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Porto Alegre, 13. Januar 2026 - Es gibt Fußballabende, an denen man das Gefühl hat, dass die eine Mannschaft auch noch drei Stunden weiterspielen könnte - und trotzdem kein Tor erzielt. Für Gremio Porto Alegre war dieser Dienstag genau so ein Abend. 44.593 Zuschauer sahen ein 0:2 gegen UD Teresina, das so nüchtern wie verdient war. Huub Stevens, der erfahrene Gremio-Coach, stand nach dem Schlusspfiff mit verschränkten Armen da, als wolle er die Partie am liebsten rückwärts laufen lassen. "Wir hatten unsere Momente, ja", murmelte er in die Mikrofone. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert. Und heute haben wir keinen Ton getroffen." Dabei fing alles so lebendig an: Schon in der 8. Minute prüfte Alfie Bancroft den Teresina-Keeper Tibor Tataru, kurz darauf zog Hans Davidsen aus 20 Metern ab - und das Publikum glaubte kurz an ein Feuerwerk. Stattdessen wurde es ein Kerzenlicht. Denn Teresina übernahm bald das Kommando, unaufgeregt, aber zielstrebig. In der 16. Minute musste Tobias Lang, Trainer der Gäste, bereits reagieren: Joaquín Chalana verletzte sich und wurde durch Jari Kuqi ersetzt. "Ich hatte ehrlich gesagt nicht mal Zeit, meine Jacke wieder zuzuknöpfen", grinste Lang später. "Aber Jari war heiß - und das hat man gesehen." Eine prophetische Bemerkung, wie sich zeigen sollte. Denn kurz vor der Pause, in der 44. Minute, war es Eugenio Rogliano, der sich nach einem Pass eben jenes Kuqi über die linke Seite durchtankte und den Ball flach ins lange Eck schob. 0:1. Gremios Torwart David Djalo flog spektakulär - aber eben am Ball vorbei. "Ich dachte, er schießt hoch", rechtfertigte sich Djalo nach dem Spiel, und man konnte ihm den Ärger ansehen. Nach der Pause versuchte Gremio, mit mehr Tempo und Risiko zurückzukommen. Doch was folgte, war Lehrbuchkonterfußball. In der 58. Minute köpfte Kuqi selbst zum 0:2 ein - nach einer butterweichen Flanke von Innenverteidiger Mahir Calik, der sich offenbar kurzzeitig als Flügelspieler fühlte. "Ich wollte eigentlich gar nicht so weit nach vorne", lachte Calik später. "Aber wenn man schon mal da ist…" Von da an war der Widerstand gebrochen. Gremio versuchte es mit aller Macht, brachte in der 69. Minute drei frische Offensivkräfte - Vicente Manu, Joseba Munoz und Diamantis Dellas - doch die Gäste ließen sich nicht beirren. UD Teresina spielte die Partie kontrolliert herunter, als hätten sie ein Lehrvideo in Ballzirkulation gedreht. Die Statistik spiegelt das Bild deutlich wider: 19 Torschüsse der Gäste gegen 10 von Gremio, 53 Prozent Ballbesitz für Teresina, dazu eine abgeklärte Defensivarbeit, die kaum etwas zuließ. Gremio kam zwar gelegentlich gefährlich vors Tor - etwa in der 85. Minute, als Dellas knapp verzog - aber mehr als kosmetische Korrekturen waren das nicht. In der Schlussphase wurde es noch einmal kurz hitzig: Gelbe Karten für Bancroft (55.) und Velazquez (76.) auf Seiten der Gastgeber, sowie für Kuqi (81.) bei den Gästen - kleine Farbtupfer in einem ansonsten diszipliniert geführten Spiel. "Ich habe nur gesagt, dass er mich halten soll, nicht dass er mich festhält", witzelte Kuqi über die Szene, die ihm die Verwarnung einbrachte. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die rund 200 mitgereisten Fans von Teresina ausgelassen. Tobias Lang klatschte sein Team ab, als hätte es gerade die Copa gewonnen. "Drei Punkte sind drei Punkte - aber so wie wir heute gespielt haben, war’s ein Statement", erklärte der Coach. Huub Stevens hingegen verschwand wortlos in den Kabinengang, die Hände tief in den Taschen. "Wir waren zu brav", sagte er später auf der Pressekonferenz. "Wenn du gegen so eine Mannschaft spielst, musst du dreckig werden. Wir waren nur höflich." Ein Satz, der hängen bleibt - und vielleicht das Dilemma von Gremio an diesem Abend perfekt beschreibt: viel Wille, wenig Biss. UD Teresina dagegen zeigte, dass Offensivfußball nicht laut, sondern klug sein kann. Und so ging ein Abend zu Ende, der für Stevens’ Team schmerzhaft, für Langs Elf aber glänzend in Erinnerung bleiben dürfte. Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es trocken zusammenfasste: "Wenn du 19 Mal aufs Tor schießt, darfst du ruhig zwei machen. Wenn du nur zehnmal schießt, dann solltest du wenigstens einmal treffen." Manchmal ist Fußball eben doch reine Mathematik - nur dass Gremio an diesem Abend das falsche Ergebnis berechnet hat. 07.06.643987 00:33 |
Sprücheklopfer
Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen.
Uli Hoeneß