Tuttosport
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Udine sieht blau: Neapel dreht 0:2 in ein 3:2 - dank Charitonow-Show

Ein frostiger Februarabend in Udine, 44 836 Zuschauer, Flutlicht, Spannung, Pizza-Geruch in der Luft - und am Ende ein Spiel, das sich anfühlte wie ein Drama in drei Akten. FC Udinese führte zur Pause 2:0, spielte wie erlöst, und dann kam Wladimir Charitonow. Drei Tore, ein Gesichtsausdruck zwischen "Hab’s doch gesagt" und "Wirklich, ich?". AC Neapel gewann 3:2 und nahm drei Punkte mit, die zur Halbzeit so weit weg waren wie der Vesuv von den Alpen.

In den ersten 45 Minuten lief alles nach Plan für Emiliano Dicetuttos Mannschaft. Schon in der 10. Minute ließ Enrico Acri das Publikum jubeln. Nach einem zentimetergenauen Zuspiel von Linksverteidiger Guillermo Gomes drosch er den Ball humorlos ins lange Eck - eine Mischung aus Wucht und jugendlichem Übermut, die Torhüter Francesco Piras chancenlos ließ. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Acri später, "aber der Ball war anderer Meinung."

Zehn Minuten danach folgte das 2:0: Nicolae Buzanszky vollendete nach Vorarbeit von Tord Paulsson, der elegant von rechts hereingab. Udine spielte plötzlich wie berauscht, 48 Prozent Ballbesitz hin oder her. Die Gäste aus Neapel wirkten konsterniert, Trainer Header Maxov stapfte in der Coaching-Zone auf und ab, als suche er den Notausgang. "Ich habe den Jungs gesagt: Wir sind Italiener, wir machen das langsam. Leider haben sie mich zu wörtlich genommen", knurrte er später mit einem Lächeln.

Zur Pause schien alles entschieden. Udine kombinierte ruhig, die Fans sangen bereits Loblieder, und im Presseraum roch der Espresso nach Heimsieg. Doch kaum hatte Schiedsrichter Mancini zur zweiten Halbzeit gepfiffen, drehte sich die Welt. In der 47. Minute setzte sich Linksaußen Ami Itzhaki durch, legte quer - Charitonow, Schuss, Tor. 2:1. Ein Raunen im Stadion, ein Aufbäumen der Gäste.

Nur sechs Minuten später dasselbe Bild: diesmal Vorlage von Joao Varela, wieder Charitonow, wieder Tor. 2:2. Udines Verteidiger sahen sich an, als hätte jemand das Drehbuch vertauscht. Trainer Dicetutto schrie über den Platz: "Bleibt wach!", aber der Wind hatte sich längst gedreht.

In der 61. Minute holte sich Neapels Rechtsverteidiger Michael Poggi Gelb, offenbar um zu zeigen, dass er auch noch da war. Zwei Minuten später wurde er von Hamza Avci ersetzt - eine Maßnahme, die sich als Glücksgriff erweisen sollte, denn Avci brachte frischen Schwung in die rechte Seite.

Dann Minute 66: Wieder Itzhaki, wieder Charitonow - und diesmal ließ der Russe den Ball mit einem Außenrist-Schlenzer ins rechte Eck segeln. 2:3. Ein Hattrick binnen 19 Minuten. "Das war kein Plan", grinste Charitonow nach dem Spiel, "das war einfach der Ball, der mich mochte."

Udinese rannte an, brachte den 18-jährigen Luca Bianchi, später auch Filipe Makukula - aber nichts wollte mehr gelingen. Ein letzter Versuch von Acri in der Nachspielzeit (91.) ging knapp am Pfosten vorbei. "Wir hatten das Spiel in der Hand", seufzte Coach Dicetutto, "aber dann haben wir sie losgelassen."

Die Statistik erzählt die Geschichte in nüchternen Zahlen: 13 Torschüsse Neapel, 7 Udine; 51 Prozent Ballbesitz für die Gäste. Aber was die Zahlen nicht verraten: die Gesichter der Udinese-Spieler nach dem Abpfiff, zwischen Unglauben und Müdigkeit.

Trainer Maxov hingegen strahlte: "Ich habe in der Pause nur gesagt: Glaubt an euch - und vielleicht an Wladimir." Er lachte, dann fügte er an: "Manchmal reicht ein Spieler, um die ganze Stadt ins Wanken zu bringen."

So ging ein Spiel zu Ende, das in Udine wohl noch lange für Gesprächsstoff sorgen wird. Drei Tore von Charitonow, drei Punkte für Neapel, drei Fragezeichen bei Udines Defensivabteilung.

Im Stadion leerten sich die Ränge langsam, ein Fan rief noch: "Wir kommen wieder!" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Ja, aber hoffentlich mit Abwehr."

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Fußball ist eben kein Schach. Und an diesem Abend war Charitonow der König, der sich selbst zur Dame befördert hat.

04.10.643990 07:22
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