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Es war einer dieser Abende, an denen der SV Linx auf heimischem Rasen alles versuchte - und TV Badenstedt einfach alles traf, was zählte. Vor 5521 Zuschauern im Linxer Stadion setzte sich der Gast mit 3:1 (1:1) durch und zeigte dabei, warum er in der Regionalliga A zu den effektivsten Teams gehört. Trainer Michal Dickschat stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, blickte in die kalte Februar-Nacht und murmelte: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten das Tor." Ein Satz, der den Spielverlauf treffend zusammenfasst - 45 Prozent Ballbesitz für Linx, 55 für Badenstedt, kaum Unterschied in den Torschüssen (15:17), aber eben drei Tore auf der falschen Seite der Anzeigetafel. Dabei begann alles gar nicht so schlecht für die Hausherren. Nach gut einer halben Stunde erwischte Badenstedts Flügelflitzer Jens Witt den ersten Stich. In der 32. Minute nutzte er eine Unachtsamkeit in der Linxer Abwehr, zog von rechts in den Strafraum und schob überlegt ins lange Eck ein. "Ich hab’ einfach draufgehalten, und plötzlich war’s still im Stadion", grinste der 22-Jährige später - eine Mischung aus jugendlichem Übermut und eiskalter Präzision. Doch Linx zeigte Moral. Nur fünf Minuten später kombinierte sich die rechte Seite, Mark Fritsch legte elegant quer, und Robert Jahn verwandelte trocken zum 1:1. Ein Tor, das die Fans auf den Rängen kurz in Hoffnung badete - und den Stadionsprecher zu einem euphorischen "Da ist der Ausgleich!" verleitete, das man wahrscheinlich noch im Nachbardorf hörte. Bis zur Pause neutralisierten sich beide Teams. Dickschats Mannen standen taktisch ausgewogen, Badenstedt blieb seiner offensiven Flügelstrategie treu. Besonders auffällig: der erst 18-jährige Christian Guillory im zentralen Mittelfeld, der trotz seines Alters das Spiel lenkte, als hätte er bereits 100 Regionalliga-Partien auf dem Buckel. In der zweiten Halbzeit kippte das Spiel endgültig. Badenstedt kam mit Schwung aus der Kabine, und Linx wirkte, als hätte man die Halbzeitanalyse mit Kamillentee statt Kaffee bestritten. In der 65. Minute legte dann ausgerechnet der junge Guillory selbst nach - nach Vorarbeit von Wilhelm Thiel donnerte er den Ball aus 18 Metern in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später schelmisch zu, "aber wenn’s passt, sagt man natürlich, das war Absicht." Spätestens nach dem 1:2 war Linx gezwungen, das Risiko zu erhöhen. Dickschat stellte auf Offensive um, brachte den 18-jährigen Eduardo Henrico für Verteidiger Linus Schmitt - ein klares Zeichen: Alles oder nichts. Es wurde nichts. In der 77. Minute machte Lucas Lee den Deckel drauf, nachdem er einen feinen Doppelpass mit Guillory gespielt hatte. Das 1:3 war der Schlusspunkt eines Spiels, das Linx trotz ordentlicher Ansätze nicht kontrollieren konnte. "Wir haben aus jeder Welle Kapital geschlagen", freute sich Badenstedts Trainer TVBS Wingman, der seinem Namen alle Ehre machte: Seine Mannschaft spielte konsequent über die Flügel, mit langen Bällen und schnellen Vorstößen - ein Lehrstück in simpler, aber wirkungsvoller Taktik. Linx dagegen blieb bemüht, aber glücklos. Robert Jahn war der Aktivposten der Gastgeber, sieben Torschüsse gingen auf sein Konto, doch nach seinem Treffer blieb der Erfolg aus. "Irgendwann denkst du, das Tor ist verhext", stöhnte er nach Schlusspfiff, "und wenn du dann siehst, wie die Jungs drüben jubeln, willst du einfach noch mal anfangen." Es blieb beim 1:3, ein Ergebnis, das wohl härter klingt, als es das Spiel war, aber in seiner Konsequenz ehrlich. Die Abwehr des SV Linx, sonst solide, wirkte diesmal fahrig, und der Einsatz in den Zweikämpfen - 48,5 Prozent gewonnene Duelle - war zu wenig gegen ein Badenstedt, das jede Lücke gnadenlos nutzte. Obwohl Badenstedt ohne Pressing agierte, reichte die offensive Grundausrichtung, um Linx nach und nach in die eigene Hälfte zu drängen. In der Schlussphase half auch Dickschats Umstellung auf Offensive wenig - die Gäste spielten das Ergebnis kühl herunter. Am Ende gingen die 5521 Zuschauer mit gemischten Gefühlen nach Hause: enttäuscht über das Resultat, aber beeindruckt von der Spielfreude des Gegners. "Wir nehmen das als Lehrstunde", sagte Dickschat zum Abschied, "und hoffen, dass die Jungs beim nächsten Mal wissen, wo das Tor steht." Man darf gespannt sein, ob sie es bis dahin auch wieder treffen. 25.04.643990 04:42 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer