige Luca Bianchi für Leonardo Iezzi - ein Wechsel, der frischen Wind brachte. Acht Minuten später zirkelte Rolando Pugliese den Ball in den Strafraum, Kohut nahm ihn mit der Brust an und schob überlegt ein: 2:2. Der 34-jährige Ungar, der aussieht, als könne er auch einen Lehrstuhl für Spielintelligenz innehaben, drehte sich gemächlich zum Jubel um, als wolle er sagen: "Na endlich." Und Udinese roch Blut. Nur drei Minuten später, in der 73. Minute, war es Antonio Bosingwa, der nach feinem Zuspiel - natürlich von Kohut - das 3:2 markierte. Neapel taumelte, die Defensive löste sich auf wie Espresso-Zucker im Regen. Trainer Maxov reagierte spät, aber falsch: Statt die Abwehr zu stabilisieren, wechselte er in der 90. Minute den Torhüter. Hugo Assis kam für Francesco Piras - ein Wechsel, der in die Geschichtsbücher eingehen wird, weil er unmittelbar vor dem Schlusspunkt stattfand. In der 89. Minute hatte nämlich wieder Andras Kohut den Ball am Fuß. Nach einer Ecke von Lionel Couto fasste er sich ein Herz und drosch den Ball aus 18 Metern unter die Latte - 4:2. Das Stadion tobte, und Emiliano Dicetutto rannte die Linie entlang wie ein Mann, der gerade einen Lottozettel mit sechs Richtigen entdeckt hat. Neapel, das bis dahin fast gleichauf in den Statistiken lag (7 Torschüsse, 49,9 Prozent Ballbesitz), wirkte plötzlich wie ein Team, das die Gebrauchsanweisung verloren hatte. "Wir haben gut begonnen, aber dann aufgehört, Fußball zu spielen", knurrte Maxov nach dem Spiel. Kohut hingegen wurde gefeiert wie ein Volksheld. "Ich hab mich einfach frei gefühlt", sagte er mit einem Grinsen. "Vielleicht lag’s am Espresso vor dem Spiel. Oder daran, dass sie mich in der ersten Halbzeit zu oft getroffen haben." Udinese gewann am Ende mit 4:2 - verdient, weil effektiv, weil leidenschaftlich, und weil sie in Halbzeit zwei schlicht mehr Lust auf Fußball hatten. 50 Prozent Ballbesitz, 9 Schüsse aufs Tor - eine Bilanz, die nüchtern klingt, aber auf dem Rasen nach Feuerwerk aussah. Zum Schluss blieb nur noch Emiliano Dicetuttos trockener Kommentar: "Manchmal brauchst du keine Taktik, nur einen Kohut." Und die Fans? Die sangen noch lange, als die Flutlichter längst aus waren. Vielleicht, weil man in Udine weiß: Solche Abende kommen nicht oft - aber wenn, dann lohnen sie sich für jede heisere Stimme am nächsten Morgen. 31.01.643994 12:50 |
Sprücheklopfer
Ja, erst Eckball und dann Tor.
Oliver Kahn auf die Frage: 'Herr Kahn, wie haben Sie die Situation gesehen, als jemand, der unmittelbar dabei war?' zu Manchesters 2:1 im CL-Finale