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Ein Freitagabend im Januar, Flutlicht, 12.283 Zuschauer in Bochum-Hordel - und ein Spiel, das alles hatte: Tore satt, einen Platzverweis, eine Verletzung in der Schlussphase und zwei Trainer, die nach Abpfiff völlig unterschiedliche Definitionen von "defensiv stabil" hatten. TuS Hordel besiegte FT Schweinfurt im Liga-Pokal der 2. Liga mit 4:3 (3:1) und zeigte dabei, dass Spektakel manchmal wichtiger ist als Kontrolle. Schon nach drei Minuten zappelte der Ball im Netz: Lennard Rothe, Hordels flinker Linksaußen, donnerte den Ball nach einer Hereingabe von Kurt Herbst aus spitzem Winkel unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Rothe später, "aber dann dachte ich, warum eigentlich nicht?" Die Fans jubelten, noch ehe sie richtig Platz genommen hatten. Doch Schweinfurt antwortete prompt. In der achten Minute stand Noah Winfield völlig frei auf rechts und drosch den Ball mit der Wucht eines enttäuschten Pendlerfrühstücks in die Maschen - 1:1. Trainer Kevin Ferry trommelte zufrieden in die Handflächen, während Hordel-Coach Ute Finkeldy an der Seitenlinie die Stirn runzelte. Was danach folgte, war ein kleines Offensivfeuerwerk der Gastgeber. Tim Pfeiffer, der Mann mit dem Instinkt eines Trüffelschweins im Strafraum, traf doppelt (17. und 28. Minute). Erst nach Vorarbeit von Curt Schöne, dann nach feinem Pass von Sturmpartner Mateja Anicic. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht nur schön, sondern auch effizient spielen können", sagte Pfeiffer - kurz bevor er in der 87. Minute verletzt vom Platz musste. Mit einem komfortablen 3:1 ging es in die Kabinen. Schweinfurt hatte zwar mehr Ballbesitz (53,5 Prozent) und ebenso viele Torschüsse wie Hordel (je 13), aber weniger Zielwasser. "Wir hatten den Ball, sie die Tore - das war’s dann wohl", murmelte Ferry später sarkastisch. Nach der Pause versuchte Schweinfurt, das Spiel zu drehen, doch Hordel schlug erneut zu. In der 50. Minute vollendete Vincent Albinana einen blitzsauberen Angriff über die rechte Seite, assistiert vom unermüdlichen Schöne. 4:1 - eigentlich das sichere Polster für einen ruhigen Abend. Eigentlich. Denn Albinana schaffte es, innerhalb von 31 Minuten vom gefeierten Torschützen zum tragischen Helden zu werden. Erst Gelb in der 26. Minute, dann Gelb-Rot in der 57. - ein klassischer Doppelschlag, der Trainerin Finkeldy das mühsame Pokerface zerstörte. "Ich hab ihm gesagt, er soll mit Köpfchen spielen", stöhnte sie nach dem Spiel. "Offenbar hat er mich zu wörtlich genommen - er hat ja nur mit dem Kopf genickt, als der Schiri die Karte zog." Mit einem Mann mehr kam Schweinfurt zurück in die Partie. In der 53. Minute traf Vitor Fortun nach Vorarbeit des jungen Manfred Betz zum 4:2, und zwanzig Minuten vor Schluss machte Sideris Anagnostou das Spiel mit dem 4:3 wieder richtig heiß. Winfield, der schon das erste Tor erzielt hatte, lieferte diesmal die Vorlage. Die letzten Minuten waren purer Nervenkitzel. Schweinfurt drückte, Hordel verteidigte mit allem, was Beine hatte - oder gerade noch stehen konnte. In der 87. Minute humpelte Pfeiffer nach einem Zusammenprall vom Platz, Berndt Brand kam für ihn. "Ich hab Berndt gesagt: einfach nach vorne laufen und beten", erzählte Finkeldy lachend. Brand lief - und betete offenbar erfolgreich, denn Hordel rettete das 4:3 über die Zeit. Schiedsrichterin Heike Knorr pfiff nach 94 Minuten ab, und die Hordeler Fans feierten, als ginge es bereits um den Aufstieg. Schweinfurts Trainer Ferry hingegen stapfte missmutig vom Platz. "Wir haben gut gespielt, aber sie haben viermal geschossen und viermal getroffen", schimpfte er - nicht ganz korrekt, aber emotional nachvollziehbar. Die Statistik spricht eine andere Sprache: 13 Torschüsse pro Team, nahezu ausgeglichene Zweikampfwerte, aber Hordel mit der größeren Effizienz. Und vielleicht auch mit dem größeren Herz. "Manchmal", sagte Finkeldy, "muss man einfach an den Sieg glauben, auch wenn man ihn gerade fast herschenkt." Ein Satz, der wohl noch auf einigen Hordeler Kaffeebechern landen wird. Und wer weiß - vielleicht auch in der Kabine von Schweinfurt, als stille Mahnung, dass Ballbesitz zwar schön ist, aber Tore einfach besser zählen. So bleibt am Ende ein Abend, an dem TuS Hordel bewies, dass Fußball keine Mathematik ist - und manchmal reicht ein bisschen Chaos, um Geschichte zu schreiben. 02.08.643987 18:12 |
Sprücheklopfer
Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.
Mehmet Scholl